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Guatemala: Wenn Kinder ihre Kindheit nicht erleben dürfen

aktiv gegen kinderarbeit |  Bild: © earthlink e.v.

aktiv gegen kinderarbeit | Bild: © earthlink e.v.

Im Verwaltungsbezirk Sololá, im Westen Guatemalas, gehören arbeitende Kinder zum Alltag. Sie beginnen zum Teil schon im Alter von 5 Jahren. In Sololá ist Kinderarbeit so üblich, dass die Vorfälle so gut wie nie gemeldet werden. In staatlichen Statistiken sind somit die wenigsten Fälle von Kinderarbeit erfasst.

Ana ist ein 10-jähriges Mädchen aus einem kleinen Dorf im Norden Sololás. Ihr Arbeitstag beginnt um 5 Uhr. Mit ihrer Mutter verkauft sie Essen am Straßenrand und um 7 Uhr fängt sie an, für eine andere Familie zu arbeiten. Dort erledigt sie Einkäufe, putzt und passt auf das 2-jährige Kleinkind auf. Nachmittags geht die Viertklässlerin zur Schule. Sie hat Schwierigkeiten, vor allem mit der Konzentration. Ana verdient 2,50 Quetzal am Tag, das sind 29 Cent. Kinder sind in Guatemala beliebte Arbeitskräfte, denn sie wehren sich nicht und kosten im Vergleich zu den Erwachsenen kaum etwas. Sie verdienen im Monat mit 25 Wochenarbeitsstunden circa 520 Quetzal (60,50 Euro) und Erwachsene, die zwischen 20-40 Stunden arbeiten, bekommen um die 1 600 Quetzal (186 Euro).

Die arbeitenden Kinder haben oft große Schwierigkeiten, in der Schule mitzukommen und brechen diese vorzeitig ab. Ohne ausreichende Schulbildung erwartet sie eine harte Zukunft mit wenigen Chancen. So werden auch ihre Kinder arbeiten, um ihre Familie zu unterstützen. Laut des 2011 Reports des UN Development Program leben 74 Prozent der Bevölkerung in dieser Region Guatemalas in Armut und die Tendenz ist steigend. Auch die Kinderarbeitsquote wächst konstant.1)

Zur Verbesserung der Situation in Sololá muss als erster Schritt ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass Kinderarbeit in diesem Ausmaß keine Lösung darstellen kann und nicht als normal gelten sollte. Denn wenn Kinderarbeit als zwingend notwendig gesehen wird, so werden auch Behörden, die helfen wollen und können, nicht verständigt.

Desweiteren müssten Alternativen für die Kinder geschaffen werden. Hier könnten Projekte wie das des World Food Programme in Ägypten implementiert werden. Dort bekommen Kinder im Austausch zum regelmäßigen Schulbesuch Essensrationen für die ganze Familie. Denn eine Schule kann nur besucht werden, wenn die Familie genug zu essen hat. Möglichkeiten schaffen und zur Bildung motivieren ist eine wichtige Aufgabe von Staat und Entwicklungshilfeorganisationen vor Ort. Nur gebildete Kinder können sich irgendwann aus dem Kreislauf der Armut befreien.

  1. Bignewsnetwork: Pushed into Workforce by Poverty, many Guatemalan Children struggle to succeed in school Stand: 25.06.15 []
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