Es gibt noch Kinderarbeit?!? – Bei vielen Kanadiern scheint das noch nicht angekommen zu sein

Bild: © MarkSweep - Wikimedia Commons

Woher kommen die Produkte in unseren Regalen, die man zu jeder Jahreszeit kaufen kann, obwohl sie im Verkaufsland keine Saison haben? Eine Umfrage von der Nichtregierungsorganisation World Vision Kanada ergab, dass mehr als die Hälfte der knapp 1.000 befragten Kanadier nicht davon ausgeht, dass in den gekauften Produkten Kinderarbeit steckt.
Im Jahr 2014 hat die Organisation die Kampagne „ No Child for Sale“ ins Leben gerufen. Sie soll die Aufmerksamkeit der Kanadier beim Einkauf schärfen und sie zum Nachdenken anregen. Grund für den Start von „No Child for Sale“ ist der 20-prozentige Anstieg der Kinderarbeit unter den 15 bis 17 Jährigen in den letzten fünf Jahren.1)
Im Rahmen der Kampagne wurde eine Liste veröffentlicht. Sie führt alle Produkte auf, die nach Kanada importiert werden und aus Gegenden stammen, wo Kinderarbeit weit verbreitet ist. Ein Beispiel dafür ist der Kaffee aus Mittelamerika.
Die Geschichte von Alberto (Name geändert) ist beispielhaft für die vieler Kinder, die in der Kaffeeproduktion tätig sind. Seit seiner frühen Kindheit arbeitet Alberto auf einer Kaffeeplantage in El Salvador. Er verdient das Geld für seine Familie. Ausgestattet mit einer Machete und einem Korb pflückt er von vier Uhr morgens bis sechs Uhr abends Kaffeebohnen. Er kämpft mit einer Atemwegserkrankung, schlechter Ernährung und der morgendlichen Kälte. Sein täglicher Verdienst liegt zwischen acht und zehn US-Dollar pro Tag. Obwohl die Arbeit ihn ermüdet, ist er stolz, seine Familie zu unterstützen.2)

Das Ziel von “No Child for Slave” ist, dass die Verbraucher die Produktionsweise von Importgütern hinterfragen. Wo kommen sie her? Wer war an der Fertigung beteiligt? Die Lieferketten von großen Konzernen sind kompliziert aufgebaut. Es ist schwierig herauszufinden, wo Kinder als Arbeiter eingesetzt werden. Man weiß aber, in welchen Ländern das gängige Praxis ist und in welchen nicht.
Cheryl Hotchkiss, die Managerin der Kampagne, glaubt, dass sich das Kaufverhalten der Kanadier ändern kann. Wenn sie über die Herstellungsbedingungen Bescheid wissen und sehen, dass etwas falsch läuft, wandelt sich, laut Hotchkiss, nachdem sie ein schlechtes Gewissen bekommen haben, das Einkaufsverhalten.3)

Es ist doch erschreckend, dass in einem weit entwickelten Land wie Kanada in der Bevölkerung verhältnismäßig wenig über das Thema Kinderarbeit bekannt zu sein scheint – im Gegensatz zu Deutschland, wo die Thematik schon länger präsent ist. Viele Organisationen hierzulande beschäftigen sich mit dem Thema. Unsere Kampagne “Aktiv gegen Kinderarbeit, die seit dem Jahr 2004 existiert, ist die umfassendste Informationsseite rund um das Thema im deutschsprachigen Raum.

  1. No Child for Sale: Together we’re making a change; Link nicht mehr abrufbar – 11.05.2018 []
  2. No Child for Sale: A Child in the coffe forests; Link nicht mehr abrufbar – 11.05.2018 []
  3. The Hamilton Spectator: Most Canadians unaware how many products tied to child labour, poll says – Stand 1.4.15 []

Über antonia / earthlink

Nachdem ich im Sommer 2014 mein Abitur gemacht habe, arbeite ich derzeit als Bundesfreiwillige bei earthlink e.V. Im Herbst fange ich mit meinem Humangeografie Studium an. Die Arbeit hier ermöglicht es mir erste Erfahrungen in dem Arbeitsbereich, der mich interessiert, zu sammeln und herauszufinden ob es wirklich das Richtige für mich ist.
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2 Antworten zu Es gibt noch Kinderarbeit?!? – Bei vielen Kanadiern scheint das noch nicht angekommen zu sein

  1. Karin sagt:

    Kinderarbeit ist sehr schlimm, vor allem das Kinder ihre Kindheit nicht richtig ausleben können. Was mir gerade einfällt, Kinder die mit jungen Jahren auf die Bühne kommen, ist das auch nicht eigentlich Kinderarbeit?

    Lg Karin

    • nikoletta / EarthLink sagt:

      Hallo Karin,
      es kommt bei Kinderarbeit in der Unterhaltungsindustrie auf das jeweilige Land und die nationale Gesetzgebung an: Bei uns herrschen aufgrund des Jugendarbeitsschutzgesetzes strenge Auflagen, wenn Kinder z.B. als Jungschauspieler arbeiten. Von ausbeuterischer Kinderarbeit kann erst die Rede sein, wenn die Kinder durch die Tätigkeit an ihrem Schulbesuch gehindert werden oder wenn die körperliche, seelische und sittliche Entwicklung gefährdet wird. Hier gibt es sicher eine schmale Grenze, die nicht überschritten werden sollte.
      Viele Grüße,
      das earthlink-Team

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