Satire-Video und Negativ-Preis: Norwegische Organisation möchte Spendenaufrufe verbessern

White Charity, SAIH, Norwegen | Bild: © SAIH - The Norwegian Students' and Academics' International Assistance Fund - SAIH - The Norwegian Students' and Academics' International Assistance Fund

Die Szene spielt “irgendwo in Afrika1): Ein Junge mit traurigem Blick, ohne Schuhe, im dreckigen Unterhemd. Er hält sich bei seiner Mutter ein, die einen Kanister Wasser auf dem Kopf balanciert.

So weit so charity-typisch.

Aber dann beginnt die Frau zu fallen. Und damit auch die Fassade: Der Junge muss herzhaft über den Sturz lachen und entpuppt sich als Michael „The Fundraising Actor“: Weil er zum Beispiel den „traurigen Afrikaner“ so gut beherrscht, sei er immer der erste Schauspieler, der von westlichen  Filmemachern kontaktiert wird. Ein anstrengendes Gewerbe. Aber dennoch macht er weiter. Es ist ja schließlich für einen guten Zweck.1)

Doch Michael ist frei erfunden. Genau wie sein Metier: Es gibt natürlich keine Charity-Schauspieler.2)

Die Idee stammt von der norwegischen Organisation SAIH, in der sich Studenten und Akademiker politisch engagieren.3) Sie wollen Hunger und Armut anders bekämpfen: Mit Engagement, das sich auf Wissen statt auf Stereotype stützt.

Das Video „Let’s save Africa! – Gone wrong“ möchte plakativ aufdecken, wie Spendenaufrufe oft gestaltet sind: Schockierende, immer gleiche Bilder, an die man sich mit jedem Mal mehr gewöhnt, die dadurch die Menschen als auch den Zweck der Kampagnen verletzen: Weil nicht die Menschen selbst sondern Wohltäter über sie sprechen, wird ihnen die Würde genommen. Gleichzeitig wird das Bild erzeugt, dass man mit ein paar Cent helfen könnte. Eine Darstellung, die die Armutsproblematik nicht nur vereinfacht sondern auch verklärt. Denn sie lässt außer Acht, dass auch die Politik der westlichen Länder negative Effekte mit sich bringt. So erreichen die Spendenaufrufe oft das Gegenteil ihrer ursprünglichen Ziele: Apathie statt Engagement.4)

Um deshalb Hilfe zu verbessern, hat SAIH nicht nur dieses Video gedreht sondern auch zwei Preise ins Leben gerufen: Den „Rusty Radiator Award“ für stereotypische Spendenaufrufe sowie den „Golden Radiator Award“ für kreative stereotypische Spendenaufrufe. Letztere zeichnen sich nach Meinung der Initiatoren dadurch aus, dass Menschen ihre eigene Geschichte erzählen. Sie betonen deshalb, dass man sich vergegenwärtigen sollte, dass es bei Hilfe nicht darum geht, was der Helfende möchte, sondern dass Hilfe auf den Wünschen und Nöten der Hilfsbedürftigen gründen sollte. Statt Unterschiede sollte man Gemeinsamkeiten fokussieren. Kein trauriges Einzelschicksal verwenden, sondern Informationen darüber zu liefern, warum Armut existiert und welche Rolle wir dabei spielen. Und dabei nicht nur sagen, was zu tun ist, sondern ermutigen, selbst zu denken und zu handeln.4)

  1. Youtube: Let’s save Africa! – Gone wrong [] []
  2. Rusty Radiator Awards: Home []
  3. Spiegel Online: Satire-Video: Afrikaner, sammelt Heizkörper für Norwegen []
  4. Rusty Radiator Awards: Why donate [] []

Über felix / earthlink

Ich bin 24 Jahre alt und studiere Kommunikationswissenschaft und Psychologie an der LMU München. Zum Abschluss dieses Studiums aber vor allem aus fachlichem Interesse sowie zur beruflichen Orientierung bin ich nun Praktikant bei Earthlink.
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