Skandinavisches Unternehmen bekennt sich zu Vorwürfen der Kinderarbeit

Zeitung, newspaper, Altpapier | Bild: © Roland Unger - Wikimedia Commons

In einer schwedischen TV-Berichterstattung wurde dem schwedisch-finnischen Papier- und Pappehersteller Stora Enso letzten Sonntag die Verwicklung in Kinderarbeit in Pakistan vorgeworfen. Es hieß, der Konzern beziehe von Kindern eingesammeltes Altpapier von einem pakistanischen Subunternehmer.1) Dieses Subunternehmen, Bulleh Shah Packaging, wurde 2012 zu 35% von dem nordischen Konzern aufgekauft. Zu dem Zeitpunkt gab Stora Enso bereits offen zu, dass es sich über das Risiko von Kinderarbeit in dem südasiatischen Land durchaus im Klaren sei. Jetzt, da der Fall in der Öffentlichkeit diskutiert wird, räumt der skandinavische Konzern aber ein, dass damals nicht nur das Risiko, sondern sogar konkrete Fälle von Kinderarbeit im Bezug zum pakistanischen Unternehmen, bekannt waren.

„This is true“, erklärt Jouko Karvinen, geschäftsführender Vorstand von Stora Enso, nun in einer offiziellen Mitteilung, „and that is why an organisation was immediately, not now, put in place to correct that in co-operation with partners.“2) Was für eine Organisation das sein soll, wie das Problem Kinderarbeit angegangen und was erreicht wurde, bleibt jedoch unangesprochen. Unklar bleibt außerdem, warum Stora Enso dies zum Zeitpunkt der Investition verschwiegen hatte. Hätte doch eine Kampagne gegen Kinderarbeit das Image des Unternehmens durchaus aufpolieren können.

Auch in der Helsinki Times versuchte sich das nordische Unternehmen nun zu rechtfertigen: Lauri Peltola, senior executive bei Stora Enso, sagte, dass sich das Unternehmen nicht aus Pakistan zurückziehen werde: „If we pulled out, five-year-old girls would become prostitutes the next day“, so Lauri Peltola.3)

Dieses Statement ist sicher etwas übertrieben, aber ganz unrecht hat die Vertreterin des nordischen Konzerns nicht. Ein großes Problem in Pakistan ist immer noch eine hohe Arbeitslosigkeit und weit verbreitete Armut4), wodurch die Kinder gezwungen werden, einen finanziellen Beitrag zum Familienhaushalt zu leisten. „[Child labour] is a major socio-cultural problem, and you can only eradicate it by removing the reasons for families to send their children to collect paper [or earn money otherwise]”, erklärte Lauri Peltola die fortwährende Geschäftsbeziehung mit dem pakistanischen Unternehmen.3) Leider macht es nicht den Anschein, als würde das skandinavische Unternehmen diese Erkenntnis auch in die Tat umsetzen und tatsächlich etwas für die Verbesserung der Lebensbedingungen der betroffenen Kinder tun.

  1. WirtschaftsBlatt.at; 10.03.2014: Stora Enso bestätigt Kinderarbeit für Konzern in Pakistan; Aufgerufen am 11.03.2014 []
  2. Karvinen, Jouko (2013): Bulletin for Stakeholders; Aufgerufen am 11.03.2014 []
  3. Helsinki Times, 07.03.2014: Stora Enso admits child labour an issue in Pakistan; Aufgerufen am 11.03.2014 [] []
  4. GIZ Website: Weltweit – Asien – Pakistan; Aufgerufen am 11.03.2014 []

Über miriam / earthlink

Ich bin 21 Jahre alt und studiere B.Sc. Geographie und B.A. Geographische Entwicklungsforschung Afrikas an der Uni Bayreuth. Im Rahmen eines achtwöchigen Praktikums hier bei Earthlink möchte ich nun erste praktische Erfahrungen im Bereich der Entwicklungspolitik sammeln.
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