Für viele Menschen in China endet die Kindheit mit dem Schulbeginn

Bild: © Kriplozoik - Wikimedia Commons

Am 1. September hat in China das neue Schuljahr begonnen. Für die Kinder, die in diesem Jahr neu eingeschult wurden, bedeutet das, dass man sie von nun an kaum noch im Freien antreffen wird. Denn auf sie wartet ein Schulalltag, der keinen Platz für Freizeit zulässt.

Ein durchschnittlicher Schultag ist in China acht Stunden lang. Danach besuchen Studien zufolge noch 90% der Schüler jeden Abend eine Nachhilfeschule. Und zu guter Letzt warten noch zwei bis vier Stunden Hausaufgaben auf die Kinder. Viele von ihnen sind damit überfordert. Sie leben nur noch von Prüfung zu Prüfung und leiden unter enormem Schlafmangel. Und auch an den Universitäten geht der Stress weiter. Es gibt inzwischen sogar Beratungsstellen für überforderte Studenten, diese werden jedoch kaum besucht. „Die Jugendlichen kommen nicht, weil sie keine Zeit haben, sie müssen lernen.“ heißt es.1)2)

Der enorme Druck, der auf den Schülern lastet, führt auch immer wieder zu Selbstmorden. Im vergangenen Jahr sorgte der Fall eines zehnjährigen Jungen, der sich von einem Hochhaus stürzte, für Aufsehen. Er war nicht rechtzeitig mit einem Aufsatz fertig geworden und hatte sich deshalb aus Verzweiflung das Leben genommen. Statistiken zeigen, dass dies kein Einzelfall ist. Inzwischen gilt Selbstmord als die häufigste Todesursache bei Jugendlichen in China. (In westlichen Ländern sterben die meisten Jugendlichen durch Unfälle.)3)

Kinder in chinesischen Schulen sind einem extremen Konkurrenzdruck ausgesetzt. So steht am Ende der Schulzeit eine Aufnahmeprüfung für die wenigen, begehrten Plätze an den Universitäten. Dieser neunstündige Test, Gaokao genannt, entscheidet für viele Eltern allein über die restliche Karrierelaufbahn ihrer Kinder. So sind meist sie es, die ihren Kindern so viel abverlangen und ihnen kaum Raum für eine Freizeitgestaltung einräumen. Als im Jahr 2013 die chinesische Stadt Urumqi einen Plan von den ersten „Sommerferien ohne Hausaufgaben“ vorstellte, waren viele Eltern empört. Sie hatten Angst, ihre Kinder würden im Konkurrenzkampf um die Plätze an den Universitäten abgehängt und sorgten so selbst für Hausaufgaben.1)

Die chinesische Regierung hat das Problem ihrer überforderten Schüler inzwischen erkannt. So sollen nun beispielsweise die Kriterien für die Aufnahme an den Universitäten erweitert werden. Außerdem plant man, den Prüfungszeitraum zu entzerren, um die Schüler zu entlasten. Erste Testläufe des neuen Systems sollen bereits Ende dieses Jahres in ausgewählten Provinzen stattfinden.4)

  1. Süddeutsche.de: Chinas Schüler sollen leben lernen – Zuletzt aufgerufen am 09.09.2014 [] []
  2. Frankfurter Rundschau: Das Ende der Kindheit – Zuletzt aufgerufen am 09.09.2014 []
  3. The Week: The rise of youth suicide in China – Zuletzt aufgerufen am 09.09.2014 []
  4. CCTV.com : Changes of Gaokao to relieve pressure for students, offer more chances – nicht mehr verfügbar []

Über Sebastian / earthlink

Hallo, ich bin der Sebastian. Ich komme aus München und habe dort im März mein Bachelorstudium der Volkswirtschaftslehre abgeschlossen. Derzeit engagiere ich mich in einem zweimonatigen Praktikum bei Earthlink.
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