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Einnahmequelle Leihmutter: Ein Baby für 30 000 US$ bitte!

aktiv gegen kinderarbeit |  Bild:  © earthlink e.v.

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Neben der steigenden Verlagerung von industriellen Produktionszweigen in Entwicklungs- und Schwellenländer kommt es auch zur Auslagerung einer sehr kritisch zu bewertenden Praxis: die Leihmutterschaft. Unfruchtbarkeit und steigende Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Paaren erfordern neue Wege, um dem Wunsch nach eigenen Kindern nachzukommen. Bei der sogenannten Leihmutterschaft wird der Frau durch eine künstliche Befruchtung ein Embryo eingepflanzt, der das genetische Potential der bestellenden Eltern hat.1) In den meisten Staaten ist diese Möglichkeit allerdings verboten.

Indien ist jedoch eine Nation, in denen Leihmutterschaften legal sind. Das Land mit der zweithöchsten Population erfreut sich dadurch größter Beliebtheit bei kinderlosen Paaren und Einzelpersonen: die generell niedrigen Kosten für die Durchführung, gut ausgebildetes medizinisches Personal, geringer bürokratischer Aufwand und ein gutes System zur Unterstützung der Leihmütter, führen zu einer hohen Nachfrage. 400 Millionen Dollar Umsatz bringt dieser Geschäftszweig jährlich, verteilt auf 3000 indische Geburtskliniken. „To hire the wombs of women“ oder auch als Leihmutter-Tourismus wird das wachsende Phänomen bezeichnet.2)

Seit 2002 ist es in Indien gesetzlich erlaubt, gegen Bezahlung ein fremdes Kind auszutragen. Die Geburtskliniken informieren und werben auf ihren Internetseiten, die Kunden kommen vermehrt von Übersee – aus Großbritannien, Amerika und Australien. Als Leihmütter werden besonders junge, arme und ungebildete Frauen ausgewählt. Die umgerechnet ungefähr 7000 US$, die sie für so eine Schwangerschaft erhalten, bedeuten für sie oftmals einen Lebenswandel. Physische und psychische Spätfolgen werden außer Acht gelassen.

Der Industriesektor betrachtet den noch jungen Geschäftszweig als Win-win-Situation, bestehend aus einem gegenseitigen Helfen. Die kinderlosen Paare und Einzelpersonen erfüllen sich einen lang ersehnten Wunsch und die Leihmütter profitieren stark von der verdienten Geldsumme. Die Industrie geht sogar soweit, die Mütter als die eigentlichen Gewinner des ganzen Prozesses darzustellen, da sie auch eine gute medizinische Versorgung erhalten und ihrer eigenen Familie durch das Geld sehr helfen.

Anders wird die Situation von Menschenrechtsaktivisten dargestellt: als Baby-Fabriken werden die Geburtskliniken bezeichnet und die Leihmutterschaft als Ausbeutung. Viele Frauen werden oft aus Geldnot in einen Vertrag hineingedrängt, den sie aufgrund fehlender Bildung nicht einmal verstehen können. Kommt es während der Schwangerschaft zu Komplikationen wird meist die Mutter dafür verantwortlich gemacht und sie bleibt dadurch ohne jegliche Bezahlung. Oftmals fehlt es an angemessener Nachversorgung, für Spätfolgen gibt es weder eine Versicherung noch eine medizinische Versorgung. Das Konzept der Leihmutter verstärkt das Stereotyp, Frauen seien Gebärmaschinen und können willkürlich viele Kinder zur Welt bringen.

Viele ausländische Paare sorgen sich um die Gesundheit ihrer zukünftigen Babys und lassen ihre Leihmütter für neun Monate in speziellen Unterkünften unterbringen, damit diese die ausreichende medizinische Versorgung erhalten. Ohne diese Art der Unterbringung könnten viele Frauen auch nicht als Leihmutter zur Verfügung stehen, da die gesellschaftliche Stigmatisierung in ihrem direkten sozialen Umfeld zu groß wäre. Doch auch diese Bemühungen verhindern nicht, dass es sich um ein ethisch sehr kontroverses Thema handelt. Die Diskussion, ob es sich bei diesem Prozess um Ausbeutung handelt, wurde auch von der indischen Regierung aufgegriffen.

Eine staatlich geförderte Studie kam bereits zu dem Ergebnis, dass viele Frauen oftmals keine vertraglich geregelte Bezahlung erhalten und ihnen teilweise mehrmals, in kurzen Zeitabständen Embryos eingesetzt werden, um die Erfolgschancen für eine Schwangerschaft zu erhöhen. Ein Gesetz zum Schutz der Leihmütter, der Kinder und der Auftrag gebenden Eltern scheint daher längst überfällig. Vergangen Juni gab es bereits eine Änderung des Visum-Gesetzes, wonach es ausländischen gleichgeschlechtliche Paaren und Alleinstehenden verboten ist, eine Leihmutterschaft in Anspruch zu nehmen. Dies kann die Zahl der Aufträge senken, aber einen gesonderten Schutz für die indischen Frauen bietet die Gesetzesänderung nicht. Ein Entwurf, der im kommenden Jahr verabschiedet werden soll, sieht genaue Vorschriften für die Geburtskliniken, über das Alter der Leihmütter, sowie über Versicherung und bestehende Verträge vor. Doch bis zu dessen Verabschiedung besteht noch ein längerer Weg. Die Industrie befürchtet bereits einen finanziellen Einbruch durch restriktivere Gesetze. Nicht nur die Kunden von Übersee könnten fern bleiben, sondern auch bisher profitierende Leihmütter würden eine Einnahmequelle verlieren.3)

Unabhängig von den kontroversen Argumenten ist festzustellen, dass bei dieser Diskussion der Wert und die Bedeutung eines Neugeborenen völlig unter den Tisch fallen. Babys als Menschen und Inhaber von Menschenrechten, werden eher als Ware behandelt. Weniger die gesetzliche Ausgangssituation als auch die moralische Grundhaltung sollten hinterfragt werden.

  1. Wikipedia: Leihmutter – abgerufen 08.10.2013 []
  2. TRUST: India’s surrogacy tourism – abgerufen 08.10.2013 []
  3. TRUST: India seeks to regulate its booming „rent-a-womb“ industry – abgerufen 08.10.2013 []

Ein Gedanke zu „Einnahmequelle Leihmutter: Ein Baby für 30 000 US$ bitte!“

  1. Einnahmequelle -Leihmutter..Wie man es nimmt.
    Uns half einfach diese ausländische Leihmutterschaft,uns war glecihgültig, ob sie Einnahmequelle ist oder nicht. Wir könnten nicht unseren Kinderwunsch loswerden..Ja und auch handeln diese Leihmütter immer freiwillig, wenigstens in der Ukraine, wo wir in einer Agentur namens Biotexcom unsere Leihmutter engagierten, war es so.

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