Indien verschärft Gesetze gegen Kinderhandel

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Der Fall ging um die Welt. Sechs Männer hatten in Indien eine Frau in einem Bus überfallen und brutalst vergewaltigt. Das Opfer erlag anschließend seinen Verletzungen. Der Vorfall löste massenhafte Proteste gegen die zunehmende Gewalt gegen Frauen und sexuellen Missbrauch aus und entfachte eine gesellschaftliche Debatte.1) Als Reaktion auf die neuesten Entwicklung verschärfte die indische Regierung das Sexualstrafrecht massiv – demnach droht Vergewaltigern nun bei besonders schwerwiegenden Fällen die Todesstrafe. Auch Stalking, Voyeurismus, sexuelle Belästigung, das gewaltsame Herunterreißen von Kleidung sowie Säureangriffe werden härter geahndet.2)

Was dabei jedoch oftmals untergegangen ist: Auch die Gesetze zu Menschenhandel wurden geändert. Somit wird Kinderhandel zum ersten Mal ausdrücklich für ungesetzlich erklärt. Dies zeigt sich besonders bei den nun härteren Strafen für solche, die am Handel von Kindern partizipieren oder Betroffene beschäftigen. Demnach würde das Anstellen eines Kindes als Dienstmädchen mit einer Gefängnisstrafe von mindestens 5 Jahren geahndet werden. Wer Kinder aus einem Dorf in eine der großen Städte schafft, damit sie dort arbeiten, muss mit mindestens 14 Jahren Haft rechnen. Ein Polizist oder ein sonstiger Staatsbediensteter, welcher am Handel von Kindern beteiligt ist, müsste sogar lebenslang hinter Gitter.3)

Die neuen Gesetze sind auch bitter nötig. Schon seit langem ist Kinderhandel eines der größten Probleme in Indien. Oftmals werden Mädchen aus ländlichen Regionen von sogenannten Vermittlungsagenturen in die Großstädte gebracht. Dort müssen sie unter oftmals grausamen Bedingungen als Kindermädchen arbeiten: Arbeitszeiten von mindestens 15 Stunden am Tag und eine Bezahlung weit unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns von 125 US-Dollar pro Monat sind an der Normalität. Auch ist es den Mädchen oftmals nicht möglich, Kontakt zu ihren Familien aufzunehmen. Häufig kommt es zu Misshandlungen und sexuellem Missbrauch. Insgesamt werden so jedes Jahr hunderttausende Mädchen verschleppt und teilweise wie Sklaven gehalten. Diese Art des organisierten Verbrechens gilt mittlerweile als die am weitesten verbreitete in Indien.4) Auch kommt es vor, dass Mädchen aus dem benachbarten Bangladesh über die Grenze ins Landesinnere geschmuggelt werden.5)

Alleine in Delhi werden pro Tag 14 Kinder verschleppt.6) Insgesamt wird alle 6 Minuten ein indisches Kind verschleppt. Offiziell werden jedes Jahr 90.000 Kinder als vermisst gemeldet, die wirkliche Zahl liegt bei einem Vielfachen dessen. Auch kommt es vor, dass Eltern ihre eigenen Kinder verkaufen, weil ihnen versprochen wird, das Kind würde entsprechende Fürsorge erhalten und Geld nach Hause schicken.7)

Fast 450.000 Fälle von Kinderhandel wurden in den letzten drei Jahren gemeldet – in nur 25.000 Fällen kam es zu einer Anklage, lediglich 3.394 Menschenhändler wurden verurteilt. Dies lag bisher an der unklaren Gesetzeslage und deren ineffektiver Umsetzung. Es ist zu hoffen, dass sich dies nun ändert.

  1. Indiens verachtete Töchter begehren auf – Zeit Online []
  2. Neues Gesetz in Indien: Vergewaltigern droht die Todesstrafe – Spiegel Online – aufgerufen am 11. Februar 2013 []
  3. India dramatically tightens laws on sexual assault, trafficking after gang rape – Washington Post – Englisch – aufgerufen am 11. Februar 2013 []
  4. India’s child maids face slavery, abuse and sometimes rape – Washington Post – Englisch – aufgerufen am 11. Februar 2013 []
  5. Bangladesch: Mädchenhandel an Grenze zu Indien – Aktiv gegen Kinderarbeit – aufgerufen am 11. Februar 2013 []
  6. Child trafficking continues to be a lucrative trade in Capital – Hindustian Times – Englisch – aufgerufen am 11. Februar 2013 []
  7. India slowly confronts epidemic of missing children – Washington Post – Englisch – aufgerufen am 11. Februar 2013 []
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