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„Ich werde mich umbringen, einfach so“ – 11jährige Jemenitin wehrt sich per Videobotschaft gegen ihre Zwangsverheiratung

Mehr als 7 Millionen Klicks auf YouTube: Nada al-Ahdal klagt in einer Videobotschaft ihre Eltern an, die sie zwangsverheiraten wollen. Erst zehnjährig war das Mädchen, als es von seinen Eltern zum ersten Mal verlobt wurde. Der Onkel konnte eine Verheiratung verhindern, indem er dem Bräutigam eine Ehe mit dem Kind ausredete. Zu diesem Onkel flüchtete sich Nada al-Ahdal auch beim zweiten Versuch der Eltern.

Die Frage, ob das Video echt ist oder inszeniert wurde, spielt hier nur eine untergeordnete Rolle: Die mediale Aufmerksamkeit könnte das Bewusstsien schärfen für das Thema der Zwangsverheiratungen von Kindern, die nicht nur in arabischen Ländern zum Alltag gehören. Kinderehen stellen eine weltweit präsente Problematik mit erschreckenden Zahlen dar, die bei uns noch viel zu wenig Beachtung findet. Nach UNICEF-Angaben wurden im Jemen 32% der unter 18jährigen verheiratet – 70 Millionen weltweit (basierend auf Daten von 2006), davon waren 23 Millionen Mädchen jünger als 15 Jahre. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation könnte sich diese Zahl bis zum Jahr 2020 noch auf 140 Mio steigern. Babatunde Osotimehin, Direktor des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (Unfpa), bringt die Folgen dieser gesellschaftlich akzeptierten Tradition auf den Punkt: „Kinderheirat ist eine entsetzliche Verletzung der Menschenrechte. Sie beraubt Mädchen ihrer Ausbildung, ihrer Gesundheit und ihrer Zukunft“,.

Bildung und Gesundheit sind wichtige Themen. Immer wieder wird von Hilfsorganisationen darauf hingewiesen, dass ein jung verheiratetes Mädchen keine Chance auf Schulbildung oder gar einen Ausbildungsberuf hat. Ihr Schicksal als Ehefrau, Hausfrau und Mutter ist mit der Verheiratung vorprogrammiert. Ebenso sind frühe Schwangerschaften und viele frühe Geburten massiv gesundheitsgefährdend, die Sterberate ist erhöht. Hier bedarf es sicher dringend an Aufklärung, gesellschaftlichem Wandel und Hilfsprogrammen unter Berücksichtigung der tradierten kulturellen Normen des jeweiligen Landes, die sich gezielt dieser Probleme annehmen. Und dennoch fehlt mir ein wesentlicher Punkt, der nicht nur in der hiesigen Medienlandschaft, sondern auch in der entwicklungspolitischen Diskussion um Kinderehen und Zwangsheirat zu kurz kommt, obwohl er unserem westlich geprägten Menschenbild geschuldet ist: Die sexuelle Ausbeutung dieser jung verheirateten Mädchen. Wir setzen uns mit Kampagnen gegen Kinderprostitution weltweit und sexuellen Missbrauch ein und übersehen dabei, dass auch ein Kind, das mit einem sehr viel älteren Mann verheiratet wird, diesem auf Gedeih und Verderb ausgesetzt wird und bleibt und schlimmstenfalls allnächtliche Vergewaltigungen überstehen und bewältigen muss. Auch wenn eine Tabuisierung weniger schmerzt: Die seelische und mentale Gefährdung aufgrund des jahrelangen sexuellen Missbrauchs jung verheirateter Mädchen sollte mindestens genauso viel Beachtung finden wie ihre drohende Gesundheitsgefährdung und ihre mangelnden Bildungschancen.

Link zum Artikel: spiegel online

Link zum Artikel: UNICEF

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