Superstars aus dem Kinderzimmer

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Ob ‚Deutschland sucht den Superstar’, ‚The Voice of Germany’ oder ‚Germany’s next Topmodel’ – tausende junge Leute bewerben sich jährlich um die Teilnahme in einer der zahlreichen Castingshows. Der Wunsch nach Ruhm ist groß, und der Preis, den die Teilnehmer zahlen, hoch. Da sich auch mit süßen, singenden Kindern gute Quoten holen lassen, steht die „Superstar“-Bühne jetzt auch den Kleinen offen.

Kurz nach Abschluss der neunten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ startet RTL nun die Talentsuche für Kinder ab vier Jahren. Bei „DSDS Kids“, das morgen Abend erstmals zu sehen sein wird, treten talentierte Kinder auf der großen Bühne gegeneinander an. Per Zuschauer-Voting wird anschließend entschieden, wer es bis ins Finale schafft.

Schon in den Vorjahren pilgerten jährlich Tausende zu den Auswahlverfahren von DSDS, um sich Dieter Bohlens Jury und damit auch dem Spott der Fernsehzuschauer zu stellen. Und auch diesmal ist der Bewerberandrang hoch: 38.664 singende Kinder zwischen vier und 14 Jahren haben sich für die neue Talentshow beworben. Dem Sieger winkt neben Ruhm und Ehre ein Ausbildungsstipendium inklusive Preisgeld. Gerade für Kinder scheint der schnelle Aufstieg zum „Superstar“ verlockend.

Doch so funkelnd die Shows des „Pop-Titanen“ Dieter Bohlen auch inszeniert sind, hinter den Kulissen herrschen andere Sitten. Immer wieder berichten ehemalige Teilnehmer, dass ihnen im Laufe der Sendungen jegliche Privatsphäre verwehrt blieb. Pikante Details aus dem Privatleben der Kandidaten werden medienwirksam in Szene gesetzt und genüsslich ausgeschlachtet. Auch Demütigungen und Spott gehören zum festen Programm.

Dass jetzt auch Kinder auf der Bühne vermarktet oder beim Casting vorgeführt werden sollen ist erschreckend. Sie können kaum abschätzen, welcher Medienmaschinerie sie sich durch die Teilnahme aussetzen. So hagelt es für „DSDS Kids“ schon jetzt mächtig Kritik, unter anderem vom Deutschen Kinderschutzbund. Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbundes, rät den Eltern, ihre Kinder nicht zu bewerben. Für die Entwicklung von Kindern könne ein Auftritt bei „DSDS Kids“ unter diesen Vorgaben schlimme Folgen haben. Professor Stefan Piasecki von der CVJM-Hochschule Kassel, der zum Thema „Medienwirkung“ forscht, ist ebenfalls kritisch. Er sieht außerdem die Gefahr, „dass Eltern aus finanziellen Interessen ihr Kind hier zum Produkt machen – koste es, was es wolle.“

Dieter Bohlen und Jurorin Dana Schweiger scheinen sich an der Tatsache, dass Leistungsdruck, Schönheitsdruck und Konkurrenzdenken immer weiter Einzug in die Kinderstuben halten, nicht zu stören. Sie beteuern: “Ziel der Show ist es nicht, dass Kinder vorgeführt werden.“ Ganz im Gegenteil: Ziel sei es, Kindern Mut zu machen und ihre Talente zu fördern. Ob diese Show der richtige Weg dafür ist, ist allerdings fraglich.1)

  1. Link zur Hompage von DSDS Kids []

Über karen / earthlink

Bachelor of Arts in Amerikanistik und Wirtschaft. Praktikantin bei EarthLink e.V.
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1 Antwort zu Superstars aus dem Kinderzimmer

  1. Benazire sagt:

    Unmöglich, dass Eltern keine Verantwortung zeigen und ihre Kinder in solche Shows schicken. Ähnlich wie bei den Modelwettbewerben für Kinder, sollte man sich ernsthaft fragen, ob ein Kleinkind im Alter von vier Jahren tatsächlich in der Lage ist, zu entscheiden, ob es auf die Bühne möchte, ob es das Preisgeld bekommen möchte und ob es den Ruhm wirklich möchte.
    Mama und Papa der kleinen Stars, sollten sich die Frage stellen, ob sie sich nicht wünschen, dass ihre Kleinen das schaffen, was sie selbst nie geschafft haben!

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