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Das Recht auf menschenwürdige Arbeit für Kinder?

aktiv gegen kinderarbeit |  Bild:  © earthlink e.v.

aktiv gegen kinderarbeit | Bild: © earthlink e.v.

Niemand zweifelt daran, dass ausbeuterische Formen der Kinderarbeit abgeschafft werden sollen. Sollen aber alle Formen der Kinderarbeit verboten sein? Ja, sagen viele. Aber diese Meinung wird nicht von allen Menschen vertreten, die sich dafür einsetzen, die Ausbeutung arbeitender Kinder zu bekämpfen und ihre Situation zu verbessern. Auch viele arbeitende Kinder zählen zu den Gegnern eines absoluten Arbeitsverbotes. So musste etwa die deutsche Bundesregierung im Jahre 2000 in einem „Bericht über Kinderarbeit“ feststellen, dass Kinder gerne arbeiten und das Arbeitsverbot überwiegend ablehnen. Auch in anderen europäischen Ländern sprechen sich Kinder in Berichten an den UN-Ausschuss über die Rechte des Kindes gegen generelle Arbeitsverbote aus; sie sehen sich dadurch aufgrund ihres Alters diskriminiert1). In Lateinamerika, Asien und Afrika gibt es sogar die Bewegungen  der arbeitenden Kinder, die für das Recht, in Würde leben und arbeiten zu können, kämpfen. Zu den Grundelementen des Selbstverständnisses dieser Bewegungen gehört der Anspruch, respektiert zu werden und sich gegenseitig zu respektieren sowie die Überzeugung, dass die Arbeit auch positive Aspekte haben kann und dass die Kinder mit der Übernahme ökonomischer und sozialer Verantwortung früher als andere Kinder Fähigkeiten zur autonomen Gestaltung ihres Lebens und ein Bewusstsein über ihre Bedeutung und ihre Rechte in der Gesellschaft entwickeln können2).

Die Vertreter der Bewegungen der arbeitenden Kinder verweisen darauf, dass ein absolutes Verbot der Kinderarbeit sehr oft dazu führt, dass sich ihre Lage nur noch mehr verschlechtert und immer komplizierter wird. Ein Grund für die negativen Auswirkungen liege darin, dass all diese zum Schutz vor Ausbeutung gedachten Regelungen und Maßnahmen die Arbeit der Kinder nur unter dem Aspekt betrachten, dass sie ihnen schadet, ohne die Gründe und Motive in Erwägung zu ziehen, welche die Kinder zum Arbeiten veranlassen3). Ansätze, die auf die Abschaffung von Kinderarbeit zielen, vernachlässigen oftmals die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Zusammenhänge, in denen Kinder aufwachsen. Deshalb fordern die Kinder, welche ein Verbot der Kinderarbeit ablehnen, Armut zu bekämpfen und die Kinder dabei zu unterstützen, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu erreichen und solche Arbeitsbedingungen zu schaffen, die nicht ihre Gesundheit gefährden und ihnen Zeit zum Spielen und für die Schule lassen4). In vielen Dokumenten solcher Bewegungen wird immer betont, dass sie kein Recht auf irgendwelche Arbeit fordern, sondern, dass es sich um eine „Arbeit in Würde“ – eine „leichte“ Arbeit, die den „Fähigkeiten angemessen“ ist – handelt5).

Die Bewegungen der arbeitenden Kinder stoßen auf großen Widerstand auf verschiedenen Ebenen, doch in einigen Städten (wie zum Beispiel La Paz in Bolivien oder Lima in Peru) haben Stadtverwaltungen und Regierungen mit den Kinderorganisationen Vereinbarungen über bessere Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten, Schutz vor polizeilichen Übergriffen und kostenlose Krankenversorgung der arbeitenden Kinder getroffen.

Entspricht das Recht auf Arbeit doch dem Interesse des Kindes und dient nur zu dessen Wohlgehen? Oder wird es nur zur größeren Ausbeutung der Kinder führen? Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Doch ist es klar, dass es die existierenden Arbeits- und Lebensbedingungen sind, die Kinder zu dem Kampf um eine bessere Welt drängen.

Mehr Information zum Thema Bewegungen der arbeitenden Kinder:

http://www.pronats.de/

http://www.filmbuero-sued.de/FBS/Lisandro.html

  1. APuZ: Brauchen Kinder ein Recht zu arbeiten? – 26.11.14 []
  2. ProNATs  Bewegungen arbeitender Kinder und Jugendlicher []
  3. bpb.de: Brauchen Kinder ein Recht zu arbeiten? – stand 2.2.15 []
  4. ProNATs Weltbewegung arbeitender Kinder und Jugendlicher []
  5.  bpb.de: Brauchen Kinder ein Recht zu arbeiten? – stand 2.2.15 []
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