ÖKO-TEST-Ergebnisse: Faire Schokolade ohne Kinderarbeit

Schokolade, Kakao, Produktion | Bild: © Peter Pearson - Flickr

Im aktuellen Heft von ÖKO-TEST “Ratgeber Essen und Trinken” werden 24 Schokoladen darauf getestet, wie fair sie produziert werden. Gemäß Öko-Test ist hierfür entscheidend, ob den Bauern faire Löhne gezahlt werden und ob bei der Kakao-Ernte Kinder beiteiligt sind und ausgebeutet werden.1)

Was bei dem Test beachtet werden muss: Es handelt sich wirklich nur um die getestete Schokolade, nicht um andere Produkte dieser Marke. So unterstützt man beispielsweise durch den Kauf von “Hachez Wild Cocoa De Amazonas” ein Projekt im brasilianischen Regenwald. Dort wächst der Kakao wild und die Familien, die die Kakaobohnen pflücken, erhalten von Hachez sogar einen Lohn, der über dem Fairtrademindestpreis liegt. Laut ÖKO-TEST ist “missbräuchliche Kinderarbeit [in diesem Projekt] kein Problem”.2) Andere Produkte von Hachez werden hier nicht getestet, dewegen kann darüber nichts ausgesagt werden.1)

Generell lässt sich sagen, dass die Mehrheit der getesteten Bioschokoladen fair produziert wurden. Nur “Hussel lara 62% dunkle Vollmilch-Chocolade” wird teilweise unfair und “Vivani Ecuador Edel Bitter 70%” (von Eco Finia) und “Alnatura Feine Bitter 70% Kakao” überwiegend unfair produziert.3)

Von den 14 getesteten, konventionell produzierten Schokoladen bewertet ÖKO-TEST lediglich zwei mit “fair”. Und zwar die schon erwähnte Schokolade von Hachez und die Fairglobe-Schokolade – diese trägt das Fairtrade-Label. Alle anderen, darunter die Marken Lindt, Moser Roth/Aldi, Ritter Sport, Schwarze Herren/Sarotti, Leysieffer, Feodora, Heilemann und Tobago/Rausch werden unfair oder überwiegend unfair hergestellt. Auch die Schokolade “Côte D’Or 70% Noir Intense, Rainforest Alliance Certificated” von Kraft wird überwiegend unfair produziert – eben Rainforest Alliance zertifiziert, nicht Fairtrade zertifiziert. Bei dieser und der Zartbitterschokolade von Penny sieht ÖKO-TEST jedoch das “Bemühen, missbräuchliche Kinderarbeit zu verhindern”.4)

Und wie so oft, sagt der Preis im Einzelhandel nichts darüber aus, ob das Unternehmen dafür sorgt, dass bei der Produktion keine Kinder ausgebeutet werden.

  1. ÖKO-TEST – Test Schokolade – Genuss und Verdruss [] []
  2. ÖKO-TEST-Zeitschrift “Ratgeber Essen und Trinken 2013” – Genuss und Verdruss – Anmerkungen, S. 103 []
  3. ÖKO-TEST-Zeitschrift “Ratgeber Essen und Trinken 2013” – Genuss und Verdruss, S. 102/103 []
  4. ÖKO-TEST-Zeitschrift “Ratgeber Essen und Trinken 2013” – Genuss und Verdruss, S. 104/105 []

Über isabella / earthlink

Ich bin aus München und habe 2011 mein Abitur gemacht. Nach meinem Studium möchte ich mich hauptberuflich in einer Hilfsorganisation oder für den Umweltschutz engagieren.
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2 Antworten zu ÖKO-TEST-Ergebnisse: Faire Schokolade ohne Kinderarbeit

  1. Thomas Pape sagt:

    Ihr Engagement, liebe Isabella, in allen Ehren, aber hier schauen Sie recht unreflektiert durch die die Brille von Öko-Test Chef Jürgen Stellpflug. Der von Ihnen angesprochene Test ist keinesfalls ein Vergleich der Siegel Fairtrade, utz, Rainforest Alliance und Bio. Stellpflug schreibt das auch selber, und sie können das in eben diesem Test dort nachlesen, wo die Bewertungskriterien aufgeführt werden. Stellpflug greift sich lediglich zwei Aspekte heraus, an denen er seinen persönlichen Begriff von „fair“ festmacht. Rein zufällig sind das die beiden einzigen Kriterien, die das Fairtrade Siegel von den anderen unterscheiden. Um es an dieser Stelle deutlich zu machen:
    • Jedes der genannten Siegel schließt missbräuchliche Kinderarbeit auf seinen zertifizierten Farmen aus.
    • Jedes dieser Siegel wird unabhängig kontrolliert, ebenso die zertifizierten Farmen.
    • In den übergeordneten Gremien der ISEAL arbeiten alle genannten Siegelorganisationen zur Verbesserung der Standards zusammen.
    • Keines dieser Siegel kann verbindlich garantieren, dass die ausgeschlossenen Missstände nicht doch vorkommen. Auch Fairtrade nicht. Fallen solche Fälle auf, gibt es Ermahnungen, im Wiederholungsfalle wird das Siegel entzogen. Auch das gilt für alle genannten Siegel.

    Selbstverständlich leisten auch Raiforest Alliance und utz Premiumzahlungen zusätzlich zu den Kakaopreisen. Die allerdings sind von der Qualität des Kakaos abhängig. Als Abiturientin werden Sie sicherlich verstehen, dass Sie in einer Klausur, für die Sie nicht gelernt haben und deren Aufgaben Sie nur unzulänglich lösen konnten, keine gute Note bekommen werden. Ähnlich ist es mit dem Kakao: aus dem soll schließlich einmal Schokolade werden. Ist seine Qualität schlecht –und das hängt nicht von den Bäumen, sondern von den Bauern ab, die aus dem Erntegut Rohkakao machen- dann kann es keine Belohnung oder einen hohen Preis geben. Faitrade hingegen garantiert Mindestpreise und Premiumzahlung für alles, was ihnen ihre Bauern anliefern. Und müssen zuweilen feststellen, dass Schokoladenhersteller die Kakaolieferung zurückschicken, weil sie in der Qualität für den Fertigungsprozess nicht brauchbar ist. Ich bezweifele, dass das langfristig den Bauern nützen wird. Zum insgesamt sehr komplexen Weg der Frucht des Kakaobaums zur Schokolade ließe sich noch vieles beitragen. Ich belasse es hier mit dieser kurzen Richtigstellung und würde mich freuen, wenn der Begriff „Fair“ nicht so unkritisch und inflationär verwendet würde.

    • christian / EarthLink sagt:

      Hallo Herr Pape,

      ich gebe zu, dass der Artikel an ein bis zwei Stellen etwas unscharf formuliert ist. Die entsprechenden Passagen habe ich bearbeitet bzw. entfernt. Es handelt sich lediglich um eine kurze Zusammenfassung der Test-Ergebnisse aus der entsprechenden Öko-Test-Ausgabe. Wir haben den Test keiner kritischen Bewertung unterzogen, sondern nur die Vorgehensweise von Öko-Test geschildert, also auch nach welchen Kriterien gemäß Öko-Test Schokolade “fair” produziert wird.

      Die komplette Ausgabe von Öko-Test liegt uns leider nicht mehr vor, sondern nur die gekürzte Online-Version. Isabella hat ihr Praktikum mittlerweile beendet.

      Uns ist natürlich auch klar, dass es keine Garantien gibt, egal um welches Siegel es sich handelt. Der Konsument bzw. Interessent muß selbst entscheiden, ob ihm die Kriterien der einzelnen Siegel und Zertifikate genügen. Eine entsprechende Auflistung mit genauer Beschreibung der Vorgehensweise und Kriterien gibt es zur Ansicht auf unserer Webseite: https://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/gegenmassnahmen/siegel-und-zertifikate/

      Wir sehen es vor allem als unsere Aufgabe, hierfür so viele Informationen wie möglich zur Verfügung zu stellen.

      Dennoch, herzlichen Dank für Ihre Anmerkungen. Es ist immer wieder schön zu sehen, dass wir es mit einer aufmerksamen und kritisch denkenden Leserschaft zu tun haben.

      Beste Grüsse

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