Bettler, Blumenverkäufer, Schuhputzer: Kinderalltag in Tunesien

Bild: © n.v. -

Ein 8-jähriger Junge verkauft Blumen an Menschen in einem Café und teilt auf Nachfrage mit, dass er alle Blumen bis zum Abend verkaufen muss, da sein Vater sonst sehr wütend wäre. Diese oder ähnliche Geschehnisse sind in Tunesien keine Seltenheit. Man sieht Kinder an vielen öffentlichen Orten in Tunesien: an den Gehwegen neben Cafés, in Shoppingcentern, auf dem Zentralmarkt und sogar in Bars. Entweder betteln sie, verkaufen Blumen oder putzen Schuhe. Der Anblick von Kinderarbeit in Tunesien ist allgegenwärtig, so dass man beinahe vergessen könnte, dass die Kinder eigentlich die Schule besuchen oder mit ihren Freunden spielen sollten, anstatt auf der Straße zu arbeiten.

Ein Großteil der Kinder lebt nicht mehr bei ihren Eltern, weil diese nicht für sie sorgen können oder die Kinder selbst unter massiven psychischen Problemen leiden. Die Kinder, die noch bei den Eltern im Hause leben, müssen teilweise feststellen, dass ihre Eltern eine schulische und berufliche Ausbildung als nicht besonders essentiell ansehen. Vielen Eltern fehlt es an finanziellen Mitteln, so dass sie von ihren Kindern fordern, auf der Straße zu arbeiten und ihren Teil zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen.

Das Problem der Kinderarbeit ist besonders in der Folgezeit der tunesischen Revolution sichtbarer und offenkundiger geworden. Während der Regierungszeit Ben Alis waren Themen wie Kinderarbeit ein Tabu. Und das obwohl in Tunesien moderne und fortschrittliche Kinderschutzregeln gesetzlich festgelegt sind: Mindestarbeitsalter von 16 Jahren, wiederholte medizinische Untersuchungen und ein strenges Verbot von Nachtarbeit.

Allerdings wurden diese gesetzlichen Regelungen schon während der Regierungszeit Ben Alis unter den Tisch gekehrt und auch nach der Revolution wurde das Thema Kinderarbeit von den Regierungsverantwortlichen nicht aufgegriffen. Nur langsam wird in Tunesien versucht, die vorhandenen Gesetze auch umzusetzen und Kinderarbeit zu unterbinden.

Zudem soll durch verschiedene staatliche Programme und durch die Arbeit von Organisationen (z.B. UNICEF) die Situation der Straßenkinder verbessert werden.

 

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