Turkmenistan: Immer wieder werden Schüler bei der Baumwollernte eingesetzt

Bild: © n.v. -

In Usbekistan werden Kinder bei der Baumwollernte eingesetzt – darüber wird bereits viel berichtet. Weniger bekannt ist die Situation im Nachbarland Turkmenistan, die in dem Report von Human Rights Watch als „schauerlich“ bezeichnet wurde1).

Turkmenistan zählt zu den zehn größten Produzenten von Baumwollfasern der Welt. Mehr als zwei Drittel der hergestellten Textilerzeugnisse sind für das Ausland bestimmt. Der größte Teil der Exporte der turkmenischen Baumwolle geht nach Russland, Kanada, Westeuropa sowie in die USA und die Volksrepublik China. Zu den Abnehmern zählen Unternehmen wie IKEA, Sears, Wal-Mart, Levi´s, Zara, Miss Erika oder Foot Locker2).

Bereits im Jahr 2008 wurde Kinderarbeit bei der Baumwollernte eindeutig verboten: “Dieser Gewohnheit muss ein Ende gesetzt werden. Es ist unsere Aufgabe, keinen einzigen Fall von Kinderarbeit zuzulassen”, sagte damals der Präsident  Berdymuhammedow3).

Trotz dieser Aussagen werden Schüler immer wieder bei der Baumwollernte eingesetzt. Der einzige Unterschied zu früheren Zeiten besteht darin, dass die Schüler vorher zwei bis drei Monate komplett vom Unterricht befreit wurden, um zusammen mit Erwachsenen ganztags in den Baumwollfeldern arbeiten zu können, während sie heute vormittags in die Schule gehen und ihr Arbeitstag erst nach dem Ende des Unterrichts beginnt. In vielen Schulen wurden die Unterrichtszeiten stark verkürzt, damit Schüler und Lehrer mehr Zeit für die Arbeit in den Baumwollfeldern haben. „Wir haben nur 20 Minuten für den Unterricht, der normalerweise 45 Minuten dauert. Dann pflücken wir alle zusammen Baumwolle.“ – erzählt eine Lehrerin  aus Leblapski Welayaty, der Provinz im Osten des Landes. Eine andere Lehrerin aus Kunjaurgentsch fügt hinzu: „Uns hat man gesagt, dass dies nur bis Mitte Oktober dauern wird. Aber es ist klar, dass die Kinder nicht vor Ende der Ernte Mitte bis Ende November zur Schule zurückkehren werden. Die Eltern protestieren leise, indem sie ihre Kinder nicht gehen lassen. Aber Ärger bekommen wir, die Lehrer. Der Direktor fordert jeden Tag die Anwesenheit“4).

Um länger arbeiten zu können und keine Müdigkeit zu fühlen, nehmen turkmenische Kinder starke Schmerzmittel. Die Ärzte und Eltern sind besorgt, da diese Medikamente die Kinder sehr schnell abhängig machen. Obwohl diese Schmerzmittel rezeptpflichtig sein sollten, sind sie in den turkmenischen Apotheken frei zugänglich. „Wir kennen das Problem, aber wir können nichts dagegen unternehmen“, erklärt eine Ärztin: „die Menge der gepflückten Baumwolle ist viel wichtiger für die Regierung als die Gesundheit der Kinder…“5)

Dieses Jahr wurden ca. 1 Million Tonnen des „weißen Goldes“ – so nennt man in Turkmenistan die Baumwolle – gesammelt6). Präsident  Berdymuhammedow ist mit der Ernte zufrieden. Die Handarbeit bei der Ernte garantierte höchste Qualität der Bauwolle. Der Einsatz der Kinder als kostenlose Arbeitskräfte ermöglicht es Turkmenistan, maximale Gewinne beim Baumwollverkauf zu erzielen. Es scheint, dass niemand sich für den Preis dieses Erfolges interessiert…

  1. Human Rights Watch Разгромное заключение Комитета ООН по правам человека Link nicht verfügbar 1.7.15 []
  2. Germany trade and invest Turkmenistan baut seine Textilindustrie weiter aus []
  3. DW Turkmenistan Präsident verbietet Kinderarbeit []
  4. News Asia В Туркменистане продолжается битва за хлопок []
  5. ИА Рекс Туркменские школьники собирают хлопок под действием наркотиков []
  6. News Asia В Туркменистане продолжается битва за хлопок []

Über Andreas / EarthLink

Praktikant bei EarthLink, studiert Geschichte mit Schwerpunkt Lateinamerika an der Universität Münster.
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