Indien: Die Pflastersteinklopfer aus Rajasthan

Bild: © n.v. -

Rund 30.000 Tonnen Pflastersteine lieferten indische Betriebe im Jahr 2010 an deutsche Unternehmen. Die Pflaster werden hauptsächlich in Steinbrüchen der nordindischen Region Rajasthan geklopft. In diesem Betätigungsfeld sind geschätzt 13 Millionen Kinder zwischen 5-14 Jahren beschäftigt.1)

Die Bedingungen unter denen die Kinder teils bis zu 14 Stunden am Tag schuften müssen, sind katastrophal: der Stein wird mit einem Hammer bearbeitet – ohne Schutzhandschuhe. Den Staub, der dabei aufgewirbelt wird, atmen die Kinder direkt ein, denn sie besitzen auch keinen Mundschutz. Bei dieser anstrengenden körperlichen Arbeit, sind sie oftmals den ganzen Tag der Sonne ausgesetzt. Wenn die Menge ausreichend ist, fahren verschiedene Exporteure vor, welche die geklopften Steine dann auf ihre Lastwagen laden und den erschöpften Kindern ihren Lohn ausbezahlen: weniger als zwei Cent pro Pflasterstein.

Wer krank ist, verdient nichts und muss hungern.

Harte körperliche Arbeit und aggressiver Staub führen in dieser Region vermehrt zu Lungenerkrankungen und einer Lebenserwartung von nur 40 Jahren.

Trotz des Verbotes der Kinderarbeit durch die indische Regierung und ambitionierter Initiativen kann dem Problem der Kinderbeschäftigung in diesem Sektor bisher nur ungenügend nachgegangen werden. Eine dieser Initiativen ist Xertifix, eine deutsche Zertifizierungsorganisation, die versucht, gegebene Lieferbedingungen bis in den Steinbruch zurückzuverfolgen und die im Auftrag deutscher Steinhändler, lokale und unangemeldete Kontrollen durchführen lässt.

Denn es muss an mehreren Fronten gekämpft werden: vor Ort besteht einerseits die Problematik der Korruption, wodurch beispielsweise nötige Hilfszahlungen (wie Waisenrente) nicht bis zu bedürftigen Familien gelangen. Extreme Armut zwingt die Kinder zur Arbeit in den Steinbrüchen. Zum anderen erfolgen Kontrollen der verschiedenen Betriebe eher nachlässig.

Bestimmend ist letztlich vor allem die Nachfrage ausländischer Steinhändler, die durch ihre Preispolitik den Bedarf an unterbezahlten Arbeitskräften beständig nähren. Je mehr Firmen an der Lieferkette beteiligt sind, desto weniger Verantwortung übernehmen die Einzelakteure. Preisbewusste Privatpersonen achten kaum auf Siegel, wie das von Xertifix und manche Unternehmen argumentieren, sie müssten ertragsorientiert arbeiten.2)

Am Ende bleibt nur zu hoffen, dass auch hier irgendwann ein Umdenken stattfinden wird.

  1. Der Artikel der Tagesschau ist leider nicht mehr verfügbar. []
  2. Kinderarbeit in Indien: Die Spur der Steine – SpiegelOnline []
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