UN-Konvention zur Reduktion von Quecksilber-Emissionen beschlossen

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13 Millionen Menschen arbeiten weltweit in Goldminen des Kleinbergbaus – darunter leider auch viele Kinder. Nach ILO-Angaben liegt diese Zahl bei etwa einer Million. Als wäre das an sich nicht schlimm genug, sind sie dabei auch noch gravierenden gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt. Um das Gold aus den Roherzen zu gewinnen, wird nämlich Quecksilber verwendet. So sagt ein nur elfjähriges Mädchen aus Mali: „Sobald das Erz gewaschen ist, tust du ein bisschen Quecksilber dazu. Du reibst das Erz und das Quecksilber mit beiden Händen. Dann, wenn das Quecksilber das Gold angezogen hat, tust du es in einen Metallkasten und verbrennst es. Wenn ich fertig bin, verkaufe ich das Gold an einen Händler. Ich mache das jeden Tag… Ich weiß, dass Quecksilber gefährlich ist, aber ich weiß nicht auf welche Weise. Ich schütze mich nicht.“ Das flüssige Metall wird also nicht nur in die Hände eingerieben, sondern beim Verbrennen auch eingeatmet.1)

Oftmals fehlt es in den teils bettelarmen Ländern an Mitteln, um Quecksilbervergiftungen zu behandeln. Ein Militärarzt aus Tansania meinte gar, dass es möglich sei, dass sie erst gar nicht dianostiziert werde, weil das medizinische Personal nicht ausreichend geschult sei. Dabei wäre das bitter nötig. Quecksilbervergiftungen greifen das Herz-Kreislauf-System, die Nieren, den Verdauungstrakt, das Immunsystem und die Lungen an. Symptome reichen von Kopfschmerzen, Zuckungen und Sehstörungen bis hin zu Nierenversagen und Atemstillstand – bei ständigem Kontakt sind tödliche Folgen also nicht ausgeschlossen.2)

Nun haben sich bei Verhandlungen in Genf alle 146 teilnehmenden Staaten im Rahmen des UN-Umweltprogramms (UNEP) auf die sogenannte Minamata-Konvention geeinigt, die im Oktober in der namensgebenden Stadt unterzeichnet werden soll. Von den 1930ern bis zu den 1960ern-Jahren hatte ein dort ansässiges Chemiewerk Abfallstoffe mit hohem Quecksilbergehalt ins Metall gepumpt. Das Quecksilber reicherte sich in den dortigen Fischen an, schließlich diagnostizierten Ärzte bei tausenden Menschen schwerwiegende Quecksilbervergiftungen.3)

Die Konvention sieht vor, dass die Menge an verwendetem Quecksilber in Industrieanlagen mittelfristig deutlich reduziert werden soll. Auch sollen weltweit Produkte, welche das Schwermetall enthalten, verboten werden. Zudem wird nun die Lagerung von Quecksilberabfällen reguliert. Bis 2020 soll Quecksilber außerdem bei der Produktion von z.B. Batterien, Energiesparlampen und Thermometern untersagt werden. Andere Produkte wie z.B. Amalgam-Zahnfüllungen sind hiervon zunächst ausgeschlossen.4)

Die EU-Kommission begrüßte die Änderung. „Ich möchte allen Verhandlungspartnern danken, die diesen Erfolg ermöglicht haben. Die EU hat sieben Jahre gekämpft für ein weltweites Quecksilber-Abkommen – nun sind wir da“, äußerte Umwelt-Kommissar Janez Potocnik.5) Über den Vertrag war nach Initiative von Norwegen und der Schweiz vier Jahre lang verhandelt werden.

Trotz allem ist die Konvention jedoch nur ein kleiner Schritt. Die Hauptemissionsquellen – Kohlekraftwerke und Goldminen – wurden, vor allem auf Drängen von Indien und China – nur abgeschwächt miteinbezogen. Neue Kohlekraftwerke müssen so lediglich die bestmögliche Technik zur Vermeidung von Quecksilberemissionen sicherstellen. Länder, in denen Quecksilber beim Goldabbau verwendet wird, müssen innerhalb von von drei Jahren Pläne vorlegen, wie sie das Problem angehen wollen. Ebenso ist die Finanzierung noch ungeklärt, lediglich Japan, Norwegen und die Schweiz sicherten monetäre Unterstützung zu.4)

So verwundert es nicht, dass Nicht-Regierungs-Organisationen durchaus Kritik üben. Dass es überhaupt zu einem verbindlichen Vertrag komme, sei zwar zu begrüßen, meinte Michael Bender von der Dachorganisation Zero Mercury Working Group, doch sei „die Wirksamkeit eingeschränkt, weil die Kontrolle der Quecksilberemissionen aus Hauptquellen wie Kohlekraftwerken zu schwach sind“.4) Ebenso hilft die jetzige Konvention den arbeitenden Kindern in Goldminen nur wenig.

 

  1. Abkommen zur Quecksilberreduktion im Kleinbergbau – Aktiv gegen Kinderarbeit []
  2. Quecksilbervertrag: Letzte Gelegenheit für Gesundheitsschutz – Human Right Watch nicht verfügbar []
  3. Ein Gift soll weichen – Süddeutsche.de []
  4. Weniger Quecksilber weltweit – TAZ [] [] []
  5. EU begrüßt internationalen Anti-Quecksilber-Pakt – Europe Online Magazine []
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