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Kinderarbeit? Ja, bitte! Bolivianische Kinder protestieren vor dem Parlament

aktiv gegen kinderarbeit |  Bild:  © earthlink e.v.

aktiv gegen kinderarbeit | Bild: © earthlink e.v.

Gestern Mittag lieferten sich rund 150 bolivianische Kinder Straßenkämpfe mit der Polizei. Sie hatten versucht, in La Paz den Platz vor dem Parlament zu besetzen, um gegen ein neues Kinderarbeitsverbot zu demonstrieren. Denn anstatt neue Schutzmaßnahmen für Kinderarbeiter unter 12 Jahren zu erlassen, wird deren Erwerbstätigkeit im neuen Gesetzesbeschluss verboten.1)2)

Doch weshalb protestieren Kinder, die tagtäglich zu den geringsten Löhnen arbeiten, gegen Gesetzesentwürfe, die sie offiziell von ihrer Arbeit befreien?

Viele bolivianische Familien leben in absoluter Armut. Die von der Regierung gestellten 80 Euro pro Jahr reichen bei weitem nicht aus, um eine vierköpfige Familie zu versorgen. Das zusätzliche Einkommen der Kinder ist für die Familien überlebenswichtig.3)

Dennoch ist  Kinderarbeit in Bolivien illegal, und somit auch die Millionen Kinder, die notgedrungen ihre Familien unterstützen. Rechte haben sie keine und folglich auch keinerlei Schutz vor ausbeuterischen und ungerechten Arbeitsbedingungen.

Um diesem Umstand entgegenzuwirken schlossen sich tausende betroffene Kinder zu Gewerkschaften zusammen. Ihr Ziel? Anerkennung, Schutz und Respekt ihrer Arbeit.

Erfolge konnten sie bereits erzielen: Anstelle eines strikten Verbotes von Kinderarbeit, ist inzwischen nur die Ausbeutung von Kindern verfassungsrechtlich verboten.4)

Nun wehren sich die Kinder gegen das neue Verbot, das unter 12-jährigen das Arbeiten untersagt. Doch obwohl sie im Vorfeld angehört wurden, seien ihre Vorschläge von der Parlamentskommission nicht berücksichtigt worden. Die Kindergewerkschaft fordert nun den Rücktritt der Kinderkommission des Parlaments, Javier Zavaleta. Zu den Auseinandersetzungen auf den Straßen äußerte dieser sich erst, nachdem der bolivianische Ombudsmann auf ihn eingewirkt hatte. Zavaleta machte die Kinder darauf aufmerksam, dass Jugendliche ab 14 Jahren das Recht auf Arbeit haben. Ebenso wie 12-14-jährige, die lediglich eine Genehmigung der Kinderschutzbüros und der Eltern benötigten.

“Was soll mit den Zehnjährigen, den Neunjährigen, den Achtjährigen geschehen”, die Geld verdienen müssten, äußerte sich ein Junge, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur Fides gegenüber, “Das Gesetz schützt sie nicht!”

Laut Zavaleta würden diese Kinder so lange arbeiten können, bis staatliche Sozialprogramme ihre Arbeit überflüssig machten. Im bereits bewilligten Gesetzesentwurf steht hiervon allerdings nichts.

Nach Angaben der Organisation ADIA, ein Zusammenschluss bolivianischer Eltern, die sich für Kinderrechte stark machen, wurde bei dem Polizeieinsatz vor den Türen des Parlaments ein Mädchen ohnmächtig. Drei Jugendliche wurden mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Man werde die Polizei um entsprechende Berichte bitten, so Zavaleta, der hoffe, dass die Polizei sich klar darüber werde, dass gegenüber 18-Jährigen “gewisse Sorgsamkeit” angebracht sei.1)

Foto: Viaje a Bolivia

  1. TAZ: Tränengas gegen arbeitende Kinder: Konflikt um neues Kinder- und Jugendgesetz in Bolivien – aufgerufen am 19.12.13 [] []
  2. EuroNews: Bolivien: Kinder prügeln sich mit der Polizei – aufgerufen am 19.12.13 []
  3. ARD-Mediathek: Bolivien: Kinderarbeit? – Ja, Bitte! – Link zum Video nicht mehr abrufbar am 21. 02. 14 []
  4. Spiegel: Bolivien: Kinder gründen eine Gewerkschaft – aufgerufen am 19.12.13 []
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