Elektroindustrie: Kommt das FairTrade-Siegel?

 |  Bild: © n.v.

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Bei unverarbeiteten Produkten aus dem Lebens- und Genussmittelbereich, wie Kaffee, Orangensaft, Tee, ist es schon seit längerem nicht mehr wegzudenken: das FairTrade-Logo. Komplizierter wird eine Zertifizierung bei Produkten, die aus zahlreichen Rohstoffen bestehen und deren Herstellung viele Zulieferbetriebe erforderlich macht – in der Elektroindustrie ist das Standard. So besteht ein Smartphone z.B. aus 30 verschiedenen Metallen, die aus unterschiedlichsten Minen stammen. Es gibt bereits einen grundlegenden Sozialstandard für IT-Produkte, der auf der Einhaltung aller Gesetze am Produktionsstandort und auf der Einhaltung der Kernarbeitsnormen basiert und in den kommenden Jahren noch weiter angehoben werden soll: Das TCO-Siegel erfordert z.B. jährliche unabhängige Kontrollen, um die Unternehmen daran zu hindern, ihre Verantwortung auf die Zuliefer-Betriebe abzuschieben. Einen Kompromiss gehen die Hersteller des Fairphones ein, indem sie den Arbeitern einen gerechten, existenzsichernden Lohn und zusätzlich eine Fair-Prämie zahlen. Ein Smartphone sollte im besten Fall jedoch nicht nur fair sondern auch konfliktfrei sein. In diesem Zusammanhang ist die Bezeichnung leider zweischneidig: Nach dem US-amerikanischen Dodd-Frank-Act wird ein Produkt dann als konfliktfrei definiert, wenn es keine Mineralien enthält, von deren Abbau Warlords im Kongo profitieren. Viele renommierte Smartphonefirmen vermeiden deshalb allein aus Reputationsgründen Rohstoffe wie Tantal, Zinn oder Gold aus kongolesischen Minen, was einen regelrechten Kongo-Boykott zur Folge hat. Davon sind auch jene Minenarbeiter betroffen, die nicht in expliziten Krisengebieten schürfen. Und die Profiteure sind Bergbaukonzerne auf anderen Kontinenten sowie Wirtschaftsprüfer. Um dem Verbraucher-Interesse an fairen Produkten nachzukommen, setzt sich auch der Verein TransFair mit einer möglichen Siegelung in dieser wachsenden Branche auseinander. „ […] bei ausreichendem Interesse seitens der Hersteller und Verbraucher und nachweislichem Erfolg in der Textilindustrie könnten wir relativ schnell einen Standard für die IT auflegen“, so Claudia Brück von TransFair. Zur Zeit wird eine Erweiterung des FairTrade-Siegels auch in der Textilindustrie erarbeitet. Bisher gibt es eine Zertifizierung lediglich für die Baumwollproduktion. Komplizierter wird es in den Fabriken, um z.B. die Bedingungen in den Sweatshops kontrolliert verbessern zu können.

Link zum Artikel 5/2014 (heise.de)

Link zum Artikel 4/2014 (heise.de)

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