Eine Schule für ehemalige Kinderarbeiter im Süden Indiens

Bild: © n.v. -

Das Nationale Kinderarbeitsprojekt Indiens (NCLP) und das Forum für Kinderrechte haben eine spezielle Schule für ehemalige Kinderarbeiter in Vijayawada in Andhra Pradesh, Indien eröffnet1)

Die Schule ermöglicht minderjährigen Arbeitern und Schulabbrechern, den Schulbesuch wieder aufzunehmen und sich in den Schulalltag zu reintegrieren. Diese Schuleinrichtung ist besonders bedeutend für Kinder, die finanzielle Probleme in der Familie haben – oft der Ausgangspunkt für Kinderarbeit –, da sie hier warme Mahlzeiten, Bücher und Uniformen erhalten.

Da Minderjährige in Indien ein Recht auf Bildung haben – die indische Verfassung schreibt einen verpflichtenden und kostenfreien Schulbesuch bis zum Alter von 14 Jahren vor2) –, sollte jedes Kind, unabhängig der familiären finanziellen Lage die Grundschule besuchen können.

Leider sieht die Realität und das Leben vieler Minderjähriger in Indien sehr viel düsterer aus. Andhra Pradesh weist die zweithöchste Rate an Kinderarbeit im nationalen Vergleich auf: es gibt UNICEF zufolge 1,36 Millionen Kinderarbeiter in dem südlichen Bundesstaat3).

Das Bundesland ist einer der größten Produzenten von Hybrid-Baumwollsaatgut in ganz Indien. Die Herstellung von hybridem Saatgut ist sehr arbeits- und kostenintensiv, die Pflanzen müssen aufwendig per Hand gekreuzt werden. Für diese Arbeit wird eine große Anzahl von Kindern eingesetzt, die meisten davon sind Mädchen. Viele der Kinder werden aus ihren Familien gerissen und während der Arbeitssaison in Hütten der Baumwoll-Farmen untergebracht4).

Die Arbeit auf den Farmen wirkt sich stark nachteilig auf den Schulbesuch und die Gesundheit der Kinder aus. Rund 60% der eingesetzten Kinder haben nur wenige Jahre eine Schule besucht und diese für die Arbeit in den Feldern verlassen, knapp 30% haben sogar nie eine Schule besucht5) .

Die Einrichtung spezieller Schulen für minderjährige Arbeiter ist ein Teil der Strategie gegen Kinderarbeit in Andhra Pradesh. Poojari Satyanarayana Swamy, Sarpanch (Vorsitzender) des Kurnool Distrikts, hat vor einigen Jahren ein Pilotprojekt in ländlichen Gebieten in Andhra Pradesh gestartet3). Er kann einen starken Rückgang der Kinderarbeitsrate in diesen Dörfern vorweisen. Die integrierte Strategie sieht eine Zusammenarbeit zwischen Regierungsakteuren, der Gemeinschaft, den Schulen und den Kindern vor. Ein großer Teil des Projekts beinhaltet Aufklärungsarbeit, besonders in den betroffenen und gefährdeten Familien, und die Rehabilitierung von ehemaligen Kinderarbeitern durch so genannte Übergangsschulen. Dazu werden Lehrer besonders ausgebildet, für das Thema sensibilisiert und Monitoringsysteme eingerichtet, die die Qualität der Betreuung garantieren sollen.

Die neue Schule in Vijayawada ist eine von vielen wichtigen Initiativen, um die Ausbeutung von Minderjährigen auf den Baumwoll-Plantagen zu beenden und die Reintegration der Kinder in der Schule zu sichern.  „Kinder spielen eine zentrale Rolle in der Entwicklung der indischen Gesellschaft, so Poojari Satyanarayana Swamy, „deswegen ist ihre Schulausbildung von grundlegender Bedeutung“3).

 

  1. The Hindu – School for Child Labourers opened in Vijayawada []
  2. Constitutional Provisions Regarding Education in India []
  3. UNICEF – International Day Against Child Labour 2009 [] [] []
  4. Kinder im indischen Baumwoll-Anbau- nicht mehr verfügbar []
  5. Kinder im indischen Baumwoll-Anbau – nicht mehr verfügbar []
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