Baumwollernte: NGO-Zusammenschluss fordert EU auf, Druck auf usbekische Regierung auszuüben

 |  Bild: © n.v.

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Eine Allianz von über 20 unterschiedlichen NGO´s, darunter beispielsweise Human Rights Watch, wendet sich in Form von Briefen an die Hohe Vertreterin der EU, Catherine Ashton und den dänischen Außenminister Villy Søvndal. In dem Schreiben fordert der Zusammenschluss die EU dazu auf, hinsichtlich der Zulassung unabhängiger Kontrollen der usbekischen Baumwollernte, Druck auf die Regierung Usbekistans auszuüben. Demzufolge soll erreicht werden, dass Usbekistan der „International Labour Organization“ (ILO) in Bezug auf die Überwachung der diesjährigen Baumwollernte Zugang gewährt. Das Schreiben wurde mitunter in Anbetracht der aktuell stattfindenden jährlichen „International Labour Conference“ der ILO in Genf verfasst, an welcher auch die EU maßgeblich teilnimmt.

Den Hintergrund stellt hierbei die anhaltende, glaubwürdig nachgewiesene Praxis der usbekischen Regierung dar, Erwachsene aber auch Kinder zwangsweise bei der Ernte auf den Baumwollfeldern einzusetzen.1) Laut Berichten lokaler Überwachungsgruppen über die Baumwollernte 2011, wurden Kinder von lediglich zehn Jahren zwangsweise zur Ernte auf die Baumwollfelder geschickt, um dadurch die staatlich vorgegebenen Erntequoten zu erfüllen. Dabei arbeiten und leben die Kinder in zumeist unwürdigen Bedingungen, ziehen sich Krankheiten zu und verpassen die Schule. Für die tägliche Arbeit, welche sich zumeist vom frühen Morgen bis zum Abend hinzieht, verdienen die Kinder wenig bis gar kein Geld. Hierbei leiden die Kinder nicht selten an Hunger, Erschöpfung sowie der Hitze auf den Feldern. Zudem wird der usbekischen Regierung gleichzeitig vorgeworfen, eine unabhängige Zivilgesellschaft zu bekämpfen, staatlich legitimierte Folter zu betreiben und somit beispielsweise lokale Menschenrechtsaktivisten mundtot zu machen.

Der Vorwurf lautet hierbei, dass es der usbekischen Regierung bisher stets gelungen ist, trotz bereits getätigter Versprechen zu kooperieren, die EU auszutricksen und die EU Menschenrechts-Forderungen zu ignorieren. Um dieser Praxis ein Ende setzen zu können sei es demzufolge unabdingbar, dass die ILO zusammen mit einer freien und unabhängigen Zivilgesellschaft bei der diesjährigen und auch kommenden Ernten die Einhaltung der Menschenrechtsstandards überwacht. Dazu Joanna Ewart-James, von der internationalen Organisation Anti-Slavery International in einem Bericht von Human Rights Watch: „Alles andere als eine eigenständige Überwachungsmission, setzt Millionen von Kindern und Erwachsenen einem hochgradigen Risiko aus, ein weiteres Jahr Opfer von Zwangsarbeit zu werden.“

Vergangenen Dezember stimmte das Europäische Parlament mit großer Mehrheit gegen einen Vorschlag der Reduzierung der Zölle für usbekische Textilien. Damit war die Forderung verbunden, dass zuerst die Bedingung unabhängiger ILO Überwachung der Baumwollernte, sowie die Forderungen nach konkreten Schritten der Regierung zur Beendigung der Kinderarbeit erfüllt werden müssten. Nun liegt es an der EU mit Nachdruck weiterhin auf eine Zulassung unabhängiger ILO-Kontrollen zu drängen.


Bericht von Human Rights Watch (auf Englisch)

  1. EarthLink Bericht []

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