Aktionsprogramm “Bildung für alle” endet nach 15 Jahren – Ernüchternde Bilanz

Bild: © n.v. - Wikimedia Commons

Kürzlich wurde der UNESCO-Weltbildungsbericht vorgestellt und veröffentlicht. Aus diesem Bericht geht hervor, dass lediglich ein Drittel der Weltgemeinschaft die sechs Bildungsziele erreicht hat, zu denen sie sich im Jahr 2000 selbst verpflichtet hatte. Nur in der Hälfte der Länder erhalten alle Kinder eine Grundschulbildung. Allerdings gibt es auch positive Nachrichten: Etwa 50 Millionen mehr Kinder gehen im Vergleich zum Jahr 1999 in die Schule. Das geht aus dem aktuellen UNESCO-Weltbildungsbericht hervor, der am 9. April in Paris, Neu Delhi und New York vorgestellt wurde. Seit 2002 wird im Auftrag der UNESCO der Weltbildungsbericht “Education for all – Global Monitoring Report” von einem unabhängigen Team verfasst. Dieser liefert regelmäßig einen Zwischenstand zur Realisierung des weltweiten Aktionsprogramms “Bildung für alle”.1)

Im aktuellen Bericht wird Bilanz gezogen über das weltweite UN-Aktionsprogramm “Bildung für alle”. In diesem wurden vor 15 Jahren verbindliche Ziele für das Jahr 2015 festgeschrieben. Unter anderem sollten folgende Ziele realisiert werden: Ausbau der frühkindlichen Bildung, die Grundschulbildung für alle Kinder, Absicherung der Lernbedürfnisse Jugendlicher.2)

Die Finanzierung bleibt das größte Hindernis, um die grundlegenden Bildungsziele zu erreichen, obwohl seit dem Jahr 2000 die Staaten deutlich mehr für die Bildung ausgegeben haben. 38 Länder erhöhten ihre Investitionen um mindestens ein Prozent ihres Bruttonationaleinkommens. Laut dem Weltbildungsbericht reichen diese finanziellen Bemühungen nicht aus. Demnach müsse die internationale Gemeinschaft in Zusammenarbeit mit den Regierungen Möglichkeiten finden, um die jährliche Finanzlücke von 22 Milliarden US-Dollar zu schließen.

Zudem vertreten die Autoren die Meinung, dass die zurzeit verhandelte UN-Agenda für nachhaltige Entwicklung die Erkenntnisse des Berichts berücksichtigen muss. Zukünftige Bildungsziele müssten realistisch sein und einen Schwerpunkt auf Bildung für benachteiligte Gruppen legen, so die Autoren des Weltbildungsberichts.3)

Dabei ist mangelnde oder fehlende Bildung sowohl eine Folge, aber auch eine der Hauptursachen von Kinderarbeit. Kinder die arbeiten müssen, gehen oftmals gar nicht oder nur für wenige Stunden zur Schule. In der Schule sind sie dann häufig zu müde, um dem Unterricht zu folgen und sich konzentrieren zu können. Zudem leiden sie oftmals unter Krankheiten oder verpassen durch ihre Arbeitszeiten den Anschluss und werden nicht motiviert, zu lernen. Die Eltern können sich häufig einen Schulbesuch der Kinder nicht leisten oder sehen zum Teil auch gar keine Notwendigkeit dafür. Die Kinder sollen lieber dabei helfen, die Familie zu ernähren.

Diese Denkweise stellt sich aber als Teufelskreis für die Kinder und deren Familien heraus: Denn Kinder ohne Schulausbildung haben später kaum eine Chance, sich ein besseres Leben aufzubauen. Ohne Bildung ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass sie eine richtige Ausbildung bekommen oder ein Handwerk lernen können. Untersuchungen zeigen, dass ehemalige Kinderarbeiter häufig auch ihre eigenen Kinder wieder zur Arbeit schicken. Dadurch bleiben ganze Generationen in diesem Kreislauf der Armut gefangen.4)

  1. UNESCO: Globales Aktionsprogramm „Bildung für alle“ endet nach 15 JahrenUNESCO zieht kritische Bilanz – Stand 10.04.2015 []
  2. UNESCO: Nur jedes dritte Land erreicht Bildungsziele – Stand 10.04.2015 []
  3. UNESCO: Globales Aktionsprogramm „Bildung für alle“ endet nach 15 Jahren – UNESCO zieht kritische Bilanz – Stand 10.04.2015 []
  4. PlanetWissen: Kinderarbeit – Stand 10.04.2015 []

Über Joe / earthlink

Ich habe in Bamberg mein Politikwissenschaftsstudium beendet und möchte nun die ersten praktischen Erfahrungen bei EarthLink sammeln. Ich interesse mich sehr für Nachhaltigkeits- und Gerechtigkeitsthemen. In meinem zukünftigen Berufsleben würde ich mich gerne weiterhin für diese Interessen einsetzen.
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