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Die Kinder ohne Namen – Ehemalige Kindersoldaten in Kolumbien hoffen auf den Frieden

 |  Bild: © n.v.

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Der 14-Jährige Jose hat zwar einen neuen Namen, aber viele seiner neuen Freunde im Jugenddorf „Benposta Nación de Muchachos“  haben nur noch Nummern. Sie müssen ihre Anonymität bewahren, denn sonst droht ihnen der Tod.  Die Kinder in dem Heim südlich von Bogotá sind ehemalige Kindersoldaten der größten Rebellengruppe Kolumbiens, der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia).

Jose war noch sehr jung als er aus seinem Heimatdorf verschleppt und von der FARC zwangsrekrutiert wurde. Die Kinder werden direkt in den Krieg geschickt. „Es gab fast jeden Tag Kämpfe. Wir mussten sehr oft marschieren, uns verstecken oder flüchten. Und wenn es zu direkten Aufeinandertreffen kam, dann mussten wir eben kämpfen.“ erinnert sich der Jugendliche1) .  Jose war 12 als er zum ersten Mal auf einen Menschen schoss.

Freunde aus seiner indigenen Gemeinde verhalfen ihm zur Flucht und er fand in dem Kinderdorf Zuflucht. Hier findet er Schutz vor den Rebellen. Zurück nach Hause kann er nicht, dort würde der Tod auf ihn warten. Wenn ein Minderjähriger fliehen und zu seinen Eltern zurückkehren will, wird er von der FARC verfolgt und, wenn möglich, getötet2).

Die FARC finanziert sich durch Drogen-, Menschenhandel und Erpressungen. Viele ihrer Kämpfer sind Kinder, nach Schätzungen der kolumbianischen Regierung sind 25 bis 35 Prozent der Guerillakämpfer jünger als 18 Jahre. Es ist billiger, Kinder zu rekrutieren als erwachsene Soldaten einzusetzen. Außerdem sind Kinder leichter zu manipulieren und im Kampfeinsatz oft geschickter und effektiver2).

Viele der Kindersoldaten kommen aus marginalisierten Familien, die keinen Schulabschluss haben, so wie Jose. Sie werden angelockt durch die Hoffnung auf Schutz und Auskommen, tägliche Nahrung und die Chance auf eine bessere Zukunft. Doch statt eines besseren Lebens, müssen die Minderjährigen aktiv am Kampf teilhaben. Nicht selten sind sie Zuschauer und Beteiligte von Massenhinrichtungen und Massakern.

Jetzt hoffen Jose und seine namenlose Freunde, dass ein Frieden in Kolumbien endlich möglich ist. Vor zwei Wochen wurden in Oslo Friedensgespräche zwischen der Regierung und der Rebellengruppe aufgenommenen, die in Kuba am 15. November fortgesetzt werden sollen. Die ersten Ergebnisse der Verhandlungen verlaufen nach Einschätzungen des Präsidenten Santos in eine positive Richtung. Zumindest sind beide Parteien stark bemüht, den jahrelangen Konflikt zu beenden und zu einer friedlichen Lösung zu gelangen3). Die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Paramilitärs, der Regierung und den sozialistischen Guerillakämpfern schwelen seit fast einem halben Jahrhundert in Kolumbien. Als Folge des kubanischen Umsturzes haben die FARC ihren militärischen Aufstand 1964 begonnen.

Eine friedliche Einigung der beiden Gruppen beinhaltet für Jose und seine Freunde die reale Chance auf ein besseres Leben ohne Angst, Krieg und Verfolgung. Dass es ein langes und kompliziertes Ringen um Zugeständnisse und Machtanteile wird, ist allen Beteiligten klar. Aber eine Alternative gibt es nicht4).

Das weiß auch Jose. Die ehemaligen Kindersoldaten hoffen, dass ihr Land mit diesen Friedensverhandlungen auch endlich den Ausstieg aus dem Krieg findet, so wie sie. „Es ist niemals einfach, einen Ausweg aus dem Krieg zu finden, denn beide sind bewaffnet, beide töten und man weiß nie, wer gewinnen und wer verlieren wird. Es ist gut, dass sie jetzt endlich verhandeln.“5).

  1. Blickpunkt Lateinamerika – Kinder mit Nummern []
  2. Der Strassenkinderreport – Kinder in Kolumbien [] []
  3. Drogen Macht Welt Schmerz – Erste Ergebnisse der Friedensverhandlungen zwischen der FARC und der Regierung []
  4. Spiegel Online – Kolumbiens letzte Hoffnung []
  5. Morgenweb – Mit der Waffe im Anschlag []

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