Kinderarbeit beim Tabakanbau – Tabakfarmen in Malawi und Kasachstan

Bild: © Eyecoin - Wikimedia Commons

Zwei völlig unterschiedliche Länder mit demselben sozialen Missstand: In Malawi und Kasachstan ist Kinderarbeit bei Anbau und Ernte von Tabak wie in vielen Ländern ein allgegenwärtiges Problem. Tabakbauern werden oft schlecht bezahlt, weshalb das Familieneinkommen nicht ausreicht. Unterstützung bekommen die Familien von ihren Kindern, die bereits im jungen Alter mitarbeiten müssen. Je mehr Helfer, desto größer die geerntete Tabakmenge und natürlich auch das Einkommen.

Malawi ist ein kleines Land im Südosten Afrikas und gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Exporteinnahmen Malawis gehen beinahe ausschließlich auf landwirtschaftliche Produkte zurück. Hauptanbauprodukt ist Tabak. Kasachstan dagegen liegt in Zentralasien und gehört zu den zehn größten Ländern der Erde. Kasachstan gehört zu den reicheren Ländern der Region und verfügt über große Vorkommen an Erdöl und Erdgas. Große Teile des Landes können zudem landwirtschaftlich genutzt werden. Eines unter vielen anderen Anbauprodukten ist Tabak.

Während der Erntezeit müssen in Malawi alle Familienmitglieder helfen. Auch Kinder im Grundschulalter arbeiten dann auf den Tabakplantagen. In Malawi lebt fast die Hälfte aller Einwohner von weniger als 1,25 Dollar pro Tag. Der Tabakexport macht 70% des gesamten Exporteinkommens aus. Alternative Einnahmequellen gibt es kaum. Ein Schulbesuch ist für die Kinder während der Erntezeit nicht möglich, da ihre Arbeitskraft zum Überleben benötigt wird. Der Schulbesuch würde den Familien Geld kosten. „Manchmal muss ich meine Kinder dann zwingen, mir zu helfen, damit ich mehr Tabak produzieren kann. Oft wollen sie eigentlich nicht und haben keine Lust. Aber ich kann es mir noch nicht einmal leisten, ihnen Kleidung zu kaufen“, beklagt eine Mutter, die das Problem kennt, da sie als Kind in derselben Situation war. Wenn die Kinder Glück haben, können sie wenigstens außerhalb der Erntezeit eine Schule besuchen. Das Verpasste aufzuholen ist allerdings schwierig. Viele brechen deshalb die Schule vorzeitig ab. Künftig werden sie ihren Lebensunterhalt wahrscheinlich auch mit Tabak verdienen.1)

In Kasachstan arbeiten hauptsächlich Wanderarbeiter während der Erntezeit in Juli und August in den Tabakfeldern. Kasachstan ist in Vergleich zu Malawi ein reiches Land mit großen Rohstoffvorkommen. Der Reichtum ist allerdings ungleich verteilt. Viele Wanderarbeiter kommen zudem aus den ärmeren Nachbarländern, die meisten aus Kirgisistan. Da die Wanderarbeiter am Ende der Saison nach Erntemenge bezahlt werden, haben auch in Kasachstan viele ihre Kinder zur Unterstützung dabei, um einen möglichst hohen Ertrag zu erreichen. Dies ist auch nötig, da die Wanderarbeiter häufig hohe Vorauszahlungen für Reise, Unterkunft, Essen und Medizin leisten müssen. Am Ende bleibt daher nicht viel übrig. In einigen Fällen können nicht einmal die Schulden ausgeglichen werden, so dass die Wanderarbeiter weiter in der Schuld der Farmbesitzer stehen.2)

Die Arbeit in den Tabakfeldern ist mit großen gesundheitlichen Beeinträchtigungen verbunden und besonders für Kinder gefährlich. Dazu führt nicht nur der Einsatz von hochgiftigen Pestiziden. Vor allem die Tabakpflanze selbst stellt eine Bedrohung dar. Sie ist giftig und Nikotin dringt auch über die Haut in den Körper ein. Beim Pflücken von Tabakblättern erkranken zahlreiche Arbeiter an einer Nikotinvergiftung. Viele leiden an den Langzeitschäden, wenn sie jedes Jahr von jungem Alter an mit den Tabakpflanzen in Berührung kommen.3)4)

Alternativen zum Tabakanbau wären daher wünschenswert. Besonders für Malawi ist ein vielfältiger Anbau das Ziel, um der Abhängigkeit vom Tabakexport zu entkommen. Mit dem Tabakanbau lässt sich allerdings trotz eines Überangebots verhältnismäßig viel verdienen, wobei das für Zwischenhändler und Farmbesitzer aber nicht für die Arbeiter gilt. Die Bereitschaft etwas anderes anzubauen ist daher in den betroffenen Ländern gering. Im Gegenteil werden weitere landwirtschaftliche Flächen für Tabakanbau genutzt. Der Vorschlag der Weltgesundheitsorganisation den Anbau zu kontrollieren und zu reglementieren, wird kritisiert. Keiner möchte auf die Einnahmen verzichten. Die Rechtfertigung der Farmbesitzer lautet dann häufig, dass es ohne Tabakanbau der Bevölkerung noch schlechter geht.5)

Voraussetzung für einen diversifizierten Anbau sind Produkte, die den Arbeitern höhere Löhne versprechen. Vielleicht würde es bei fairer Bezahlung sogar ausreichen, dass die Kinder der Arbeiter nicht helfen müssen, sondern eine Schule besuchen können.

  1. Tabakanbau ohne Kinderarbeit nicht denkbar – NDR []
  2. The Child Tobacco Farmers of Kazakhstan – TIME []
  3. Kinderarbeit: „Hilfe zur Selbsthilfe“ – Daily News []
  4. Cash Crop ohne Alternative? – Unfairtobacco – nicht mehr aufrufbar 01.12.14 []
  5. Tobacco Farmers Against Curbs – CNC World []
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