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Moderne Sklaverei – blühender Mädchenhandel trotz neuer Gesetzeslage in Indien

Ein Artikel in der Wochenzeitung „Der Spiegel“ vom 16.09.2013 wirft wieder einmal ein trübes Licht auf Indiens Geschäft mit dem Kinderhandel. Noch zu Beginn dieses Jahres waren die Erwartungen groß: nach der Vergewaltigung einer jungen Frau durch sechs Männer in einem Bus, wurden sowohl die Strafen gegenüber Gewalttätern, als auch die Gesetze zum Menschenhandel verschärft. Zum ersten Mal in Indiens Geschichte wurde Menschenhandel ausdrücklich als illegal bezeichnet. Trotz allem bleibt Kinder- und insbesondere Mädchenhandel ein florierender Wirtschafszweig: kostengünstige Arbeitskräfte und lukrative Einnahmen für Mittelsmänner halten das Geschäft am Laufen.

Menschenhandel wird als modernste Form der Sklaverei betrachtet. Offiziell ist Sklaverei weltweit verboten und abgeschafft. Aber nach Schätzungen der UN, leben derzeit rund zwölf Millionen Menschen in der Sklaverei. Von ihnen sind rund die Hälfte Kinder und Jugendliche.1) 2001 kam die indische Regierung auf 12,6 Millionen arbeitende Kinder zwischen fünf und 14 Jahren. Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher liegen. Wie viele sich von ihnen in einem sklavenähnlichen Verhältnis befinden, kann nur vermutet werden. Sie sind Opfer von Menschenhandel, Zwangsarbeit und Zwangsprostitution. Hilfsorganisationen schätzen, dass ungefähr 75% der indischen Hausangestellten Kinder sind, 90% von ihnen Mädchen.

Oft verkaufen die eigenen Familien ihre Kinder aus Not. Oder die Kinder sind Ausreißer von zu Hause und werden auf der Flucht vor Elend, familiärer Gewalt und Armut von Menschenhändlern aufgegriffen. Bahnhöfe und Bushaltestelle sind eine Goldgrube für Mittelsmänner. Mit Versprechungen für eine gut bezahlte Arbeit und eine Unterkunft werden die Kinder von Menschenhändlern angelockt. Diese verdienen bei einer erfolgreichen Weitervermittlung bis zu 12 Euro Provision pro Kind. Aus den Kindern werden kleine Sklaven. 12 Stunden täglich arbeiten sie als Haushaltshilfen, Prostituierte, Kindermädchen oder Näherinnen – ohne Lohn, ohne angemessenen Schlafplatz, aber mit täglicher Gewalt und Einschüchterungen.

Menschenrechtsorganisationen, wie beispielsweise die katholische Organisation Don Bosco, versuchen diese illegale Praxis in Indiens Großstädten zu unterbinden. Die Mitarbeiter warten an Bahnhöfen und großen Bushaltestellen, um den Mittelsmännern beim Erstkontakt mit den allein reisenden Kindern zuvorzukommen. Doch oftmals scheitern ihre Bemühungen an einem Personalmangel und nur wenige Kinder können von ihnen in Sicherheit gebracht werden. Ein Großteil der Kinder, die in die Hände von Menschenhändlern gerät, bleibt im Inland. Die Größe des indischen Staates, die vielen verschiedenen Landessprachen und die Angst der Opfer ermöglichen es, sich im eigenen Land völlig fremd zu fühlen.

Hilfsorganisationen nehmen an, dass 20 bis 65 Millionen Inder bereits einmal Opfer von Menschenhandel wurde. Trotz einer neuen gesetzliche Lage, wird der Kinderhandel weiter blühen, sollte sich nicht etwas an den gesellschaftlichen Strukturen, der erlahmten Bürokratie und der korrupten Polizei ändern.2)

  1. Terre des Hommes: Kinderhandel – abgerufen 20.09.2013 []
  2. Spiegel: Ein Euro für ein Mädchen – Ausgabe Nr. 38, 16.09.2013 []
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3 Gedanken zu „Moderne Sklaverei – blühender Mädchenhandel trotz neuer Gesetzeslage in Indien“

  1. Dieser Beitrag berührt mich zu tiefst! Allgemein finde ich die versklavung der Kinder in Indien so schrecklich! Ich bin zwar erst 20 Jahre alt aber dennoch möchte ich diesen Kindern helfen. Jedes mal wenn ich solche Beiträge im TV sehe oder wie hier lese, werde ich enorm wütend auf die Regierung. Meine Freundin kommt aus Indien und sie hatte das Glück mit anderthalb Jahren in die Schweiz zu kommen. Sie hat mir Bilder gezeigt, wie ihr Heim aussah…. Einfach nur schrecklich.
    Wie kann ich aktiv helfen?

    1. nikoletta / EarthLink

      Hallo Yannick, aktiv helfen hier in Deutschland kann man durch gezielte Informationssuche, Verbreitung von Hintergrundinfos zu Kinderarbeit (in Indien) in der eigenen Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis, kritisches Konsumverhalten im Hinblick auf Unternehmen, die in Indien produzieren lassen (Textilbranche!), aber auch indem man in Dialog tritt mit Entscheidungsträgern und seine Kommune bittet, bei der öffentlichen Beschaffung von z.B. Natur- und Grabsteinen – die häufug in Indien produziert werden – Kinderarbeit auszuschließen (sofern sie noch keinen entsprechenden Beschluss gefasst hat). Eine Liste der Kommunen, die einen entsprechenden Beschluss bereits haben, findet sich hier: http://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/deutschland/kommunen/.
      Vor Ort gibt es andere Möglichkeiten, zu helfen, z.B., indem man seriöse lokale Hilfsprojekte, Kinderschutzkampagnen und NGOs aktiv oder finanziell unterstützt.

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