Adidas und der rettende Hilfsfonds?

Bild: © (CC BY 3.0) -

Der Sportkonzern Adidas plant einen Hilfsfonds für asiatische Billiglohnländer wie Bangladesch oder Indonesien. Wird damit auch endlich die Kinderarbeit aufhören? Skeptiker sagen: nein. Sie halten den Hilfsfonds von Adidas für eine reine PR- Maßnahme.

Adidas hatte schon einmal mit Vorwürfen der Kinderarbeit zu kämpfen. Der Konzern produzierte in Pakistan, wo auch schon zehnjährige Kinder arbeiten mussten. 1997 unterschrieben dann pakistanische Zulieferer und Vertreter von UNICEF und der internationalen Arbeitsorganisation das Atlanta-Abkommen. Dies setzte sich zum Ziel, Kinderarbeit abzuschaffen. Es gibt seitdem eine IMAC (Independent Monitoring Association for Child Labor) genannte Wirtschaftspolizei. Sie kontrolliert unangekündigt Nähereien und lässt sich von den Arbeitern ihre Ausweise zeigen. Um Bestechung zu verhindern, werden die Firmen per Zufallsgenerator in einem Computer ausgewählt.

Doch auf Grund des Atlanta-Abkommens saßen von einem Tag auf den anderen 1000 Kinder auf der Straße. Das kümmert den Konsumenten nicht, denn schließlich kauft er Produkte, die ohne Kinderarbeit gefertigt wurden. Wenn man nun Jahre später noch mal nachforscht, was die Kinder heute tun, ist man fassungslos. Sie haben neue Anstellungen in Ziegelbrennereien gefunden. Denn wer schert sich schon um sein Image in der Metall-Industrie?1)

Adidas hat nun ein branchenweites Treffen initiiert, um genau so was zu verhindern. Die Firmen beraten Ende Oktober in der Schweiz. Sie wollen den Hilfsfonds starten, damit die Mitarbeiter der Firmen auch in Billiglohn-Ländern gerechten Lohn erhalten und sie ihre Familie ernähren können, ohne dass ihre Kinder ebenfalls arbeiten müssen. Die Idee, dass sich auch andere Hersteller an dem Fonds beteiligen, bekräftigt den Wunsch, dass man gerechte Löhne in der Branche etablieren möchte, denn es wird oft nicht exklusiv produziert, sondern für mehrere Konzerne gleichzeitig.

Alles in allem ist der Plan des zweitgrößten Sportartikelherstellers sehr ehrenwert. Endlich mal ein Unternehmen, dass sich seiner Verantwortung bewusst ist. Doch leider muss man auch diesen Plan mit Vorsicht genießen, denn es ist noch offen, ob der Fonds überhaupt zu Stande kommt. Adidas selber gibt zu, dass man gerade noch ganz am Anfang stehe und die Verhandlungen auch „ergebnisoffen“ geführt werden. Internationale Organisationen wie die Kampagne für saubere Kleidung (CCC) warnen davor, das Versprechen der Firma ernst zu nehmen. Sie weisen auf die enorme Diskrepanz zwischen solchen Initiativen und dem Ist- Zustand hin. Zudem denken die CCC-Aktivisten, dass es nur eine PR- Strategie des Unternehmens ist, da Mitte September die Cornell Universität ihren Sponsorvertrag mit dem deutschen Konzern gekündigt hatte. Die Cornell Universität ist eine der größten Hochschulen der USA und bekannt für ihre Basketball- und Footballmannschaft und mit europäischen Sportvereinen vergleichbar. Hintergrund der Kündigung war, dass Adidas sich weigerte, rund 2.800 Beschäftigten eine Abfindung zu zahlen, nachdem eine Produktionsstätte geschlossen wurde. Eine Summe von 1,8 Millionen Dollar ist derzeit noch offen. Adidas rechtfertigte sein Verhalten damit, dass es den 2.800 Mitarbeitern Lebensmittelgutscheine im Wert von 525.000 Dollar austeilte und ihnen half, einen neuen Job zu finden. Doch von Lebensmittelgutscheinen lassen sich weder Miete noch Schulgeld für die Kinder bezahlen.2)

Es bleibt dennoch zu hoffen, dass man in der Schweiz eine Einigung findet, um den Fonds ins Leben zu rufen und einen großen Schritt in Richtung faire Löhne macht und dadurch auch dem Ziel einer Produktion ohne Kinderarbeit näherkommt.

 

  1. Adidas will Hilfsfonds für Arbeiter gründen []
  2. Die Ballmacher aus Sialkot []

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