Kolumbien: Kindersoldaten im Fokus

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Der Krieg der Regierung gegen die Guerilla und einflussreiche Drogenkartelle dauert nun schon über 50 Jahre. Jetzt soll ein neuer Anlauf gegen die Guerilla unternommen werden, bei dem mit den Kindersoldaten die jüngsten Teilnehmer des Bürgerkriegs im Fokus stehen.

Dies war bereits 2006 der Fall. Als der Anteil der Kindersoldaten in den Streitkräften der Guerilla zunahm, reagierte die Regierung darauf mit „Gesetz 1098“. Nach diesem Erlass konnten Kinder für bis zu acht Jahre eingesperrt werden, wenn ihnen eine Vergangenheit als Kindersoldaten nachgewiesen werden konnte – unabhängig davon, ob die Rebellen sie durch Zwang rekrutiert hatten. Marcela Forero von Save the Children in Bogota: „Der Kongress hielt es für eine großartige Idee, die Kinder nachträglich dafür zu betrafen, dass sie als Soldaten dienen mussten“.

Vor allem die beiden großen Guerilla-Fraktionen – die Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (die berüchtigte FARC) und die Ejercito de Liberacion Nacional (ELN) – haben es dabei auf junge Nachwuchskräfte abgesehen. Nach Schätzungen der Human Rights Watch gehören den beiden Gruppierungen 11.000 bis 14.000 Kindersoldaten an. Besonders erfolgreich ist die Rekrutierung in indigenen Regionen, wo ganze Schulen besetzt und die Kinder massenweise zwangsrekrutiert werden.

Dennoch übt die Guerilla auch einen gewissen Reiz auf die Heranwachsenden aus, wie Patricia Erb vom kanadischen Ableger von Save the Children festgestellt hat: „Viele Kinder möchten sich der Guerilla anschließen, weil sie es für richtig halten“. Dass ein solcher Wunsch mittels Propaganda und Belehrung erreicht wird, sollte nicht verschwiegen werden. Entsprechende Gegenmaßnahmen, so die Kampagnen von Save the Children, zeigen noch nicht den gewünschten Erfolg.

Noch immer werden durchschnittlich 28 Kinder im Monat entführt und zu Kindersoldaten ausgebildet. Dabei bedient sich besonders die FARC immer grausamerer Methoden: So wurde 2008 ein Junge mit Benzin betäubt und erschossen, damit sich sein Bruder gefügig den Terroristen anschloss. Besonders die indigenen Regionen Choco, Putumayo, Cauca und Narino leiden unter der Gewalt. In der Küstenstadt El Charco zahlte die Guerilla einem Jungen 1.000 Pesos – umgerechnet 50 Cent – um als Selbstmordattentäter einen Anschlag auf eine Polizeistation zu verüben.

Ein neues, progressives Gesetz soll in Kürze verabschiedet werden, um die Rekrutierung von Kindern als Soldaten einzudämmen. Forero hofft, dass damit die richtigen zur Rechenschaft gezogen werden: „Hinter all den Grausamkeiten, welche die Kinder verüben, stehen Erwachsene. Sie sind es, die zur Verantwortung gezogen werden müssen“.

 

 

Über Mathias / EarthLink

Praktikant bei EarthLink / Student der Politikwissenschaft mit Nebenfach Geschichte an der LMU München. Aufgabenbereiche: Projektmitarbeit "Aktiv gegen Kinderarbeit" und "Drogen Macht Welt Schmerz"
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