Der Weg zurück in das zivile Leben – starke Rückfälligkeit von Kindersoldaten

Sie lernen zu morden, zu plündern, sie müssen Überreste von Toten einsammeln, werden durch Minenfelder getrieben oder als Spione benutzt. Für 250.000 Kinder und Jugendliche ist dies Alltag.1) Sie machen einen Anteil von 10 bis 15 Prozent der Streitkräfte der Welt aus.

Hilfsorganisationen wie UNICEF setzen sich global für die Demobilisierung und Reintegration der Kindersoldaten ein. Es werden jedoch laufend neue Kinder zwangsrekrutiert. Außerdem scheint es eine enorme Rückfälligkeit zu geben.

Der erste und wichtigste Schritt bei der Reintegration ist, die Kinder von ihren ehemaligen Befehlshabern zu trennen. Neue Kleidung und medizinische Versorgung werden bereitgestellt.2) Die Kinder leiden oft unter Unterernährung, entzündeten Wunden, sexuell übertragbaren Krankheiten, Drogensucht und psychischen Krankheiten, wie unter anderem Angst- und Beziehungsstörungen, emotionaler Abstumpfung, einer Veränderung der Selbstwahrnehmung, Apathie und Essstörungen.3)

Bevor sie in ihre Familien – wenn sie denn noch existieren – zurückgeführt werden können, müssen diese aufgefunden werden. Eine Sensibilisierung aller Angehörigen geht voraus, damit der Zustand und die Vergangenheit des Kindes allen bewusst sind und jeder über die Schwierigkeiten, die auftreten können, aufgeklärt ist. In vielen Fällen, gibt es starke Vorbehalte gegenüber den eigenen Kindern, die nicht selten gezwungen wurden, Gewalt gegen die Familie oder die Gemeinde auszuüben. Auch die gesamte Dorfgemeinschaft muss an dem Prozess beteiligt werden. Andernfalls beschuldigen Dorfangehörige die Kinder für ihre Verbrechen und können nicht akzeptieren, dass ihnen Unterstützung geboten wird.

Gewalterfahrungen und psychische Traumata stehen einer Anpassung an die Familienstrukturen von Seiten der Kinder oft im Weg. Es fällt ihnen schwer, sich geliebt und akzeptiert zu fühlen. Entfremdung, Schuldgefühle, aber auch Vorwürfe der eigenen Familie gegenüber, nicht genügend Schutz geboten zu haben, hindern sie meist daran, wieder Zugang zu finden.2)

Viele der jungen Kinder identifizieren sich außerdem so sehr mit der Rolle des bewaffneten Kämpfers, dass sie, zurück im „normalen“ Leben, darin keinen Sinn mehr finden und ihre frühere Rolle vermissen. Als Krieger hatten sie eine Aufgabe, das Gefühl einer vermeintlichen Gemeinschaft. Waisen und solche, deren Dörfer geplündert worden sind und denen häusliche Gewalt widerfahren ist, finden bei den Truppen Struktur und Geborgenheit. Zudem wird ihnen eine Grundversorgung in Form von einigermaßen regelmäßigen Mahlzeiten geboten.3)

In der Konfliktregion Nord- Kivu im Osten der Demokratischen Republik Kongo ist es UNICEF gelungen, 1.700 Minderjährigen die Chance auf  einen Neuanfang zu geben. Doch 2000 kongolesische Kindersoldaten sind immer noch in die Kämpfe involviert.

Der 16-jährige Maurice war einer von ihnen. Auch er ist in den Kampf zurückgekehrt. Zwei mal wurde er nun schon von den Truppen befreit. Er erklärt: “Nach der ersten Zusammenführung mit meiner Familie entschloss ich mich, erneut zu den Waffen zu greifen, weil uns das Geld fehlte”.
Früher hatte er für eine Einheit der Rebellenorganisation „Widerständige kongolesische Patrioten“ gekämpft, nun ging er zu der bewaffneten Gruppe „Nyatura“.4)

Alternativen sind notwendig um eine erneute Rekrutierung zu verhindern. Der Plan sieht vor, ehemaligen Kindersoldaten die Ausbildung bis zum Abitur zu ermöglichen und sie später bei der Aufnahme einer Arbeit oder einer Berufsausbildung zu unterstützen. In Maurices Fall erhält außerdem jeder Kindersoldat, der zu seiner Familie zurückgebracht wird, eine Ziege. Diese soll ihm die Rückkehr in das zivile Leben erleichtern.

Inzwischen wurde Maurice auch aus der Truppe „Nyatura“ gerettet. Er befindet sich nun in einem Durchgangslager in Nyakariba. Dort wird er betreut bevor ein zweiter Versuch startet,  ihn wieder in die Gesellschaft zu integrieren.

Während seiner Abwesenheit wurde die Ziege von seiner Familie geschlachtet.4)

  1. unicef: welttag gegen kindersoldaten []
  2. sicherheitspolitik bpb: entwaffnung demobilisierung und reintegration von kindersoldaten [] []
  3. make a change: kindersoldaten information – nicht mehr verfügbar [] []
  4. neues deutschland: kongo noch 2000 kindersoldaten [] []

Über Laura / earthlink

Ich bin 18 Jahre alt und habe im Juni dieses Jahres mein Abitur an der Deutschen Schule Thessaloniki in Griechenland absolviert. Das Praktikum bei earthlink mache ich zur beruflichen Orientierung. Ich bin sowohl im journalistischen, als auch im entwicklungspolitischen Bereich sehr interessiert.
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