Der Tod im T-Shirt: Illegale Textilwerkstätten in Argentinien

Bild: © iamnotpablo - Morguefile

Am 27. April starben zwei Kinder bei einem Feuer in einer illegalen Textilwerkstätte in Buenos Aíres. Die beiden Brüder wurden im Schlaf von einer Explosion überrascht und konnten nicht entkommen, da Fenster und Türen teilweise komplett zugemauert waren. Die beiden Jungen waren sieben und zehn Jahre alt und lebten zusammen mit ihrer Familie im Untergeschoss eines Hauses, in dem sie auch arbeiteten. Die Eltern und eine weitere Familie konnten mit Brandwunden und Rauchvergiftungen entkommen.1)

Nach Angaben der argentinischen NGO „La Alameda“ wurde das Haus bereits 2014 den Behörden als verdeckte Textilfabrik gemeldet. Dieser Meldung soll jedoch nie nachgegangen worden sein. 30 weitere gemeldete Betriebe in der Umgebung wurden ebenfalls nicht untersucht. Viele dieser Ausbeuterbetriebe lassen größtenteils bolivianische Familien unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten und leben. Die unter unmenschlichen Bedingungen hergestellten Güter werden für Straßenhändler produziert oder in La Salada, dem größten Schwarzmarkt Argentiniens, verkauft.2)

Die illegalen Textilwerkstätten sind ein offenes Geheimnis in der Hauptstadt und in großen Teilen Argentiniens. Die Tragödie lenkte erneut die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die verdeckten Ausbeuterbetriebe des Landes, die von kriminellen Netzwerken unterhalten werden. Die organisierten Banden kaufen, mieten oder besetzen Häuser und verwenden sie als Werkstätten und notdürftige Unterkünfte für die Arbeiter. Die Mehrheit der Lohnabhängigen sind Bolivianer, die gezwungen werden, viele Stunden unter unmenschlichen Bedingungen und für sehr wenig Bezahlung zu arbeiten. Einige sind Opfer von Menschenhändlern. Viele illegale Textilbetriebe beschäftigen auch Kinder.

Argentinien ist kein Einzelfall. In zahlreichen südamerikanischen Ländern floriert der Handel mit Schmuggelware wie Textilien oder Kleidung. Illegale Werkstätten für Bekleidung sind geläufige kriminelle Einrichtungen, überall von Brasilien bis in die Vereinigten Staaten. Für viele Opfer von Menschenhändlern ist eine illegale, ausbeuterische Textilfabrik die letzte Station ihres leidvollen Lebens.

Lateinamerikanische Kriminelle sind nicht die einzigen, die vom Textilhandel profitieren. Weltweit gibt es überall Banden, wie die chinesische oder die italienische Mafia, die sehr ähnliche Interessen an der Textilindustrie haben. Die Wirtschaft hinter der Produktion, dem Transport und dem Verkauf von Textilien bietet Raum für Kriminalität.3)

Kinderarbeit ist besonders häufig im Bereich der Textilherstellung zu finden. Für viele Besitzer von illegalen Textilwerkstätten sind Kinder billige Arbeitskräfte, die sich nicht gegen Ausbeutung und lebensgefährliche Arbeitsbedingungen wehren können. Kinderarbeiter haben kein Drohpotential, sie können sich nicht in Gewerkschaften zusammenschließen und nur allzu oft gelten ihre Leben als austauschbar. Der Tod der beiden Jungen in Buenos Aíres zeigt dies nur allzu deutlich.

  1. Clarín: Había sido denunciado el taller ilegal donde murieron 2 nenes – aufgerufen am 5.5.2015 []
  2. The Argentina Independent: Fire in Textile Sweatshop Kills Two Children; Link nicht mehr verfügbar – 11.05.2018 []
  3. InSightCrime: Textiles and Organized Crime: How Everyday Products Turn Criminal Profits – aufgerufen am 4.5.2015 []

Über Carolin / earthlink

Ich habe in Regensburg mein Studium der Politikwissenschaft abgeschlossen. Jetzt mache ich ein Praktikum bei earthlink, weil ich überzeugt bin, dass Aufklärung der erste Schritt in die richtige Richtung ist.
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