Das vergessene Schicksal der Kindersoldatinnen

 |  Bild: © n.v.

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Etwa 300.000 Kinder unter 18 Jahren sind derzeit als Kindersoldaten in Kriegen weltweit im Einsatz. In mehr als 30 Ländern kämpfen sie unter Einsatz ihres Lebens für staatliche Armeen, Milizen, bewaffnete Rebellengruppen oder paramilitärische Organisationen. Während mit KONY 2012 und Berichten über die Verurteilung des ehemaligen liberianischen Präsidenten und Warlord Charles Taylor letztlich auf die Problematik der Kindersoldaten aufmerksam gemacht wurde, so bleibt ein Aspekt jedoch oftmals unbeachtet: die Tatsache, dass auch Mädchen in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt sind.

Im Allgemeinen haben Rebellengruppen wie die kolumbianische FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) oder Sierra Leones RUF (Revolutionary United Front) die größte Tendenz, Mädchen zu rekrutieren. Doch auch andere bewaffnete Gruppen setzen weibliche Kindersoldaten ein und nutzen sie, um ihre Truppen aufzustocken und ihre männlichen Kämpfer zu motivieren oder für den Einsatz im Kampf zu belohnen.

Während einige Kinder entführt und mit schwerer Gewalt zum Beitritt in die Gruppe gezwungen werden, schließen sich viele auch freiwillig an. Speziell im Fall von Mädchen sind häusliche Gewalt, fehlende Sicherheit in Kriegszeiten sowie die schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen oft Auslöser dafür, dass sich die Kinder den bewaffneten Gruppen anschließen. Viele der Mädchen wollen außerdem einer Position der Unterwerfung entfliehen und versprechen sich vom Soldatendasein Status, Respekt und ein besseres Leben.

Häufig übernehmen die weiblichen Kindersoldaten häusliche Aufgaben und müssen hinter der Linie als Köchinnen, Funkerinnen oder Trägerinnen dienen. Doch auch das Tragen von Munition und Waffen und der Einsatz in Kämpfen gehört oftmals zu ihren Aufgaben, und so sind einige Mädchen im Kampf an vorderster Front dabei. Während ihrer Zeit im bewaffneten Konflikt werden weibliche Kindersoldaten außerdem häufig von männlichen Kämpfern brutal vergewaltigt und sexuell versklavt.

Obwohl Mädchen oft denselben Horror durchlaufen wie die männlichen Kindersoldaten haben die wenigsten von ihnen die Chance, nach dem Verlassen der Gruppe ein Reintegrationsprogramm zu durchlaufen. In der Demokratischen Republik Kongo (DRC) waren gerade einmal 2 Prozent der Teilnehmer des Demilitarisierungsprogramms  von Save the Children Mädchen; in Sierra Leone waren es 4,2 Prozent. Da die Aufgaben der Mädchen oft weniger nach Außen hin sichtbar sind, haben die meisten internationalen Hilfsprogramme hauptsächlich Jungen zur Zielgruppe. Die speziellen Bedürfnisse der Mädchen werden meist nicht erkannt, wodurch sie oftmals von DDR-Programmen (Disarmament, Demobilisation, Reintegration) ausgeschlossen werden.

Dabei ist es gerade für Mädchen schwierig, den Weg zurück in die Gesellschaft zu finden. Oft verschweigen sie ihre militärische Beteiligung aus Angst, von der Gesellschaft stigmatisiert und ausgeschlossen zu werden. Als Opfer sexuellen Missbrauchs werden zurückkehrende Kindersoldatinnen oft als „unrein“ angesehen. Außerdem haben die Heimatgemeinden oft Angst, dass die Soldaten, denen die Mädchen im Krieg zugeteilt waren, ihre Mädchen holen und sich an der Gemeinde rächen werden.

Die traditionelle Wahrnehmung des bewaffneten, männlichen Kindersoldaten muss überdacht werden, um vermehrt auch auf das Los der Kindersoldatinnen aufmerksam zu machen. Hilfsprogramme, die speziell auf Mädchen abgestimmt sind, sind von Nöten, um diese nachhaltig in die Gesellschaft zu reintegrieren und der Geschlechterproblematik genügend Beachtung zu schenken. 1)2)

  1. http://trial-de.blogspot.de/2008/07/kindersoldatinnen-spezifische-probleme.html []
  2. http://www.amnesty.ch/de/themen/weitere/kindersoldaten/maedchen-kindersoldatinnen []

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