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Dramatischer Appell für syrische Flüchtlingskinder: Gefahr einer „verlorenen Generation“

aktiv gegen kinderarbeit |  Bild:  © earthlink e.v.

aktiv gegen kinderarbeit | Bild: © earthlink e.v.

Ende letzten Jahres offenbarte ein umfassender Bericht des UN-Menschenrechtsrats („Syriens Zukunft: Flüchtlingskinder in der Krise“) welch dramatische Folgen der Krieg in Syrien insbesondere für die betroffenen Kinder hat. Mit den erschreckenden Einsichten befassten wir uns in diesem Artikel. Die mehr als 1,1 Millionen Flüchtlingskinder, die vor Krieg und Elend in angrenzende Nachbarländer fliehen mussten, sehen sich neuen Herausforderungen und Leid ausgesetzt: Weil beispielsweise im Libanon und in Jordanien etwa die Hälfte aller Kindern im Schulalter keine Schule besuchen, bleibt ihnen weiterhin nicht nur das Erleben von Kindheit, sondern eine sichere Zukunft verwehrt. Ein Hauptgrund hierfür ist die schiere finanzielle Notwendigkeit, arbeiten gehen zu müssen. Schätzungen zu folge arbeitet daher jedes zehnte syrische Flüchtlingskind. Sogar jede zweite syrische Familie im Exil soll auf die Arbeit ihrer Kinder angewiesen sein:1) eine dramatische Situation unvorstellbaren Ausmaßes und gefährlichster Folgen.

Nun, im Zuge der am 15. Januar in Kuwait startenden zweiten großen Geberkonferenz für Syrien sowie der am 22. Januar beginnenden zweiten Syrien-Konferenz („Genf 2“) in der Schweiz2), einem neuen Versuch, das nun schon fast dreijährige Grauen des Bürgerkriegs zu beenden, erfährt der Syrienkonflikt endlich neue öffentliche Aufmerksamkeit. Diverse Hilfsorganisationen machen daher in einem gemeinsamen, deutlichen Appell auf das heutige und zukünftige Leid der Kinder aufmerksam. „Die Zukunft für diese Kinder entgleitet zunehmend“, mahnt António Guterres vom UN-Menschenrechtsrat, weshalb „die Welt dieser Krise mit unverzüglicher internationaler Unterstützung entgegentreten muss.“3) Es gilt, eine verlorene Generation der Verzweifelten, der von Chancen Beraubter vehement zu verhindern. An dieser sogenannten „No Lost Generation“-Strategie, die ein Volumen von einer Milliarde US-Dollar umfasst, beteiligen sich unter anderem UNICEF, UNHCR, Save the Children und World Vision. Vorrangiges Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit Regierungen und lokalen Gemeinschaften, die Kinder gezielt vor Ausbeutung, Misshandlung und Gewalt zu schützen und ihnen Schulbildung zu ermöglichen. Damit geht diese Kampagne über die Beschlüsse der 1. Geberkonferenz vor knapp einem Jahr hinaus. Dort galt es, die Menschen in und um Syrien mit den grundsätzlichsten Dingen wie Essen oder Wasser- und Gesundheitsversorgung zu unterstützen.4). António Guterres erklärt die neuen, weiter reichenden Ziele so: „Ohne diese dringenden Investitionen könnte es passieren, dass sich Millionen syrischer Kinder niemals von derartig viel Verlust und Angst erholen könnten. Ihre Zukunft und die ihrer Nation steht auf dem Spiel!“3) Die neuen Bemühungen, dieses Schreckensszenario abzuwenden, könnten nun auch das oben beschriebene Leid vieler, aus der Not heraus zur Arbeit gezwungener Kinder lindern. Denn indem die Kinder und ihre Zukunft mehr in den Mittelpunkt rücken, wohnt diesem Vorstoß auch die Chance inne, Kinderarbeit abzubauen und hoffentlich bald auszumerzen. Weil es nicht mehr allein darum geht, existentielle Nöte zu beseitigen sondern sich menschlichen Bedürfnissen zu widmen, kann Kinderarbeit endlich als Wegbereiter einer verlorenen Generation betrachtet werden. Denn wer diese in Zukunft verhindern möchte, muss den Blick auf das Jetzt und damit auf die dramatisch hohe Zahl an Kindern werfen, denen durch Arbeit statt Kindheit, Sicherheit und Schule genau diese genommen wird.

  1. UNHCR: Children at Work []
  2. NZZ: Die internationale Syrien-Konferenz findet im Januar in Genf statt []
  3. UNHCR: Urgent call for massive investment to prevent lost generation of Syrian children [] []
  4. OCHA: Second International Humanitarian Pledging Conference for Syria []
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