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China: Lockerung der Ein-Kind-Politik – ein Schlag gegen den Kinderhandel?

aktiv gegen kinderarbeit |  Bild:  © earthlink e.v.

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Seit Ende der Siebzigerjahre wird in China eine rigide Geburtenkontrolle umgesetzt: die „Ein-Kind-Politik“. Das Verbot mehr als ein Kind zu haben. Es sollte einst dazu dienen, Hungersnöte zu verhindern und den wirtschaftlichen Fortschritt zu sichern. Im Verlauf der Jahrzehnte wurde jedoch deutlich, dass diese Politik viele negative Entwicklungen mit sich bringt. So wird sie heute als Ursache der Alterung der Bevölkerung sowie des Männerüberschusses betrachtet – aber auch für den zunehmenden Kinderhandel verantwortlich gemacht.1)

Nun kündigt China eine Lockerung an: Konkret soll es Ehepaaren, von denen ein Elternteil Einzelkind ist, künftig gestattet sein, zwei Kinder zu bekommen.

Vor dem Hintergrund der mit der „Ein-Kind-Politik“ verbundenen Probleme erscheint es wenig verwunderlich, dass nun Hoffnungen auf Besserung geweckt werden. Doch es besteht die Gefahr, dass sich gerade in Bezug auf den Kinderhandel hierdurch wenig ändern wird:

Denn obwohl der Begriff „Ein-Kind-Politik“ impliziert, jedes chinesische Paar dürfe nur ein Kind bekommen, sieht die Realität anders aus: Aufgrund vieler Ausnahmen gilt sie in ihrer Schärfe nur für ein Drittel der Bevölkerung.2) Die Geburtenrate liegt folglich auch bei 1,55 – und damit beispielsweise höher als in Deutschland.3) Zu den vielen, die ein weiteres Kind bekommen dürfen, würden sich durch die neue Änderung nun 15 bis 20 Millionen Paare gesellen – bei einer Bevölkerungszahl von rund 1,35 Milliarden.4)

Daher scheint es problematisch, die „Ein-Kind-Politik“ als Ursache von Kinderhandel anzuführen – und sich große Verbesserungen durch die angekündigten Änderungen zu versprechen: Ursache ist sicherlich eine rigide Geburtenkontrolle. Aber auch ihr irreführender Name. Denn auch zuvor haben viele – trotz „Ein-Kind-Politik“ – legal ein weiteres bekommen – und dennoch nahm der Kinderhandel zu.5) Die neuen Ausnahmen rütteln nicht daran, sie folgen der Tradition dieser Familienpolitik.

Die angekündigten Änderungen wecken Hoffnungen für Einzelfälle, können aber kein allumfassender Schlag sein. Wirksamer wäre die klare Benennung als Geburtenkontrolle – und die Abkehr von ihr. Klarzumachen, dass die Entscheidung für ein oder mehr Kinder etwas Urpersönliches ist. Dass eine staatlich angewandte Regulierung – wie auch immer sie letztlich aussehen mag – tatsächlich Kinderhandel begünstigt. Weil sie jedes Kind nicht als Mensch sondern als Gut betrachtet und damit vielfältigstem Missbrauch Tür und Tor öffnet.

Dies würde zudem die Chance bieten, neues Licht auf die Problematik zu werfen. Wahrzunehmen, dass unabhängig der Geburtenkontrolle weitere Gründe für Kinderhandel in China existieren, die man ebenso angehen muss: Dass 20.000 Kinder jährlich für illegale Adoptionen entführt werden, deren Käufer größtenteils ungewollt kinderlose Paare sind.6) Oder dass Eltern schlicht nicht genügend Geld haben, ein Kind zu versorgen und gezwungen sind, es zu verkaufen.1)

  1. Spiegel Online: Menschenhandel in China: Kinder stehlen, Kinder kaufen [] []
  2. FAZ.net: Weg von der Ein-Kind-Politik []
  3. Spiegel Online: Reformvorschlag: Chinas Führung erwägt Zwei-Kind-Politik []
  4. FAZ.net: „Außerplanmäßig“ darf weiter nicht geboren werden []
  5. WAZ: Kinderhandel nimmt in China immer neue Dimensionen an []
  6. Humantrafficking.org: China National Plan of Action on Combating Trafficking in Women and Children (2008-2012); nicht mehr verfügbar []
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