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Somalia und Südsudan wollen UN- Kinderrechtskonvention ratifizieren. USA bleibt Verweigerer

aktiv gegen kinderarbeit |  Bild:  © earthlink e.v.

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Zum Geburtstag der UN-Kinderrechtskonvention am 20. November dieses Jahres haben zwei weitere Staaten die Ratifizierung angekündigt: Somalia und der Südsudan. In beiden afrikanischen Saaten schwelen extreme Konflikte; Bürgerkriege schwächen die Bevölkerung. Der Südsudan wurde erst vor zwei Jahren unabhängig und kämpft seitdem um eine funktionierende Regierung. In Somalia kam eine Hungersnot hinzu, deren Auswirkungen aktuell immer noch spürbar sind. Hier wurden und werden auch Kinder weiterhin in bewaffnete Konflikte hineingezogen, weshalb zu hoffen bleibt, dass mit der Ratifizierung nicht nur ein Symbolakt verbunden ist, sondern ein Bewusstseinswandel und eine tatsächliche Veränderung vollzogen werden kann. Dieser sei global bereits durchaus spürbar, seitdem der Internationale Strafgerichtshof die Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten als Kriegsverbrechen einstuft, so die Organisation „Coalition to Stop the Use of Child Soldiers“. Wenn zwei von Konflikten gebeutelte Staaten eine Ratifizierung der Kinderrechtskonvention in Aussicht stellen, wieso dann nicht die USA? Es wirkt mehr als befremdlich, dass der US-Senat eine nötige Zweidrittelmehrheit, die zur Ratifizierung notwendig ist, weiterhin verweigert, nachdem die Konvention bereits im Jahr 1995 unterzeichnet worden war. Dies schlägt sich durchaus in der nationalen Gesetzgebung nieder: Wenig bekannt ist, dass Minderjährige in den USA zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt werden können – bis 2005 war sogar die Todesstrafe möglich. Außerdem ist in einem Drittel der US-amerikanischen Bundesstaaten die körperliche Züchtigung von Schülern ausdrücklich erlaubt – die körperliche Züchtigung daheim verbietet kein einziger Bundesstaat! Weshalb diese Verweigerungshaltung in einem Land, das sich schon fast zwanghaft dem Wohle der Familie verschrieben hat? Dies muss kein Widerspruch sein. Vielleicht kommt hier die Paranoia zum Tragen, die auch in anderen Bereichen der nordamerikanischen Kultur spürbar ist. Es gibt in den USA soziale Strömungen, die eng mit dem amerikanischen Gesellschaftbild verknüpft sind und sich auf dieses berufen, sogenannte „parential rights“ Organisationen, die befürchten, eine Ratifizierung der Konvention könne Amerikas Familien unterminieren. Diese Organisationen entwerfen regelrechte Horrorszenarien, welche z.B. die unsinnige Befürchtung beinhalten, amerikanische Schulkinder würden mit der Ratifizierung gezwungen werden, Lieder über die UN zu singen oder dass ein Sexualkundeunterricht bereits in der Vorschule verpflichtend eingeführt würde. Die Ratifizierung der Kinderrechtskonvention will Kinderrechte stärken, nicht Eltern schwächen. Und den Verfechtern, die sich dem Schutz der amerikanischen Familie verpflichtet fühlen, sollte gerade dies am Herzen liegen: Das Recht auf Bildung und Entwicklung und der Schutz vor Ausbeutung und Missbrauch ihrer Kinder.

Link zum Artikel (süddeutsche.de)

Link zum Artikel (Human Rights Watch)

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