Staatanwaltschaftliche Ermittlungen gegen 115 mutmaßliche Besitzer von Kinderpornografie.

Kind, allein, traurig | Bild: © matei - morgueFile

In einer groß angelegten Ermittleraktion durch 550 Polizisten wurden die Wohnungen von 115 mutmaßlichen Mitgliedern eines kinderpornografischen Internet-Tauschrings untersucht. Die Vorwürfe gehen dabei teilweise über den bloßen Konsum des Materials hinaus, so habe man sich auch gegenseitig Ratschläge gegeben, wie man Jungen verführen könne. Gegen fünf der Beteiligten erhebt man den Vorwurf des aktiven Kindesmissbrauchs.

Festnahmen gab es noch keine, jedoch wurde umfangreiches Material auf Datenträgern sichergestellt. Deshalb könnten sich die weiteren Ermittlungen in die Länge ziehen: das pornografische Material muss erst von Hand gesichtet und geprüft werden.

Möglich wurden die Durchsuchungen durch einen anonymen Hinweisgeber, die Ermittlungen profitierten von einer Kooperation durch die Generalstaatsanwaltschaft und die 2010, ebenfalls in Hessen, eingerichtete Zentralstelle zur Bekämpfung von Internetkriminalität. Bei der ZIT handelt es sich um eine bundesweit einmalige „Task Force“ die sich unterschiedlichen Formen des organisierten Verbrechens im World Wide Web widmet, unter anderem auch der Wirtschaftskriminalität.1)

Bei Kinderpornografie handelt es sich laut dem hessischen Justizministerium um ein so genanntes „Kontrolldelikt“, meint, die verfolgten Fälle korrelieren mit der Aktivität der Behörden. Zwar lässt sich in den letzten Jahren eine zunehmende öffentliche Aufmerksamkeit für solche Delikte feststellen, dies geht aber nicht zwingend mit einer Zunahme der Missbrauchsfälle einher.2)

Es muss allerdings von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.

Betroffen sind zu ungefähr gleichen Teilen Jungen und Mädchen, die Täterschaft geht allerdings in der Regel von erwachsenen Männern aus, häufig entstammen sie dem verwandtschaftlichen Umfeld.

Zwar dient nur ein minimaler Teil sexueller Übergriffe gegenüber Minderjährigen der Produktion pornografischen Materials, auch hat sich das quantitative Angebot in den letzten Jahren kaum geändert.3) Wohl aber in Bezug auf die Qualität – so werden die Opfer jünger, die ihnen abverlangten sexuellen Handlungen extremer.2)
Gleichzeitig hat die Zahl der Konsumenten in den letzten Jahren drastisch zugenommen, wohl als Folge des erleichterten Zugangs durch, und die vermeintliche Anonymität des Internet.

Unverändert ist die Situation der meist 8-14 jährigen Opfer. Häufig befinden sie sich in einer Art Abhängigkeitsverhältnis von den Tätern, die ihre Annäherungsversuche durch harmlose Kameradschaft oder Erziehungsmaßnahmen tarnen.

Das Opfererleben ist physischer als auch psychischer Natur. Meist befinden sie sich in einem Abhängigkeitsverhältnis zu den Tätern, was das Gefühl von Hilflosigkeit verstärkt. Oft realisieren sie erst im Nachhinein, manchmal erst im „reifen“ Alter, die Ausmaße des Missbrauchs und reagieren mit Scham und Verdrängung.

  1. Justizministerium Hessen: Justizstaatssekretär Dr. Rudolf Kriszeleit: Die ZIT in Gießen ist Vorreiter in Deutschland – Sondereinheit der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt zur Bekämpfung der Internetkriminalität: https://justizministerium.hessen.de/presse/pressemitteilung/justizstaatssekretaer-dr-rudolf-kriszeleit-die-zit-giessen-ist-vorreiter []
  2. n24.de: Der Kampf gegen Kinderpornographie http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Panorama/d/5192292/der-kampf-gegen-kinderpornographie.html [] []
  3. Verein für Betroffene, Partner und Gegner von sexueller Gewalt: http://www.gegen-missbrauch.de/zahlen []

Über Philipp Albrecht / earthlink

Student der Politikwissenschaft, Praktikant bei Earthlink.
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