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Indien, ein Land als Versuchslabor westlicher Pharmakonzerne

aktiv gegen kinderarbeit |  Bild:  © earthlink e.v.

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Bis zum 12. August beschäftigt sich der Oberste Gerichtshof Indiens mit der Frage, ob westliche Pharmakonzerne von Juli 2009 bis April 2010, illegal klinische Studien an 24 000 Mädchen im Alter von 10 bis 14 Jahren durchgeführt haben. Die gemeinnützige Organisation Path startete die von der Bill und Melinda Gates Stiftung finanzierte HPV-Beobachtungsstudie in den indischen Provinzen Andhra Pradesh und Gujarat. HPV steht für „humane Papillomaviren“, Ursache für nahezu alle Formen von Gebärmutterhalskrebs. Geimpft wurden die zugelassenen Stoffe Gardasil, vom Pharmakonzern Merck und Cervavix, von GlaxoSmithKline. Sieben der Mädchen verstarben während der Studie, wenn auch, wie sich durch eine Untersuchung des indischen Parlaments später herausstellte, nicht an den Folgen der Impfung. Doch an der Untersuchung kann berechtigte Kritik geäußert werden, da eine nachträgliche Autopsie der toten Mädchen, aufgrund der bereits stattgefundenen Einäscherung nicht mehr möglich war. Die HPV Impfung kann massive Nebenwirkungen hervorrufen. Ebenso steht sie in Verdacht, seit ihrer Einführung zu über 26 dokumentierten Todesfällen in den USA geführt zu haben. Ein impfungsinduzierter Tod kann also nicht sicher ausgeschlossen werden. Doch unabhängig von der Frage, ob die HPV Impfung zum Tod der jungen Mädchen führte, wurden die Praktiken, die bei der Studie angewandt wurden – vor allen Dingen aus einem ethischen Blickwinkel betrachtet – scharf kritisiert. Bei einem großen Teil der Mädchen wurden vorher keine Einverständniserklärungen von Seiten der Eltern eingeholt. Vielfach unterschrieben Lehrer die benötigten Formulare. Ebenso fanden keine Vor- bzw. Nachsorgeuntersuchungen statt.

Durch die Auslagerung der klinischen Tests nach Indien spart die Pharmaindustrie bis zu 40 Prozent der anfallenden Kosten, schätzen Experten. Zusätzlich bietet Indien mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern viele mögliche Freiwillige, um klinische Studien durchzuführen. Dass die Tests meistens in ländlichen Regionen durchgeführt werden, deutet daraufhin, dass sich die Konzerne die Lebensbedingungen der Landbevölkerung zu Nutze machen. Diese ist oft arm und hatte meistens noch nie Kontakt zu Medikamenten. Dies macht sie zu perfekten Testsubjekten für die Pharmaindustrie, da die Wirkung eines neuen Mittels bei ihnen unverfälscht erfasst werden kann.

Der in der internationalen Presse große Wellen schlagende Pharma-Skandal ist bei weitem nicht der einzige. 2003 wurde bekannt, dass mehr als 400 Frauen, die sich wegen Unfruchtbarkeit an Privatkliniken gewandt hatten, ohne ihre Genehmigung mit einem Krebsmedikament behandelt wurden. 2006 starben bei klinischen Tests im Universitätsspital in Dehli etwa 49 Babies. Insgesamt sind in den letzten Jahren bei klinischen Studien westlicher Pharmakonzerne hunderte Inder gestorben.1)2)

Es bleibt zu hoffen, dass der Oberste Gerichtshof ein Urteil im Sinne der Opfer der Studie fällt. Die Situation ist nämlich klar, „eine gesundheitlich umstrittene Impfung ohne korrekte Einwilligung der Patienten ist Körperverletzung“, sagt der Berliner Rechtsanwalt und Generalsekretär des European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) Wolfgang Kaleck. Dieser unterstützt die Betroffenen während des Verfahrens juristisch und bereitet Klagen in den Herkunftsländern der Multimilliarden Dollar Konzerne vor. Inder haben die gleichen Rechte wie wir Bürger der westlichen Industrienationen. Verstöße gegen diese zu verfolgen, ist ein wichtiger Schritt zu einer weniger ungleichen Welt.

 

 

 

  1. Pharmaskandal: „Inder wollen keine Versuchskaninchen mehr sein“ []
  2. Kinder als Versuchskaninchen []
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