Fair Handeln in der Goldproduktion – Ein Ding der Unmöglichkeit?

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Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch arbeiten in Staaten wie Ghana, Mali und Tansania tagtäglich unzählige Kinder in Goldminen. In den kleingewerblichen Betrieben riskieren sie oft Kopf und Kragen, wenn sie in ungesicherten Stollen arbeiten, schwere Lasten tragen und mit bloßer Körperkraft Gestein bearbeiten müssen. Hinzu kommt, dass die Kinder mit hochgiftigem Quecksilber arbeiten, das zum Abbau des Goldes notwendig ist. Über die Risiken, die der Gebrauch des Giftes mit sich führt, sind sich die Kinder oft gar nicht bewusst. Wie der zwölf-jährige Mohamed, der die Schule abgebrochen hat und bereits seit Jahren in einer Goldmine arbeitet.

„Wenn du aus dem Abbaugebiet nach Hause kommst, tut dir alles weh, vor allem Brust und Rücken“, berichtet er.1)

Nach internationalem Abkommen gehört die Beschäftigung von Kindern im Bergbau zu den schlimmsten Formen der Kinderarbeit und ist demzufolge verboten.2) Unternehmer in der Goldindustrie sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass der edle Rohstoff in keinerlei Weise aus Kinderhand geschürft wird. Auch wenn es in den vergangenen Jahren viele Bemühungen gab das sogenannte „Konfliktgold“ zu vermeiden, stellt es für die Unternehmen immer noch eine Schwierigkeit dar, Gold aus kinderarbeitsfreien Minen zu gewinnen. Oft ist nicht einmal die genaue Herkunft des Goldes bekannt.1) In einem aktuellen Test der Zeitschrift „Ökotest“ konnten lediglich vier von 15 Unternehmen die genaue Herkunft des verwendeten Goldes in ihren Schmuckstücken benennen. Elf Objekte erzielten im Einzelergebnis nur die Note „Ungenügend“. Bei solchen Ergebnissen kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Gold aus umweltschädlicher und menschenunwürdiger Förderung stammt.3)

Die gemeinnützige Organisation Fairtrade zertifiziert bereits seit Jahren Gold-Unternehmen, und vergibt ihr weltbekanntes Gütesiegel an faire und verantwortungsvolle Händler. Die Organisation kontrolliert die Arbeitsbedingungen der Minenarbeiter, unterstützt Gruppierungen, die ihre Rechte durchsetzen wollen, und sie achtet darauf, dass das Gold ohne Kinderarbeiter abgebaut wird. Fairtrade kümmert sich auch um bessere Sicherheitsvorkehrungen in den Minen und eine medizinische Versorgung der Minenarbeiter. Hinzu fördert sie einen vernünftigen Umgang mit Chemikalien wie Quecksilber.4) Aber auch Fairtrade steht bei der Verteilung der Gütesiegel in der Gold-Industrie erst am Anfang und muss sich immer wieder Trittbrettfahrern stellen, die unter ähnlichem Namen ihr Siegel missbrauchen wollen.

Alexander Skrein, ein Wiener Steinmetz, verfolgt hierbei jedoch einen anderen Ansatz. Er setzt sein Vertrauen in „faires Gold“ und stellte Anfang Oktober seine gesamte Produktion um. Für „faires Gold“ wäre jeglicher Gebrauch von Quecksilber zu vermeiden, da das Gold allein aus recycelten Materialien stammt.

Gold wird seit eh und je wiederverwertet, geschieden“, erklärt Skrein, „zum Recyclinggold wird es, wenn es nicht mit unkontrolliertem Gold vermischt wird. In Deutschland gibt es schon eine Goldscheideanstalt nur mit Recyclinggold. Und die ersten Kleinproduzenten setzen dort auf hundert Prozent Recyclinggold“, sagt Alexander Skrein

Für Skrein stellt „faires Gold“ eine nachhaltige Alternative zu der bisherigen Gold-Gewinnung dar, da es eine Belastung von Umwelt und Gesundheit der Minenarbeiter ausschließt. Realistisch betrachtet ist es wohl eine Sache der Unmöglichkeit allein mit recyceltem Gold die immense Nachfrage nach Schmuckstücken zu decken. Allerdings bleibt es eine förderungswürdige und nachhaltige Alternative, deren Potenzial bei weitem noch nicht ausreichend genutzt wird.5)

  1. Human Rights Watch: Smartphones ohne smarte Lieferkette – aufgerufen am 27.11.13 [] []
  2. Human Rights Watch []
  3. Aachener Zeitung: Ökotest: Herkunft von Gold für Schmuck häufig unklar – aufgerufen am 27.11.13 []
  4. Fairtrade: Gold – aufgerufen am 27.11.13 []
  5. Die Presse: Edel und gut: Faires Gold – aufgerufen am 27.11.13 []

Über Franziska / earthlink

Nach 9 wundervollen Monaten bei earthlink, beende ich nun meinen Bundesfreiwilligendienst und werde noch in ein paar weitere soziale Bereiche hineinschnuppern, bis ich Oktober 2014 hoffentlich zu studieren beginne ;-)
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1 Antwort zu Fair Handeln in der Goldproduktion – Ein Ding der Unmöglichkeit?

  1. Karl H. Fehsenfeld - CEO Global Mining KG sagt:

    Wir haben einen eigenen Bergbaustandard SEEM entwickelt, den wir in unseren Goldminen mit dem Projekt “FAIR Gold” (fairgold-invest.de) konsequent umsetzen. Neben der Wirtschaftlichkeit stehen hier die hohe Wertschätzung von Mensch und Natur im Vordergrund. Unser oberstes Ziel ist die Nachhaltigkeit gemäß der wissenschaftlichen Definition: Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen.
    Nachhaltig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben.

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