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Nachwuchsgewinnung bei der Bundeswehr: Vom Sandstrand ins Mohnfeld?

aktiv gegen kinderarbeit |  Bild:  © earthlink e.v.

aktiv gegen kinderarbeit | Bild: © earthlink e.v.

Sommer, Sonne und Strand – Wen zieht solch ein Bild nicht an? Dennoch wird man dies in einem Krisengebiet wohl nicht genießen können. Mit diesen Bildern wirbt die Bundeswehr in Zeitschriften wie z. B. der „Bravo“ für ihre „Adventure Camps“ – in der Hoffnung, Nachwuchs anwerben zu können.
„Einseitig“ und „realitätsfern“ nennt Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte bei terre des hommes, die Militärwerbung bei Minderjährigen. Auch das Deutsche Bündnis Kindersoldaten kritisierte die Anzeigen scharf. Kritiker bezeichnen das Vorgehen der Bundeswehr als eine „Ausbildung von Kindersoldaten“ und sehen darin einen Verstoß gegen Kinderechte. So sei dies  nicht mit den völkerrechtlichen Verpflichtungen der UN-Kinderrechtskonventionen vereinbar. Der Ausschuss für Kinderrechte der Vereinten Nationen habe Deutschland schon im Februar offiziell aufgefordert, die Nachwuchswerbung bei Minderjährigen zu verbieten sowie das Rekrutierungsalter auf 18 Jahre zu erhöhen.1)
Laut einem Bericht der Zeit gab es im Juni 2013 48 Bewerber im Alter von 16 Jahren, welche bereits an einem Eignungstest teilgenommen hatten. Nach Anfragen der Linken-Fraktion im Bundestag teilte das Verteidigungsministerium mit, dass 2012 die Bundeswehr 1.216 freiwillig Wehrdienstleistende und Zeitsoldaten unter 18 Jahren eingestellt hat. Auf die Aussage der Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die Bundeswehr familienfreundlicher zu machen, antwortete Linken- Verteidigungsexpertin Katrin Kunert: „Der beste Schutz für Familien wäre Minderjährige nicht mehr für militärische Zwecke zu rekrutieren.“
Die Bundeswehr verteidigt ihr Vorgehen und möchte weiterhin daran festhalten. Das Mindestalter beträgt 17 Jahre, der Waffengebrauch ist strengstens bewacht und beschränkt sich auf die Ausbildung. Auslandseinsätze sind den Minderjährigen nicht gestattet. Praxis, die im Einklang mit den UN-Kinderrechtskonventionen steht.2)
An den Bundeswehr-Adventure Camps nehmen teilweise auch 16-jährige teil. So ging es im Februar für fünf Tage zu den Gebirgsjägern in die Chiemgauer Alpen: „Sie zeigen dir, was es bedeutet, Soldat oder Soldatin bei der Bw zu sein.“ Die Kinder sollen sich ihr eigenes Bild von der Bundeswehr und dem Beruf machen. Vor allem auch Fragen zu wichtigen Themen stellen, insbesondere zu den Auslandseinsätzen. Die einzige Vorraussetzung: „Sportlich muss man sein“, denn Aktivitäten wie Klettern, Bergmarsch und Schneeschuhtouren stehen auf dem Programm.3)

  1. deutsches Ärzteblatt:Kritik an Nachwuchswerbung der Bw. erschienen am: 08.08.14. aufgerufen am: 12.08.14 []
  2. die Zeit: Bw rekrutiert Minderjährige. erschien am: 24.01.14 aufgreufen am: 12.08.14 []
  3. treff.bundeswehr: Bw Adventure Camps; nicht mehr verfügbar []

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