Peru: 200.000 Kinder arbeiten in Provinz Puno

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Peru wird jährlich von über einer Million Touristen besucht1) . Das Land hat viel zu bieten: Historische Sehenswürdigkeiten wie Machu Picchu und Cusco, Berge und eine ausgeprägte Küste, das tropische Amazonasbecken und den riesigen Titicaca-See. Einer der beliebtesten Ausgangspunkte zu den Inseln im Titicaca-See ist Puno, die Hauptstadt der gleichnamigen Region im Süden Perus. Die Touristen schreiben begeisterte Berichte über ihre Reise in der Region. Was in diesen Berichte häufig völlig übersehen ist, ist die schreckliche Armut, die dort herrscht. 78 % der Bevölkerung in Puno leben in Armut, in 46 % der Fälle ist diese gar extrem2).

Das geringe Haushaltseinkommen und die damit verbundene Not beeinflusst auch das Leben der Kinder in der Region. Alleine im laufenden Jahr sind 48 Kinder an Kälte gestorben, weil sie weder Heizung noch warme Kleidung hatten3). Die schwierige finanzielle Lage führt auch dazu, dass immer mehr Kinder ganztags arbeiten müssen. Nach Angaben des Komitees der Regionalverwaltung zur Bekämpfung von Jugendarbeit sind rund 200.000 Kinder in der Region von Kinderarbeit betroffen4). Die meisten Kinder arbeiten in der Landwirtschaft sowie im Transport- und  Bauarbeitssektor. Auch in Goldminen ist die Kinderarbeit sehr verbreitet: Schon im Alter von drei Jahren beginnen viele Kinder ihren Eltern beim Waschen von Gold zu helfen. Ab dem sechsten Lebensjahr werden sie beim Zerschlagen des Gesteins eingesetzt und ab dem neunten Lebensjahr arbeiten sie zusammen mit den Erwachsenen: Sie sind dann mit der Herstellung des Sprengstoffs und mit dem Abtransport der Mineralien aus den Minen an die Erdoberfläche beschäftigt. Diese Kinder leiden nicht nur an Lungenkrankheiten und Rückenschmerzen, sondern auch an Folgeerscheinungen der Nutzung von giftigem Quecksilber5).

Eine weitere Wirtschaftsbranche, in der viele Kinder arbeiten, ist der Service- und Gastronomiesektor: Tausende Kinder arbeiten in Restaurants und Geschäften in Puno.

Die schwere Arbeit lässt keine Zeit für den Schulbesuch. Doch auch wenn die Kinder die Zeit für die Schule hätten, so bestünde für sie kaum eine Möglichkeit, eine gute Bildung zu bekommen: Die schulische Infrastruktur in der Region ist entweder sehr schlecht oder gar nicht vorhanden.

Obwohl sich die allgemeine soziale und menschenrechtliche Situation in Peru in den letzten Jahren verbessert hat, kämpft der Staat noch immer mit der Armut und den damit verbundenen sozialen Problemen. Um diese Situation zu ändern, hat die Regierung soziale Reformen im Bereich Bildung, Gesundheit und Beschäftigung angekündigt.

  1. Auswärtiges Amt Peru Reise – und Sicherheitshinweise []
  2. Siehl Stefan Probleme des nachhaltigen Tourismus am Titicaca-See in Peru []
  3. Latina Press Peru: Kälte tötet48 Kinder in Puno []
  4. Agenzia Fides trabajos forzosos para 200 mil ninos en la region de Puna []
  5. BICC auf der Suche nach sauberen  Gold ) []

Über Andreas / EarthLink

Praktikant bei EarthLink, studiert Geschichte mit Schwerpunkt Lateinamerika an der Universität Münster.
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