Schokolade – Genuss durch Kinderarbeit?

Bild: © (CC BY-SA 3.0) -

So langsam geht es wieder auf die Osterzeit zu, und was gehört natürlich dazu?

Jeder kennt sie, jeder mag sie – Schokolade, die wohl beliebteste Süßigkeit der Welt. In Deutschland isst jeder Mensch in einem Jahr etwa 90 Tafeln Schokolade!1) Egal ob in Form von Hasen, Ostereiern oder Sonstigem, Schokolade gehört heute zu Ostern einfach dazu!

Doch woher kommen überhaupt die Kakaobohnen? Und unter welchen Umständen werden sie geerntet? Fragen, über die man nicht unbedingt nachdenkt, wenn man sich Schokolade kauft.

Die meisten Kakaobohnen werden in Westafrika produziert, etwa 70 % der weltweit vertriebenen Kakaobohnen kommen von dort. Hauptproduzenten  in Westafrika sind die Elfenbeinküste, mit knapp 40 %, und Ghana, mit etwa 20 %.2)

Einer im März 2011 erschienene Studie der Tulane University zufolge, die vom U.S. Department of Labour in Auftrag gegeben wurde, arbeiten ca. 1,8 Millionen Kinder auf Kakaoplantagen in Westafrika, von denen nur zwischen 5–10 % für ihre Arbeit überhaupt bezahlt werden. Hauptsächlich arbeiten die Kinder in ländlichen Betrieben oder Haushalten.3)

Hinzu kommen die Umstände unter denen die Kinder auf den Kakaofarmen arbeiten. Humphrey Hawksley, Mitarbeiter von BBC News, schilderte nach einer Reise in die Elfenbeinküste folgende Zustände: die Kinder arbeiten mit Macheten, mit Pestiziden und müssen schwere Lasten tragen. Darüber hinaus hatten die Kinder Narben von Macheten an den Beinen.4)

Doch das ist noch nicht alles. Viele der Kinder die auf diesen Plantagen arbeiten, sind dorthin geschmuggelt worden. Besonders aus den Ländern Burkina Faso, Mali und Niger werden Kinder in die Elfenbeinküste und nach Ghana geschmuggelt um dort auf den Kakaoplantagen zu arbeiten.5)

All diese Zahlen und Informationen sind öffentlich, was wird also dagegen unternommen?

Nach einem Bericht der BBC im Jahre 2000 über die Zustände der Arbeiter auf den Kakaofarmen, wurde bereits 2001 das so genannte Harkin-Engel Protocol, auch als Cacao-Protocol bekannt, unterzeichnet. Es ist ein Protokoll, das Firmen Zwangsarbeit und Kinderarbeit auf Kakaoplantagen international verbietet.6) Zur völligen Umsetzung dieses Protokolls wurde den Firmen bis zum Jahr 2005 Zeit gegeben. Daraufhin gab es jedoch immer wieder Verlängerungen dieses Zeitraumes, zunächst bis 2008, dann bis 2010.
Der Kakaoindustrie zufolge wurden bis 2010 fünf der sechs Anforderungen des Protokolls erfüllt.7)

Hat dieses Protokoll Wirkung gezeigt?

Ein Forscher der Tulane University, Chris Bayer, war über mehrere Jahre hinweg in der Elfenbeinküste und in Ghana unterwegs, um zu sehen, ob das Protokoll auch die gewünschte Wirkung erzielt hat. Gegenüber dem Nachrichtensender CNN erzählte er, dass es nur wenige Umsetzungen des Protokolls gegeben hat und die Kinder immer noch auf den Kakaoplantagen, unter den selben Umständen, arbeiten.7)

Die Lage der Kinderarbeiter auf Kakaofarmen hat sich bis heute nicht signifikant verändert.

In einem 2011 veröffentlichten Bericht der UNICEF: “The State Of The World’s Children”, wird angenommen, dass etwa 150 Millionen Kinder im Alter von 5-14 in Sub-Sahara Afrika Kinderarbeiter sind, das entspricht jedem vierten Kind.8)

Was kann man gegen Kinderarbeit auf Kakaoplantagen als Endverbraucher tun?

Wenn sie sich guten Gewissens Schokolade kaufen möchten und sicher sein wollen, dass diese nicht durch Kinderarbeit entstanden ist, dann kaufen sie nur Schokolade, die mit dem Transfair/Fairtrade-Siegel ausgezeichnet ist.

Weitere Informationen dazu finden Sie auf unserer Kakao-Seite.

 

  1. Schokolade bleibt beliebteste Süßigkeit– N24 – aufgerufen am 11.03.2013 []
  2. Regional Cocoa InitiativeOECD – abgerufen am 11.03.2013 []
  3. Oversight of Public and Private Initiatives to Eliminate the Worst Forms of Child Labor in the Cocoa Sector in Côte d’Ivoire and Ghana – Childlabour-Payson – abgerufen am 11.03.2013 []
  4. Nestle ‘to act over child labour in cocoa industry’ – BBC News – abgerufen am 11.03.2013 []
  5. Combating Slavery in Coffee and Chocolate Production-Link nicht mehr abrufbar – TowardFreedom – abgerufen am 11.03.2013 []
  6. Harkin-Engel Protocol – Cocoainitiative – abgerufen am 11.03.2013 []
  7. The Humon Cost of Chocolate – CNN – abgerufen am 11.03.2013 [] []
  8. The State Of The World’s Children-Link nicht mehr abrufbar – UNICEF – abgerufen am 11.03.2013 []

Über Lukas / earthlink

Zurzeit studiere ich im dritten Semester Politikwissenschaft mit Nebenfach Französisch an der Universität Trier. Bei earthlink e.V. absolviere ich ein Praktikum, in dem ich mich mit den Kampagnen Drogen Macht Welt Schmerz und Aktiv gegen Kinderarbeit auseinandersetze, zu diesen Themen recherchiere und Artikel dazu schreibe.
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