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Nur leere Versprechen: immer noch Ausbeutung in Textilfabriken

aktiv gegen kinderarbeit |  Bild:  © earthlink e.v.

aktiv gegen kinderarbeit | Bild: © earthlink e.v.

Der Aufseher schlägt dem Mädchen direkt ins Gesicht. Er beschimpft sie. Sie sei die „Tochter eines Schweins“ und eine „Nutte“, weil sie zu langsam arbeite. Die Fabrik, in der das Mädchen arbeitet, befindet sich in einem katastrophalen Zustand. Die Notausgänge sind verschlossen und die Räume überfüllt.1)

Die Szenen bestätigen alle dunklen Vorahnungen: Obwohl die meisten Unternehmen mit ihrem großem Engagement zur Umsetzung von fairen Arbeitsbedingungen prahlen, haben sich die Zustände in vielen Produktionsstätten kaum verbessert. Noch immer werden in einigen Textilfabriken zahlreiche Kinder ausgebeutet. Die Arbeiter werden körperlich sowie psychisch missbraucht, die Arbeitszeiten gehen bis zu 89 Stunden in der Woche, 7 Tage am Stück. Und trotz mehrfacher Versprechen seitens der Textilkonzerne werden die selbstverständlichsten Sicherheitsvorkehrungen nicht eingehalten. Beweise zu diesen Behauptungen lieferte Anfang Februar eine Dokumentation auf dem britischen Nachrichtensender ITV.2)

Zwei Frauen filmten undercover in mehreren Fabriken in Bangladesh, die unter anderem für bekannte Modemarken produzieren. Besonders belastend sind die Filmaufnahmen für die britischen Unternehmen Lee Cooper Jeans, Arcadia Group und N Brown Group.2)

„Dedicated to denim“, wirbt das Unternehmen Lee Cooper Jeans. Doch fairen Arbeitsbedingungen scheint sich das Modelabel offensichtlich nicht verschrieben zu haben. Die geheimen Filmaufnahmen zeigen unter anderem eine Textilfabrik, die für die britische Jeansmarke produziert. In der Fabrik arbeiten Kinder, bereits 11-Jährige: und das für umgerechnet 36 Euro pro Woche, bis zu 11 Stunden täglich.3)

Zu dem Unternehmen Arcadia Group gehört ein Vielzahl von Marken, unter anderem Topshop, BHS oder Dorothy Perkins. Auf seiner Internetseite wirbt der Konzern mit seinen hohen Auflagen und Projekten zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.4) Doch die zwei bangladeschischen Frauen filmen auch in einer der Zulieferfabriken der Marke BHS – die Aufnahmen lassen an den Kontrollen des Modeunternehmens stark zweifeln. Die Aufseher geben den ArbeiterInnen Antworten für die Kontrollen vor. Ihnen wird befohlen, über die Arbeitszeiten und -bedingungen zu lügen, wenn sie gefragt werden. Auch in dieser Textilfabrik werden jegliche Sicherheitsvorkehrungen missachtet. Die ArbeiterInnen können im Extremfall nicht fliehen, da alle Notausgänge verschlossen sind. Die entsprechenden Dokumente für die Kontrollen sind gefälscht.2)

Auf die Vorwürfe hin gaben die Unternehmen an, nichts von Produktionen in diesen Fabriken gewusst zu haben und betonten, dass für sie ihre soziale Verantwortung sehr wichtig wäre. Auch die Besitzer der angeklagten Fabriken distanzierten sich von den Anschuldigungen und die Verantwortlichen der Fabrik in Dhaka machten deutlich: „We don’t use child labour„.2)

Vor fast einem Jahr starben 1134 Menschen während des Einsturzes einer Textilfabrik in Bangladesch. Auch Arcadia Group und N Brown unterzeichneten daraufhin ein Abkommen, das bessere Sicherheitsstandards in bangladeschischen Fabriken umsetzen will. Zahlreiche Unternehmen hatten angekündigt, ihr Engagement um ein vielfaches zu erhöhen – von vielen nur ein leeres Versprechen.

Auszüge aus der Dokumentation hier

  1. Kampagne für Saubere Kleidung: TV-Doku: Kinderarbeit in Bangladesch – Link nicht mehr verfügbar []
  2. Guardian: Bangladesh garment factories still exploiting child labour for UK products; erschienen am 6. Februar 2014; aufgerufen am 21. März 2014 [] [] [] []
  3. Kampagne für Saubere Kleidung: TV-Doku: Kinderarbeit in Bangladesch – Link nicht mehr verfügbar []
  4. Arcadia Group Ltd: Modern Slavery Act – Transparancy Statement; aufgerufen am 19.03.18 []
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