Von Kinderhand in Kinderhand

Bild: © Alvimann - Morgue File

Heute, am 28. Mai, wiederholt sich zum 14. Mal der Weltspieltag. Ein Tag, der dazu einlädt, Spaß zu haben, der Kinder und Erwachsene aus unterschiedlichen Kreisen dazu bewegen soll, sich durch gemeinsames Spielen einander zu nähern. Doch der Weltspieltag ist auch eine Gelegenheit, sich in Erinnerung zu rufen, unter welchen Bedingungen die Massen an Spielwaren, die sich in vielen Kinderzimmern türmen, hergestellt wurden. Puppen, Spielzeugautos oder kleine Plastikfiguren sind Wegbegleiter von fast jedem Kind, doch bis heute halten sich einige Spielwarenhersteller nicht an grundlegende Arbeitsnormen.

Die Spielzeugindustrie geriet bereits Anfang der 90er-Jahre in heftige Kritik, nachdem bei zwei Fabrikbränden zahlreiche Menschen verletzt und getötet wurden. Daraufhin setzte der Weltverband der Spielzeugindustrie (International Council of Toy Industries, ICTI) einen Verhaltenskodex auf. Er schreibt z.B. die Achtung gewisser Arbeitsstandards vor und verbietet unter anderem auch Kinderarbeit. Die ICTI CARE-Stiftung bietet sogar Kontrollen an. Doch die Initiative „fair spielt“ macht auch auf grundlegende Kritikpunkte aufmerksam, die die ICTI-Kriterien aufweisen: Vor allem die Unverbindlichkeit der Selbstverpflichtungen wird scharf kritisiert. Z.B. können sich Unternehmen verpflichten, ihre Produkte nur von zertifizierten Fabriken zu beziehen – die Einhaltung wird jedoch nicht kontrolliert. „Diese Unverbindlichkeit unterminiert die Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit des gesamten [Kontroll]- Prozesses.“, schreibt die Initiative. Zudem obliegt die Verantwortung für die Einhaltung der Richtlinien allein den Lieferanten – nicht den Unternehmen.1)

Das meiste Spielzeug, das wir kaufen, wird in China gefertigt. Schätzungen zufolge werden dort bis zu 80 % aller Spielwaren weltweit produziert. Trotz kleiner Fortschritte bei der Spielwarenherstellung, die z.B. auf die Einführung der ICTI-Kriterien zurückzuführen sind, brachten in den vergangenen Jahren mehrere Organisationen Missstände in den Fabriken ans Licht.1)

Vor drei Jahren enthüllte u.a. die Menschenrechtsorganisation SACOM (Students and Scholars Against Corporate Misbehaviour) die Missstände in einer chinesischen Spielzeugfabrik. Ein verdeckter Ermittler hatte sich für einen Monat als Arbeiter der Fabrik ausgegeben. Die Fabrik namens Sturdy Products belieferte vor allem den Marktriesen Mattel. Die Ermittlungsergebnisse belasteten das Unternehmen und den Zulieferer schwer: Überhöhte Arbeitszeiten, Misshandlungen durch die Vorgesetzten, der Einsatz giftiger Chemikalien, Bestechung für Falschaussagen während Audits – und Kinderarbeit. Die Ermittlungen liefen mitten in der Hochsaison, als die Nachfrage aus den westlichen Ländern nach Spielsachen so enorm anstieg, sodass die Fabrik einige Arbeiter zu Überstunden verpflichtete: 120 Stunden im Monat obendrauf. SACOM klagte gleichzeitig noch weitere Spielzeugfabriken an, Arbeitsstandards zu missachten – dabei waren die Produktionsstätten sogar allesamt des Öfteren von der ICTI CARE-Stiftung kontrolliert worden. Die Kontrollen erschienen vor diesem Hintergrund als „Verschleierungsmaßnahme für die Ausbeutung chinesischer ArbeiterInnen durch die großen Markenfirmen“.2)3)

Es war bei weitem nicht das erste Mal, dass Missstände in den Produktionsstätten großer Spielwarenhersteller ans Licht kamen. Ein Jahr später ergaben Untersuchungen der Organisation China Labor Watch, dass auch in anderen Zulieferbetrieben von Mattel fragwürdige Arbeitsbedingungen herrschten.4) Bereits 2007 wurde ein Zulieferer für Disney-Spielwaren angeklagt, für einen Hungerlohn bis zu 15 Stunden produzieren zu lassen.5) Im Jahr 2012 gab das taiwanesische Unternehmen Foxconn, das bereits des Öfteren in Kritik geriet, zu, in einer seiner Fabriken 14-jährige Kinder beschäftigt zu haben. Die Jungen und Mädchen fertigten in diesem Fall Nintendo-Spielkonsolen.6) Auch in Zulieferfabriken des Spielwarenherstellers Hasbro sollen laut einem Bericht des National Labor Committees von 2008 bereits 16 jährige unter ausbeuterischen Umständen gearbeitet haben.7)

Dennoch: Es gibt Fortschritte. „Mehr Firmen als früher verpflichten sich, gewisse Mindeststandards einzuhalten“, sagt Uwe Kleinert von der Initiative „fair spielt“. Doch trotz dieses kleinen Erfolges ist davon auszugehen, dass bis zum heutigen Tag in chinesischen Produktionsstätten gewisse Arbeitsrechte nicht geachtet werden. Auch wenn der chinesische Mindestlohn gezahlt wird, reicht er zumeist nur für den Lebensunterhalt einer Person – jedoch nicht für den einer ganzen Familie. Die Armut, weltweit eine der Hauptursachen für Kinderarbeit, wird von der Spielzeugindustrie in Kauf genommen.8)

Viele Firmen, die Spielzeuge herstellen, haben wir bei „Aktiv gegen Kinderarbeit“ in unsere Firmenliste aufgenommen. Die Bewertungen können bei der Kaufentscheidung weiterhelfen. Auch „fair spielt“ bietet eine ähnliche Firmenliste an. Oberste Regel beim Einkauf ist jedoch wie immer: nachfragen, wie die Produkte produziert wurden – sowohl im Laden als auch beim Unternehmen selbst. „fair spielt“ empfiehlt zudem, Billigprodukte zu meiden und auf den übermäßigen Konsum von Spielsachen zu verzichten. Anstatt einer ganzen Barbie-Armee reicht vielleicht auch nur eine Barbie – oder keine.

  1. Fair spielt: ICTI-Kodex & ICTI CARE-Prozess; nicht mehr verfügbar [] []
  2. “fair spielt”: “Making Toys Without Joy”: SACOM deckt wiederholt Verstöße gegen Arbeiterrechte in chinesischen Spielzeugfabriken auf; erschienen am 05.12.2012; aufgerufen am 28.05.2014 []
  3. The Guardian: Disney factory faces probe into sweatshop suicide claims; erschienen am 27 August 2011; aufgerufen am 27.08.2011; aufgerufen am 28.05.2014 []
  4. China labor watch:Deterioration of Mattel’s Labor Conditions: An Investigation of Four Factories; erschienen am 29.11.2012; nicht mehr aufrufbar 24.2.15 []
  5.  Globalmarch.org: Disney, Mattel and Wal-mart toy-maker accused of child labour; erschienen September 2011; aufgerufen am 28.05.2014 []
  6. China labor watch: Foxconn Employs Interns between 14 to 16 ; erschienen 15.10.2012; aufgerufen am 28.05.2014 []
  7. Prnewswire.co.uk: Sesame Street Toy Made in Chinese Sweatshop By Teenage Workers; nicht mehr verfügbar []
  8. Amnesty Journal: Besser schenken; erschienen 01/14; aufgerufen am 14.03.2018 []

Über anila / earthlink

Im Sommer 2013 habe ich mein Abitur gemacht. Vor meinem Studium leiste ich meinen Bundesfreiwilligendienst bei EarthLink. :)
Dieser Beitrag wurde unter sonstiges abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.