Nicht alles, was glänzt, ist Gold

Bild: © Rob Lavinsky - Wikimedia Commons

Noch ein letztes Mal die provisorische Stirnlampe zurechtgerückt, macht sich der 13-jährige Joel Sawadogo an die Arbeit1) : Sieben Tage die Woche, 18 Stunden täglich, klettert der Junge in die Schächte eines Goldbergwerkes in Burkina Faso.2) Etwa eine Stunde Fahrt von der Hauptstadt Ouagadougou entfernt, arbeitet der Junge zusammen mit 100 anderen Kindern in dem Goldbergwerk Nobsin. Auf einer Fläche von rund 100 Quadratmetern erstreckt sich eine Vielzahl an kleinen, rechteckigen Löchern, die als Schächte in den Boden reichen.3)

Gold ist inzwischen das wichtigste Exportgut des Landes und schaffte es sogar, Baumwolle von der Spitzenposition zu verdrängen.4) Eine gewaltige Expansion, wenn man bedenkt, dass offiziell immer noch 80% der Bevölkerung im Agrarsektor tätig ist.

In Burkina Faso ist das Goldfieber ausgebrochen und scheint niemanden zu verschonen: Zahlreiche internationale Unternehmen, aber auch regionale Geschäftsmänner und junge Burkiner sehen ihre Chance in dem aufsteigenden Geschäftszweig.5)
Mittlerweile boomt die Branche so sehr, dass auch Kinder dem Goldrausch zum Opfer fallen: Oft brechen sie die Schule ab, um bereits in frühen Jahren in den Bergwerken zu arbeiten.3) Die burkinische Regierung vermutet, dass letztes Jahr mindestens eine Tonne Gold in nicht gemeldeten Minen, in denen vermehrt Kinder arbeiten, geschürft wurde. UNICEF zufolge arbeiten zwischen 500 000 und 700 000 Kinder in den burkinischen Goldminen.
Joel arbeitet jetzt bereits seit zwei Jahren in der Mine und kann sich glücklich schätzen, überhaupt dafür entlohnt zu werden: Manchmal bekommt er umgerechnet um die 8 Euro, an guten Tagen verdient er das Doppelte.

„Unten in den Schächten ist es richtig kalt“, sagt er und zeigt seine schmutzigen Arme. Er hofft, dass er eines Tages „weniger schmerzhafte Arbeit“ findet, aber hauptsächlich denkt er „an das Geld, das er in der Zukunft verdienen könnte.“ Denn wie viele andere Kinder hat Joel immer noch die Hoffnung, durch die Arbeit in den Goldminen an das große Geld zu kommen.

Und wie alle anderen Kinder ist er dadurch blind für die Gefahren, denen er sich tagtäglich aussetzt. Im besten Fall tragen sie noch kurze Shorts, T-Shirt und eine Taschenlampe am Kopf, um sich im Dunkeln zurecht zu finden. Von Schutzkleidung, Ausrüstung oder Helmen ist hier keine Rede. Auch die Schächte sind meist nur provisorisch gesichert und oft einsturzgefährdet, weswegen immer wieder Kinder verschüttet werden.

Wenn die Kinder einmal nicht Steine klopfen, stehen sie um die zehn Stunden am Tag in der prallen Sonne an den Eingängen der Stollen und warten auf die nächste Ladung Gold. Während der gesamten Arbeitszeit sind sie giftigen Chemikalien ausgesetzt und werden zudem oft Opfer sexuellen Missbrauchs oder der Drogensucht.

Verschiedene Organisationen konnten jedoch bereits kleine Siege gegen die Kinderarbeit in Burkina Faso erringen: 2013 gelang es terre des hommes in Burkina Faso 2000 Kinder aus Bergminen zu befreien und sie anschließend in Schulen einzuschreiben. Vorsitzender des Minenverbandes, Salif Kabore, versprach, dass eine neue Initiative zum Schutz von Kindern und für den Kampf gegen die ausbeuterische Kinderarbeit eingeleitet werden soll. Dennoch „sei es utopisch zu behaupten, dass sie dadurch die Kinderarbeit vollkommen besiegen werden. Aber es müsse ein Grundbaustein gelegt werden.“1)

  1. yahoo news, 26.03.14: Child miners pay the price in Burkina Faso’s gold rush – aufgerufen am 26.03.14 [] []
  2. Aktiv gegen Kinderarbeit, 15.01.13: Programm gegen Kinderarbeit in Burkina Faso gestartet – aufgerufen am 26.03.14 []
  3. SlateAfrique, 25.03.14: Drames et misères des petits chercheurs d’or burkinabè – aufgerufen am 26.03.14 [] []
  4. Aktiencheck, 10.02.14 : Der kleine Goldrausch in Burkina Faso – aufgerufen am 28.03.14 []
  5. Agenzia fides, 03.07.12: Afrika/Burkina Faso – Caritas-Studie: Der Goldrausch und seine sozialen Auswirkungen – aufgerufen am 27.03.14 []

Über Franziska / earthlink

Nach 9 wundervollen Monaten bei earthlink, beende ich nun meinen Bundesfreiwilligendienst und werde noch in ein paar weitere soziale Bereiche hineinschnuppern, bis ich Oktober 2014 hoffentlich zu studieren beginne ;-)
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