Diwali: das Fest des Lichtes – und des Schattens

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Diwali, das Lichterfest, ist eines der größten Festivals in der hinduistischen Welt. Das Wort Diwali bedeutet „Reihe von Lichtern“.

Wie der Name verrät, sind die Lichter wesentliches Element dieses bunten Festivals. So erstrahlen während der fünftägigen Diwalizeit die Straßen und öffentlichen Gebäude in einem Meer aus Lichtern. Die Menschen schmücken ihre Häuser mit Kerzen und Lampen.

Es ist die Zeit der Göttin Lakshmi, der Göttin des Wohlstandes, die während diesem Festival besonders verehrt wird. Außerdem soll Diwali an die Erneuerung des Lebens, den Sieg der Erkenntnis über die Unwissenheit und des Guten über das Böse erinnern1). Das Fest ist aufgrund seiner traditionellen und religiösen Bedeutung mit Weihnachten vergleichbar. In Nordindien wird Diwali sogar als Neujahrsbeginn gefeiert.

Doch diese festliche Stimmung wird von einer Schattenseite begleitet: Während die Menschen auf den Straßen und mit ihren Familien und Freunden feiern, Lichter anzünden und Feuerwerke bewundern, sind viele Minderjährige, die in Fabriken zur Herstellung von Feuerwerkskörper eingesetzt werden, großen Gefahren ausgesetzt. Sie arbeiten überfüllten, dunklen Baracken in zusammengekauerten Haltungen und sind gefährlichen Chemikalien wie Chloraten, Phosphor und Schwefel ausgesetzt.2)

Die Minderjährigen färben Papier, füllen Feuerwerkskörper mit Schwarzpulver, befestigen die Zündschnüre und verpacken das fertige Produkt. Meistens 7 bis 12 Stunden am Tag2). Die Herstellung von Feuerwerkskörpern erfolgt unter lebensgefährlichen Bedingungen, weil Sicherheitsbestimmungen nicht existieren oder missachtet werden. Obwohl ein immerwährendes Feuer- und Explosionsrisiko besteht, arbeiten die Kinder ohne Schutzkleidung.

Außerdem stellt diese Arbeit ein ständiges Gesundheitsrisiko für die Kinder dar. Ärzte berichten von chronischer Bronchitis, Lungenentzündung, Tuberkulose, Unterernährung, Magen-Darm-Störungen, Hautausschlägen, Übermüdung, Verbrennungen, Augenentzündungen und durch Wasser übertragene Krankheiten bei den untersuchten Kindern2).

Wenn die Nachfrage nach Knallkörpern, Raketen und Feuerwerkskörpern während des Diwalifestivals steigt, beginnt die schlimmste Zeit für die zahlreichen Kinderarbeiter in den Feuerwerksfabriken in Sivakasi, Tamil Nadu, wo 90% der Feuerwerkskörper und 75% der Streichhölzer ganz Indiens hergestellt werden2). In Sivakasi gab es erst vor zwei Monaten eine gewaltige Explosion in einer der größten Fabriken und ein mächtiges Feuer brach aus, mehr als 40 Menschen starben dabei3). Die Zahl der Arbeiter in der Feuerwerksindustrie in Indien wird auf 30.000 geschätzt. Es wird davon ausgegangen, dass 20% davon Kinder sind – die Hälfte von ihnen unter 14 Jahren4).

Langsam nimmt zwar das Bewusstsein der indischen Bevölkerung über die ausbeuterischen Arbeitsmethoden in den Feuerwerksfabriken zu und viele große Hersteller kennzeichnen ihre Produkte mit einem Aufkleber, der darauf hinweist, dass Kinderarbeit bei der Produktion nicht eingesetzt wurde5). Trotzdem verzichten noch immer viele kleine Unternehmen auf solche Siegel und die Menschen bevorzugen oft diese billigeren Produkte, auch wenn sie von Kinderhänden hergestellt wurden.

Deshalb hat sich trotz des zunehmenden Bewusstseins der Menschen und der Fabriken bisher nicht allzu viel geändert. Und so sind es immer noch viele kleine Hände, die in den dunklen Fabriken von Sivakasi unter gefährlichen Bedingungen die Feuerwerkskörper herstellen und das Diwalifest zum Leuchten bringen. Es kann nur zu hoffen bleiben, dass, der eigentlichen Bedeutung der Diwalizeit entsprechend, irgendwann die Erkenntnis über die Unwissenheit siegt.

  1. Süddeutsche Zeitung – Warten auf die Glücksgöttin []
  2. Asia Child Rights – India´s Killing Firework Factories [] [] [] []
  3. The Guardian – Fireworks factory blaze in India kills at least 40 people []
  4. Erzdiözese Wien – In Sylvester-Knallern steckt Kinderarbeit []
  5. Daily News and Analysis – Buyers go for crackers free of child labour []
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1 Antwort zu Diwali: das Fest des Lichtes – und des Schattens

  1. mangala below sagt:

    Danke für den informativen, interessanten blog. werden die feuerwerkskörper auch nach europa exportiert?
    liebe grüße,
    mangala

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