Kinder(alb)traum Ferrero

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Die Schokoladenherstellung, insbesondere die Kakaoernte, wird in den Medien immer wieder mit dem Thema Kinderarbeit verknüpft. Aber auch bei anderen Rohstoffen, die in Süßigkeiten zu finden sind, rückt diese Problematik in den Fokus.
Mustafa, 10 Jahre, arbeitet in der Türkei in einem Haselnussgarten in der Nähe der Schwarzmeerküste. Der Junge schuftet sieben Tage die Woche und bis zu zwölf Stunden am Tag, in der Mittagshitze oft bei 35 Grad Celsius. Dabei verdient er 40 Lira am Tag, das sind ungefähr 14 Euro. Morgens holt ihn ein Traktor vor dem Zelt der Familie ab, dieser bringt die Arbeiter zu den Sträuchern. Zum Frühstücken bleibt keine Zeit. Nach 12 Stunden bringt der Traktor die Arbeiter wieder zurück.1)

So wie Mustafa geht es in der Türkei rund 400 000 Kindern zwischen sechs und 17 Jahren, die regelmäßig in der Landwirtschaft tätig sind. Sie leben mit ihren Familien in Zeltlagern, die oftmals nicht einmal über eine richtige Toilette verfügen.
Die Wanderarbeiter, die früher im Jahr im Süden Tomaten gepflückt haben, nehmen ihre Familien mit, wenn sie von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz ziehen. Rund dreiviertel der weltweiten Haselnussexporte kommen aus der Türkei und ohne die Mithilfe der Minderjährigen Arbeiter, wäre das nicht zu schaffen.
Die Lieferkette der Haselnüsse ist unübersichtlich und nur schwer zu verfolgen. Beginnend bei den Pflückern, kommen die Nüsse dann zu Zwischenhändlern, die sie an Fabriken zur Weiterverarbeitung verkaufen. Am Ende kann man nicht mehr bestimmen, welche Nuss von welchem Bauern kommt, da die Nüsse meist schon beim Zwischenhändler vermischt werden.1)

Abnehmer der Nüsse sind große Süßwarenhersteller – allen voran Ferrero mit 80 000 bis 85 000 Tonnen geschälter Haselnüsse jährlich.
Die Firma gibt mehrere 100 Millionen Euro im Jahr für Werbung aus, um den Menschen glückliche Familien zu zeigen und eine heile Welt vorzuspielen. Mit der realen Situation in denen sich die Arbeiter befinden hat das nichts zu tun.
Der Hauptstandort der Firma Ferrero International S.A. ist in Luxemburg. Der Konzern besteht aus ca. 70 Unternehmen mit 22 831 Angestellten.
Der Verantwortliche ist Giovanni Ferrero, der allerdings nicht bereit war, mit dem Zeit Reporter Marcus Rohwetter ein Gespräch zu führen.
Ferrero setzt sich laut eigener Angaben gegen Kinderarbeit ein. „Türkische Lieferanten hätten sich zur Vermeidung jeglicher Form von Kinderarbeit verpflichtet“, so ist es in den „Ferrero Farming Values“ vorgesehen. Zur Überprüfung werden unangemeldete Kontrolleure in die Betriebe geschickt. Gemäß des Konzerns sollen bis 2020 alle Haselnusslieferungen bis zum Ursprung verfolgt werden können.2)1)

Die Tageszeitung die Zeit hat gestern ein Interview mit der Leiterin der türkischen Hilfsorganisation Hayata Destek (Lebenshilfe), Sema Genel geführt, in dem es um das Thema Kinderarbeit in Haselnussgärten geht. Laut Frau Genel ist es sehr schwierig auf dem Weltmarkt Haselnüsse zu kaufen, die nicht von Kindern geerntet worden sind. Es gibt zwar vereinzelt Bio Bauern, große Massen können diese aber nicht liefern. Auf die Frage warum es so schwierig sei Kinderarbeit in der Produktion auszuschließen, antwortet sie, dass das an den unübersichtlichen Produktionsketten liege.
Um das Problem der Kinderarbeit in den Griff zu bekommen, „reicht es…“, so Genel, „…nicht aus, die Arbeit in der Landwirtschaft für Kinder zu verbieten“. Die Türkei hat mit der ILO eine Vereinbarung getroffen, die ein Verbot von Kinderarbeit in der Landwirtschaft vorsieht. Doch wenn die Kinder nicht mehr auf dem Land arbeiten dürfen, finden sie eine neue Stelle in einer Fabrik, und damit ist das Problem nicht gelöst. Gemäß Genel muss man den Familien Alternativen anbieten und sie unterstützen, dass die Kinder in die Schule gehen können, sonst wird sich die Situation nicht nachhaltig verbessern.3)

  1. DIE ZEIT, Wirtschaft s. 21/22, 17.12.2014 [] [] []
  2. welt.de: Haselnussernte klappt nur mit Kinderarbeit – aufgerufen am 18.12.2014 []
  3. zeit.de: Süßigkeiten mit Haselnüssen basieren meist auf Kinderarbeit – aufgerufen am 18.12.2014 []

Über antonia / earthlink

Nachdem ich im Sommer 2014 mein Abitur gemacht habe, arbeite ich derzeit als Bundesfreiwillige bei earthlink e.V. Im Herbst fange ich mit meinem Humangeografie Studium an. Die Arbeit hier ermöglicht es mir erste Erfahrungen in dem Arbeitsbereich, der mich interessiert, zu sammeln und herauszufinden ob es wirklich das Richtige für mich ist.
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1 Antwort zu Kinder(alb)traum Ferrero

  1. Dieter Wirdeier sagt:

    Leider will das niemand wissen. Weder die Presse noch die meisten Politiker nicht. Mehrfach habe ich versucht darauf aufmerksam zu machen.

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