Kinder und Frauen als Selbstmordattentäter

aktiv gegen kinderarbeit |  Bild:  © earthlink e.v.

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Der UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) warf am Mittwoch in Genf dem Islamischen Staat (IS) in einem Bericht abscheuliche Verbrechen an Kindern vor. Die Informationen stammen von 18 unabhängigen Experten, welche die Einhaltung der UN-Kinderrechtskonvention im Irak überwachen. Aus dem Bericht geht hervor, dass Kinder ausgebeutet, als Selbstmordattentäter missbraucht, ermordet und sexuell ausgenutzt werden. Besonders betroffen sind Flüchtlingskinder, Kinder mit Behinderung, sowie Straßenkinder und Waisen.

Anhänger des IS rekrutieren Minderjährige, welche auch immer wieder von den eigenen Eltern verkauft werden. Ihr Einsatz erfolgt beispielsweise als menschlicher Schutzschild an Kontrollposten, um (Luft-) Angriffe zu verhindern. Außerdem ist in dem Bericht die Rede davon, dass die Kinder gezwungen werden, Bomben für den IS zu bauen.
Das systematische Töten der Kinder, die hauptsächlich aus religiösen und ethnischen Minderheiten stammen, ist in seiner Grausamkeit schwer zu beschreiben. Die Rede ist von Kreuzigungen, lebendigen Begräbnissen, Enthauptungen und Massenhinrichtungen von Jungen.1)  Renate Winter, eine Expertin des UN-Komitees sagt, dass die UN besonders, aufgrund von Folterungen und Ermordungen an Kindern, die hauptsächlich Minderheiten angehören, besorgt seien. Das Ausmaß des Problems ist riesig.
Auch irakische Mädchen, die zuerst nach Syrien geflohen sind und dann in ihre Heimat zurückkehren, sind besonders gefährdet. Ihnen fehlt häufig die Sicherheit durch die Familie, des Stammes oder des Staates und so sind sie dem IS schutzlos ausgeliefert.2)

In dem Bericht verüben die Vereinten Nationen auch Kritik an der irakischen Regierung. Sie wird dazu aufgefordert, wenigstens in ihren Einflussgebieten den Kindern Schutz zu gewährleisten.3) Die Vereinten Nationen werfen der Regierung in Bagdad vor, Kinder an Kontrollposten einzusetzen. Die Minderjährigen, die unter Terrorverdacht stehen, sollen unter widrigen Bedingungen festgehalten werden. Seitens der irakischen Behörden werde außerdem nicht genug getan, um den Ursprung von Kinderhandel, Armut, Prostitution, Gewalt und Diskriminierung zu bekämpfen.4) „Viele Kinder seien nicht registriert, was sie extrem gefährde.“5)

Warum Kinder und Frauen immer häufiger als Selbstmordattentäter missbraucht werden, hat mehrere Gründe: Zum Einen sind sie oftmals auf den Schutz ihrer Familie angewiesen und ihr somit auch ausgeliefert, zum Anderen werden sie seltener der Ausübung eines Attentats verdächtigt und bei Kontrollen kaum durchsucht. Dadurch ist es für sie leichter an öffentlichen, viel besuchten Orten, einen Anschlag zu verüben.
Im Irak verkaufen die Eltern ihre Kinder an bewaffnete Gruppen. Sie gehören diesen meist selbst an, oder sind Sympathisanten.
Immer öfter werden auch geistig behinderte Kinder in den Tod geschickt. Sie begreifen oftmals gar nicht, was sie genau tun, was die ganze Sache noch grausamer macht.
Auch in Nigeria ist der Einsatz von Kindern als sogenannte „Child suicide bombers“ ein präsentes Problem. Die Rebellengruppe Boko Haram missbraucht immer mehr Mädchen und Frauen als Selbstmordattentäterinnen. Erst kürzlich hat sich ein Kind in die Luft gesprengt. Am 10. Januar riss ein Mädchen, ausgerüstet mit Sprengstoff am Körper, in der Millionenstadt Maiduguri 20 Menschen in den Tod. Das Mädchen sei laut UN-Behörden gerade einmal zehn Jahre alt gewesen sein und gehörte zu den jüngsten Attentätern im nigerianischen Staat.
Dass Boko Haram jetzt vermehrt Frauen und Kinder ausbildet, um Selbstmordattentate auszuüben, wertet die UN-Sicherheitsexpertin Mia Bloom als Schwäche. Wenn Gruppen Frauen oder Kinder engagieren, kommen sie laut Bloom nicht an ihre Zielorte – oder ihnen fehlen schlichtweg die Männer.
Eine Bürgerwehr in Maiduguri berichtet von der Ausbildung von 50 Selbstmordattentäterinnen durch Boko Haram. Sie hatten die Aufgabe, zusammen 100 000 Menschen zu töten. Das wiederum ist eine gigantische Zahl, die nicht nach Schwäche aussieht.6)

  1. focus.de: IS-Miliz missbraucht geistig behinderte Kinder als Selbstmordattentäter – stand 6.2.15 []
  2. welt.de: Flüchtlingsmädchen sind IS schutzlos ausgeliefert – stand 6.2.15 []
  3. t-online.de: Kinder als Sexsklaven und Selbstmordattentäter – stand 6.2.15 []
  4. sueddeutsche.de: UN prangern Gräueltaten gegen Kinder an – stand 6.2.15 []
  5. huffingtonpost.de: UN-Bericht: ISIS soll Kinder kreuzigen und lebendig begraben – stand 6.2.15 []
  6. welt.de: Wie Boko Haram junge Frauen als Waffen benutzt – stand 6.2.15 []

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