Unter dem Deckmantel der Friedensmission – UN-Mitarbeiter des Kindesmissbrauchs beschuldigt

Bild: © n.v. -

Eines der wichtigsten Ziele im Rahmen von UN-Friedensmissionen ist der Schutz von Kindern. Kinder sind oftmals die Hauptleidtragenden in Krisenregionen. Sie werden von Kriegsparteien rekrutiert, entführt, getötet, verstümmelt und auch sexuell missbraucht. ((UN: Children and armed Conflict))

Ein kürzlich ausgestrahlter Bericht des WDR wirft nun erneut Vorwürfe gegen UN-Mitarbeiter auf, die sich an Frauen und Kindern im Rahmen von UN-Einsätzen sexuell vergangen haben sollen. Im Mittelpunkt steht die Demokratische Republik Kongo, in der die UN bereits seit über 13 Jahren tätig ist und versucht, den Frieden zu wahren. Zahllose Opfer kommen zu Wort und berichten erstmalig vor der Kamera über ihre schrecklichen Erfahrungen mit Blauhelmsoldaten, deren Aufgabe es ist, genau diese Art von Übergriffen zu verhindern.1)

Diese Art von Vorwürfen sind keineswegs neu und im UN-Generalsekretariat in New York wohlbekannt. Bereits 1996 zeigte die Studie “The Impact of Armed Conflict on Children”, dass bei der Hälfte der Fälle die Ankunft von UN-Truppen im Land mit einem Anstieg der Kinderprostitution einherging.2) Seither gab es zahlreiche weitere Anschuldigungen, u.a. aus dem ehemaligen Jugoslawien, aus dem Kosovo oder beim UN-Einsatz in Haiti.3) Man geht sogar davon aus, dass UN-Mitarbeiter teilweise an organisierter Kriminalität in diesem Zusammenhang beteiligt waren, also auch an Menschenhandel und Prostitution.

Im Jahr 2004 verkündete Kofi Annan daraufhin die sogenannte “zero tolerance”-Politik, verurteilte die Taten aufs Schärfste und versicherte, dass es sich um Einzelfälle handle. Gleichzeitig gab er zu, dass bisherige Maßnahmen zur Eindämmung des Problems offenbar nicht die erwünschte Wirkung erzielt hatten.4)

Vertraut man dem Bericht des WDR, so scheint sich heute – mehr als 8 Jahre später – die Situation nicht wesentlich gebessert zu haben. Derzeit sind über 110.000 UN-Mitarbeiter in 15 Friedensmissionen in verschiedensten Regionen der Welt tätig.5)

Ohne Frage wäre es vermessen zu glauben, dass sämtliche UN-Mitarbeiter an derartigen Vergehen beteiligt sind. Dennoch gibt es diese Fälle und sie sind ein ernst zu nehmendes Problem, das dringend angegangen werden muss. Eine Situation, in der Helfer die Notsituation der leidenden Menschen, zu deren Schutz sie ursprünglich entsandt wurden,  zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen, ist untragbar.

 

 

  1. ARD Mediathek: Gefährliche Helfer – Link nicht mehr abrufbar – 22.01.14 []
  2. Wikipedia: Child sexual abuse by UN peacekeepers []
  3. Christian Science Monitor: Sex charges haunt UN forces []
  4. The Weekly Standard: The U.N. Sex Scandal []
  5. UN: Current Peacekeeping Operations []

Über christian / earthlink

Projektmitarbeiter, zuständig für die Entwicklung und Durchführung von Projekten bzw. Kampagnen, Fundraising, Einarbeitung und Betreuung von Praktikanten und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Aktuelle Projekte: Aktiv gegen Kinderarbeit, Drogen Macht Welt Schmerz, Fluchtgrund
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