Missstände in der Leder- und Schuhindustrie: „Change Your Shoes“

Bild: © Alex Proimos - Wikimedia

Jeder von uns trägt Schuhe und braucht sie auch, um seine Füße zu schützen. Aber wenigen von uns ist bewusst, was hinter der Produktion von Schuhen steckt. Schuhe werden immer günstiger und es gibt mehr Auswahl. Doch um so viele und auch billige Schuhe anbieten zu können, müssen viele Menschen einen hohen Preis dafür bezahlen. Das Leder, das für die Schuhe verwendet wird, ist mit hochgiftigen Chemikalien verseucht. 95 Prozent des für Schuhe verarbeiteten Leders wird mit Chromsalzen gegerbt. Diese Chromsalze haben nicht nur verheerende Folgen für die Ökologie des Produktionslandes, sondern auch gesundheitliche Folgen für die Arbeiter in der Lederfabrik, die Anwohner und die Endverbraucher.1)

Auch Kinderarbeit ist gängig in der Leder- und Schuhproduktion. Die Kinder werden dort eingesetzt, wo ihre kleinen Körper einen Vorteil bringen. Sie holen zum Beispiel Leder aus den Wasch- und Färbetrommeln heraus. Das gefärbte Leder ist oft mit den gefährlichen Chromsalzen verarbeitet worden. Trotzdem fassen die Kinder und die erwachsenen Arbeiter die mit Chemikalien verseuchten Materialien mit bloßen Händen an – denn Schutzkleidung gibt es keine.2) Es wird also unter schlimmsten Bedingungen gearbeitet. Immer wieder passieren Unfälle. Die Arbeiter sind permanent den toxischen Stoffen ausgesetzt, dessen Rückstände selbst noch an Körpern der Endverbraucher landen und über die Haut aufgenommen werden. Diese Chromsalze können Allergien, Verätzungen, Asthma und Krebs auslösen. Auch der brutale Umgang mit Tieren bei der Lederproduktion kann bei den Arbeitern und vor allem bei den arbeitenden Kindern psychische Schäden verursachen.3) Die Umwelt und die Anwohner in der Nähe solcher Fabriken leiden mit. Die giftigen Abfallstoffe des Gerbens werden meist ungefiltert in der Natur entsorgt. Giftstoffe sickern ins Grundwasser: Wasser, Umwelt und Lebewesen werden verseucht. Menschen rund um die Gerbereien leiden häufig an Durchfall, Fieber und Hautproblemen.

In der Schuhfabrik geht es mit den Missständen weiter. Die Arbeiter arbeiten jeden Tag in stickigen dunklen Räumen mit giftigen Klebern die neurotoxisch wirken. Auch werden über die Haut beim Vernähen des Leders die Chromsalze aufgenommen, was zu weiteren gesundheitlichen Problemen führen kann. Die Schuhe werden meist mit der Hand genäht, was oft zu Verletzungen führt. Auch Kinder werden häufig in der Schuhindustrie eingesetzt. Es wird geschätzt, dass mehr als 25.000 Kinder weltweit an der Schuhfabrikation beteiligt sind. Die meisten dieser Kinder leiden an Erkrankungen der Atemwege, Lungenerkrankungen und Hautinfektionen.4) Neben den gesundheitlichen Problemen sind auch die niedrigen Löhne und die fehlende soziale Absicherung für die Arbeiter ein großes Problem. Die Angestellten verdienen zwischen einem und zwei Euro am Tag, arbeiten jedoch weit über zehn Stunden täglich.

SÜDWIND und das INKOTA Netzwerk haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Missstände mit der Kampagne „Change Your Shoes“ ins Visier zu nehmen. Die Kampagne fordert eine grundlegende Verbesserung in der globalen Leder- und Schuhindustrie. Ziel ist es, sozialgerechte und ökologisch verträgliche Bedingungen zu schaffen. Auch soll der Verbraucher besser rückverfolgen können, wie seine Schuhe produziert wurden – durch mehr Transparenz. Die Öffentlichkeit soll über die Missstände aufgeklärt werden.

Für die Kampagne setzen sich 18 Partnerorganisationen aus aller Welt ein. Sie wollen eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Menschenrechte sollen durchgesetzt werden. Unternehmen sollen Verantwortung für Mensch und Umwelt übernehmen, denn nur sie haben die nötigen Mittel, dies zu verwirklichen.5)

  1. Change Your Shoes; aufgerufen am 02.03.2018 []
  2. Wirtschaftswoche: Die Lederproduktion in Bangladesch stinkt zum Himmel – stand: 31.07.2015 []
  3. Human Right Watch: Toxic Tanneries – stand: 31.07.2015 []
  4. ijoem: Child Labour in footwear industry – stand: 31.07.2015 []
  5. EPO: Leder und Schuhproduktion – stand: 3107.2015 []

Über veronika / earthlink

Ich bin die Veronika und mache den Bundesfreiwilligendienst bei Eartlink e.V.. Die Gesellschaft kann nur vorwärts kommen wenn sie aufgeklärt wird!
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