Immer noch keine Verringerung der Kinderarbeit in Sierra Leone

Bild: © n.v. -

Obwohl das Ende des Bürgerkrieges bereits elf Jahre zurückliegt, hat sich die Situation der Kinder im Land weiter kaum verbessert. Grund dafür ist die hohe Armut im Land. Der IWF (Internationaler Währungsfond) schätzt, dass 60 % der Bürger weiterhin in extremer Armut leben und ca. 58 % der Kinder zwischen fünf und vierzehn Jahren arbeiten müssen1). Vergleicht man diese Angaben mit 2002, so ist kaum eine Verbesserung festzustellen.

Aus den teilweise noch immer schwer zugänglichen und vernachlässigten Provinzregionen Sierra Leones wurden viele Kinder in den letzten Jahren von ihren Familien in die Hauptstadt geschickt, um Geld zu verdienen oder vor der Gewalt zu fliehen.

Bereits Kinder ab drei Jahren aufwärts müssen daher in Minen schuften, um genügend Geld für sich und ihre Familien zum Überleben zu haben. Besonders erschreckend ist die Situation nahe der Hauptstadt Freetown: Dort arbeiten die meisten Kinder in Steinbrüchen für Zementunternehmen und „wohnen“ daneben in selber gebauten Baracken2).>

Diese Arbeit für nur wenige Pennys am Tag ist zudem hoch gefährlich. Viele Kinder werden verletzt und nur unzureichend versorgt, so dass sogar simple Knochenbrüche nicht richtig heilen und die Kinder chronische Probleme haben. Da die Kinder schon in jungen Jahren anfangen müssen zu arbeiten, erhalten sie nicht einmal eine grundlegende Ausbildung. Ihnen werden daher auch keine Möglichkeiten geboten, um von den Minen weg zu kommen. Aber was wird passieren, wenn sie aus lauter Frust, Perspektivlosigkeit und aufgestauter Wut nicht mehr wissen, was sie tun sollen. Kommt es dann vielleicht wieder zu einem Bürgerkrieg?!

Kleine Hoffnungsschimmer gibt es: Manche Schulen, die von internationalen Organisationen und/ oder Spendern unterstützt werden, holen einige Kinder von den Minen weg und unterrichten sie kostenlos – allerdings sind auch die Mittel dieser Einrichtungen begrenzt.

Auch die Wirtschaft und die Exporte Sierra Leones sind in den letzten Jahren gewachsen. Im Jahr 2010 hatte die Regierung daher 20 % mehr Geld für den Haushalt übrig. Gleichzeitig wird die Infrastruktur immer weiter ausgebaut, zum Beispiel gibt es eine neue Trasse zwischen der Hauptstadt und Kenema, einer diamantenreichen Stadt im Osten des Landes. Entlang der neuen Straßen und Abbaugebiete der Rohstoffe, die dieses Land so reich machen könnten – man denke nur an die Vorkommen von Diamanten, Gold oder sogar Erdölfeldern vor der Küste – entstehen ebenfalls neue Gebäude. Diese gehören aber hauptsächlich ausländischen Geschäftsleuten oder ihren Vertretern.

Auch die Regierung arbeitet zumindest formal daran, die Lage durch internationale Abkommen, wie beispielsweise das Tackle – Projekt der ILO  zu verbessern3). Allerdings ist es weiterhin sehr schwierig,  an aktuelle Zahlen und Informationen des Landes heranzukommen. Ebenso fühlen sich viele der Bürger von ihrer Regierung im Stich gelassen.

Bleibt zum Schluss festzuhalten, dass der wirtschaftliche Aufschwung in Sierra Leone bei den Bürgern und v.a. den Kindern im Land noch nicht angekommen ist. Hoffentlich bleiben die Hoffnungsschimmer nicht nur das, was sie bis jetzt sind und entwickeln sich zu einer echten Perspektive.

  1. 2008: Findings on the worst forms of child labour – Refworld.org – aufgerufen am 06.06.2013 []
  2. The rock-mining chidren of Sierra Leone have not found peace – The Atlantic – aufgerufen am 06.06.2013 []
  3. Sierra Leone – ILO – aufgerufen am 07.06.2013 []

Über felix / earthlink

Ich studiere im 2. Semester Politik- und Rechtswissenschaft an der LMU. Meine Tätigkeiten sind Recherche zu Kinderarbeit und Drogenpolitik. Zusätzlich helfe ich die Daten auf der Internetseite zu aktualisieren.
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