Katholisches Hilfsnetzwerk Misereor fordert von Lebensmittel-Produzenten und Supermarkt-Ketten, die Produktionsbedingungen transparent zu machen

 |  Bild: © n.v.

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„Die Menschenrechtsverletzungen im Lebensmittelhandel sind immer noch die Regel“, – sagt der Geschäftsführer von Misereor, Thomas Antkowiak1). Ein Beispiel dafür sind die Arbeitsbedingungen in lateinamerikanischen Bananenplantagen. Die neue Studie von Misereor und dem Südwind-Institut zeigt, wie die internationale Konkurrenz der multinationalen Konzerne und Supermärkte zur Verschlechterung der arbeitsrechtlichen Lage, zur Steigerung der Produktion in den exportierenden Ländern und zum Überangebot auf dem Weltmarkt führt.

Nach Äpfeln sind Bananen die meistverkaufte Obstsorte in Deutschland. Die meisten Bananen kommen aus lateinamerikanischen Ländern wie Ecuador, Costa Rica, Panama und Kolumbien. Alleine letztes Jahr wurden 976.713 Tonnen aus Südamerika und 355.104 Tonnen aus Zentralamerika nach Deutschland importiert2). Die wichtigsten Absatzmärkte für Bananen in Deutschland sind Discounter und Supermärkte.

Wenige große Unternehmen wie Lidl, REWE, Edeka, Aldi teilen sich mehr als 74 % des Lebensmittelumsatzes untereinander3). Um diesen Marktanteil auszubauen und zu sichern, reduzieren die Supermärkte die Zahl der Lieferanten auf nur wenige, die bereit sind, die maximale Produktmenge zu minimalen Preisen zu liefern. Auf diese Weise werden die Lieferanten von immer weniger Supermarkt-Ketten abhängig, was zur Verschärfung des Kampfs zwischen den Bananenkonzernen um Marktanteile führt. Die Bananenkonzerne ihrerseits versuchen, den Preisdruck auf die Produzenten weiterzuleiten. Auf diese Weise sind die Arbeiter zu einer einseitigen Abhängigkeit gezwungen und müssen extrem harte Arbeit für Hungerlöhne erledigen. Fehlender Gesundheitsschutz, Gewerkschaftsverbote und niedrige Löhne sind die traurige Realität auf vielen Bananenplantagen. Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder arbeiten unter diesen Bedingungen: Sie werden bei der Bananenernte und Schädlingsbekämpfung eingesetzt, müssen die Raupen von den Bananenblättern pflücken und die Bananenstauden mit Messern abtrennen. Einige Kinder arbeiten nur halbtags, während andere sogar ganztags beschäftigt sind. Es gibt hier Kinder, zwischen acht und elf Jahre alt, die sie arbeiten lassen, aber wenn Besucher kommen, schicken sie sie weg. Die Kinder selbst fragen nach Arbeit, weil sie Geld für die Schule brauchen, oder weil ihre Eltern das Geld brauchen. Zum Beispiel haben in Pueblo Viejo diese Woche neun Kinder nach Arbeit gefragt. Sie zahlen ihnen nur 8,50 US-Dollar für einen ganzen Tag Arbeit auf dem Feld.“, erzählt ein Arbeiter aus Ecuador4) .

Das Katholische Hilfsnetzwerk Misereor fordert die Bundesregierung auf, die Durchsetzungsbefugnisse des Bundeskartellamts gegen unfaire Einkaufspraktiken der Supermärkte zu stärken und Transparenz einzufordern. „Es muss darum gehen, Armutsstrukturen aufzuheben und Bauern und Plantagenarbeiterinnen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen“, erklärte Herr Antkowiak1).

 

  1. EPO: Supermärkte sollen Produktion transparent machen [] []
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