Foxconn räumt Beschäftigung von minderjährigen Arbeitern ein

Bild: © n.v. -

Die taiwanesische Foxconn Technology Group hat Medienberichten zufolge eingeräumt, minderjährige Mitarbeiter in einer chinesischen Fabrik in Yantai beschäftigt zu haben. Das geht aus einer firmeninternen Untersuchung hervor. Demzufolge hatte eine „kleine Zahl“ von 14- bis 16-Jährigen drei Wochen lang als Praktikant gearbeitet.1) Eine genaue Angabe der Anzahl an Betroffenen steht noch aus.

Offenbar waren die Minderjährigen von ihren Schulen zu der Fabrik gesandt worden. Bereits vor einiger Zeit war vermutet worden, dass die chinesische Regierung Bildungseinrichtungen dazu zwingt, bei Bedarf Schüler und Studenten als Praktikanten abzustellen, obwohl sich diese oft mit Fächern befassen, die mit den dort verrichteten Tätigkeiten nichts zu tun haben.2)

Foxconn gilt als weltgrößter Elektronikproduzent und beliefert zahlreiche namhafte Firmen wie Microsoft, Dell und Intel. Schon in der Vergangenheit war das Unternehmen, das vor allem durch seinen Status als bedeutender Apple-Zulieferer bekannt geworden ist, mehrfach durch erschreckend schlechte Arbeitsbedingungen aufgefallen.

So wird beispielsweise von Arbeitszeiten von bis zu 72 Stunden die Woche berichtet. Darin sind zwei tägliche, verpflichtende Überstunden enthalten, insgesamt beläuft sich die Anzahl an Überstunden auf meist circa 80 Stunden pro Monat, was den vorgeschriebenen Maximalwert von 36 Stunden weit überschreitet.3) In einem Monat verdient ein normaler Arbeiter damit lediglich um die 300 Euro.

Ebenso problematisch ist, dass die meisten Arbeitsschritte vollautomatisiert sind. Besonders Fließbandarbeiter müssen deshalb Tag für Tag dieselben monotonen Handgriffe ausführen. Erschwerend kommt hinzu, dass ein großer psychischer Druck auf die Angestellten ausgeübt wird. Auf zehn Arbeiter kommen bereits zwei Aufseher, welche selbst bei minimalen Fehlern scharfe Kritik ausüben und den Betreffenden vor allen anderen an den Pranger stellen.4) Außerdem herrscht ein Redeverbot, Essens- und Toilettenzeiten sind limitiert. All dies sorgt laut Angaben von Mitarbeitern für eine „enge und gedrückte Arbeitsatmosphäre“.5)

Ein weiterer Kritikpunkt ist die soziale Isolation der Arbeiter. Diese wohnen in speziellen Unterkünften für bis zu 10 Personen auf dem Fabrikgelände. Nach der harten Arbeit ist meist jedoch kaum Zeit für Tätigkeiten, die über das Schlafen hinausgehen, Freundschaften unter den Angestellten existieren kaum.

Bereits 2010 hatte Foxconn international für Wirbel gesorgt, als sich in kurzer Zeit mehrere Angestellte das Leben nahmen. Daraufhin hatte das Unternehmen die Mitarbeiter dazu aufgefordert, sich zu verpflichten, sich nicht in „in einer extremen Form“ zu verletzen.6)

Im aktuellen Fall hat der Konzern nach eigenen Angaben bereits reagiert und alle beschäftigten Minderjährigen zurück in ihre jeweiligen Bildungseinrichtungen geschickt. Ebenso nahm Foxconn die volle Verantwortung für den Zwischenfall auf sich und teilte mit, sich bereits bei allen Betroffenen entschuldigt zu haben. Zudem heißt es in einer offiziellen Stellungnahme: „Jeder Mitarbeiter, der sich im Rahmen unserer Untersuchungen als verantwortlich für diese Rechtsverletzungen herausstellt, wird fristlos entlassen.“7)

Dennoch muss Foxconn eventuell mit rechtlichen Folgen rechnen – das offizielle Mindestalter von Arbeitern liegt bei 16 Jahren. Ob angesichts der undurchsichtigen Regierungsstruktur in China tatsächlich juristische Schritte eingeleitet werden, bleibt abzuwarten.

  1. Foxconn Says Underage Interns Worked at Yantai in China – Bloomberg.com []
  2. Foxconn soll minderjährige Arbeitskräfte vor FLA-Inspektionen versteckt habenGiga.de []
  3. “Hier herrschen Befehl und Gehorsam” – Spiegel.de []
  4. Zwischen Fließband und Wohnheim-Bett – Tagesschau.de []
  5. 12-Stunden-Schichten und Sprechverbot – Golem.de []
  6. Freitod verboten – taz.de []
  7. Foxconn “findet” minderjährige Mitarbeiter in chinesischen Werken – gulli.com []
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