Indien: Regierung und Rebellen setzen Kindersoldaten ein!

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In Indien werden Kinder in bewaffneten Konflikten als Informanten, Kuriere und Kämpfer missbraucht. Das besagt ein Bericht des Asian Centre for Human Rights. Demnach werden schätzungsweise 3000 Kinder derzeit in bewaffneten Konflikten Indiens zwischen der Regierung und zumeist maoistischen Rebellen eingesetzt. Die Kinder werden entweder entführt und zum Gehorsam gezwungen oder sie kommen im Falle verstorbener oder armer Eltern freiwillig, weil sie keine anderen Perspektiven sehen.

Aktuelle Situation in Indien: Seit Jahrzehnten kämpfen maoistische Rebellen gegen die Regierung. Sie fordern mehr Rechte für landlose Bauern und den Schutz der Ureinwohner. Die Zahl der Todesopfer beträgt bisher ca. 6.000. Premierministerin Singh bezeichnet die Rebellen als größte interne Sicherheitsbedrohung. Erst kürzlich griffen sie im zentralen Bundesstaat Chhattisgarh einen Autokonvoi mit Politikern der Regierungspartei an:  Ergebnis 23 Menschen tot und weitere 32 verletzt1). Besonderen Rückhalt und zunehmende Unterstützung finden die Rebellen in den ländlichen Gebieten Mittel- und Ostindiens. Die Zahl der Guerilla-Kämpfer wird auf ca. 50.000 geschätzt2).

Zur Bekämpfung der Rebellen setzt eine indische Provinzregierung  inzwischen etwa 300 Kinderpolizisten ein. Die “Salwa Juddum” sind als Special Police Officers (SPOs) bekannt. Sie sollen den Schutz ihrer Familien und Gemeinden vor den Rebellen gewährleisten. Damit sie dazu in der Lage sind, werden sie von der Provinzregierung aufgerüstet: “Wir haben den Regierungschef des Bundesstaats Chhattisgarh dabei gefilmt, wie er Waffen an Kinder verteilt hat”3). Wenn diese staatlich unterstützten Kindersoldaten in Kämpfen verletzt oder getötet werden, wird behauptet, dass es sich dabei um Mitglieder einer staatsfeindlichen Gruppe handelt, oder die Kinder zufällig in ein Kreuzfeuer geraten seien. In mehreren Fällen wurden die Leichen sogar verstümmelt, um das Alter und die Identität der Opfer zu vertuschen.

Grund für diese Vertuschungen ist die offizielle Haltung der Regierung Indiens. Diese hat sich durch die Ratifizierung des UNO Vertrages 2005 verpflichtet, den Einsatz von Kindersoldaten zu ächten4). Dass die Umsetzung des Vertrages5) auf sich warten lässt, muss als Versagen des indischen Staatsapparates und als Folge eines zu geringen Drucks der internationalen Staatengemeinschaft gewertet werden.

Aus diesen Gründen fordert das Asian Legal Resource Center nun endlich konkrete Maßnahmen des Menschenrechtsrates: Kernziel ist die Auflösung der staatlich finanzierten Kindermilizen sowie die Bekämpfung der nicht staatlichen Akteure sowie eine Verbesserung des Strafrechtswesens. Wie die Vereinten Nationen mit diesen Informationen umgehen, wird Anfang Oktober bekanntgegeben. Egal welcher Beschluss gefasst wird, bleibt es am Ende Aufgabe der Regierung Indiens, die Zustände der Kinder im Land zu verbessern. Dennoch kann diplomatischer und öffentlicher Druck den Handlungszwang für die Regierung erhöhen.

 

  1. Rebellen töten Politiker in Indien – Zeit-Online – aufgerufen am 04.06.2013 []
  2. Indiens Maoisten nehmen Italiener als Geiseln – Zeit-Online – aufgerufen am 04.06.2013 []
  3. Menschenrechtsbericht: Indiens vergessene Kindersoldaten – Spiegel-Online – aufgerufen am 04.06.2013 []
  4. India: Child soldiers being used as expendable pawns in armed conflicts – human rights – aufgerufen am 04.06.2013 []
  5. Security council adopts resolution condemning recruitment of child soldiers – Vereinte Nationen- aufgerufen am 13.08.2019 []

Über felix / earthlink

Ich studiere im 2. Semester Politik- und Rechtswissenschaft an der LMU. Meine Tätigkeiten sind Recherche zu Kinderarbeit und Drogenpolitik. Zusätzlich helfe ich die Daten auf der Internetseite zu aktualisieren.
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