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USA: Amerikanische Vollzugsbehörden stellen Sextouristen eine Falle

Festnahme, Gericht, Krieg |  Bild: © n.v. - Wikimedia CommonsFestnahme, Gericht, Krieg

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Kanada als Land des Sextourismus. Das war der Gedanke als man Kanada als Ziel für eine ungewöhnliche verdeckte Ermittlung gewählt hatte. Diese wurde zwischen 2009 und 2011 von Amerikanischen Exekutivorganen unter der Leitung von Special Agent Brian Moskowitz durchgeführt. In dieser Zeit haben die Mitarbeiter der Operation eine gefälschte Webseite mit dem Namen „Precious Treasure Holiday Co.“ ins Internet gestellt. Dort wurden Sexreisen von Cleveland nach Kanada angeboten. In Kanada sollten die Interessenten Sex mit Kindern ab acht Jahren kaufen können. Während dieser Zeit hatte die Webseite 140,000 Aufrufe, vier Männer wurden festgenommen. „Kanada ist für eine plausibles Szenario wie gemacht“, sagte Moskowitz in einem Telefoninterview. „Es war nie unsere Absicht, irgendjemand nach Kanada zu bringen und es waren keine Kinder involviert. Das alles war lediglich Teil des Szenarios, das wir aufgebaut haben.“ Bis 2008 lag das Mindestalter für einvernehmlichen Sex in Kanada bei 14 Jahren. Heute liegt es bei 16. Laut der  NGO ECPAT (End Child Prostitution, Child Pornography and Trafficking of Children for Sexual Purposes) war Kanada lange ein favorisiertes Ziel für Sextouristen (bezüglich Sex mit Minderjährigen).

Mit der verdeckten Ermittlung konnten vier Personen, zwei Deutsche und zwei Amerikaner, festgenommen werden. Jeder von ihnen hatte 1.600$ gezahlt, um Sex mit fiktionalen kanadischen Kindern zu haben. Entweder in Kanada selbst oder in den USA. Diese Männer dachten es wäre sicher, Sex mit diesen Kindern zu haben und dabei auch noch Photo- und Videoaufnahmen zu machen. Die geplanten Taten sind nicht nur kriminell, sondern erschreckend.

Ein 49jähriger Arzt aus Albstadt hatte dafür bezahlt, mit einem elfjährigen Mädchen acht Stunden in einem Hotelzimmer zu verbringen. Er hatte einen extra Aufpreis gezahlt, um die Taten auf Videotape aufzunehmen. Als er im März in Cleveland landete, hatte er Unterwäsche, Sexspielzeug, Seile zum Fesseln, Gurte, eine Maske, Gleitgel, Kondome und eine Flasche Beruhigungsmittel bei sich. Zusätzlich hatte er vier Einhornstofftiere und eine Einhornmalbuch bei sich. Am 15. August wurde er verurteilt, das Strafmaß liegt allerdings noch nicht fest.                                                 Der zweite Verurteilte, auch ein Deutscher, 63 Jahre alt aus Leipzig, hatte 1.600$ gezahlt um Sex mit zwei Kindern, einem Mädchen und einem Jungen, zu haben. Er muss sich am 25. Oktober vor einem amerikanischen Gericht verantworten.   Jonathan Waltman, 25 Jahre, konnte nicht nach Kanada einreisen, da er bereits wegen eines Sexvergehens auf Bewährung war. Er hatte also dafür bezahlt, ein achtjähriges Mädchen in Detroit zu treffen. Gegenüber einem verdeckten Ermittler gab er an, kinderpornographisches Material in seinem Keller zu verstecken. Er bekannte sich schuldig und wartet auf den Urteilsspruch am 15. November.             Der letzte Festgenommene verbüßt bereits eine 20jährige Haftstrafe. Er gab gegenüber einem verdeckten Ermittler an, bereits Sex mit zwei Minderjährigen gehabt zu haben.

Trotz des Erfolgs der Ermittler gab es bei der Aktion mehrere Hindernisse. Im Vorfeld mussten alle zuständigen Behörden in den USA und Kanada  informiert werden, damit diese nicht gegen die gefälschte Seite ermitteln. Um Pädophile anzulocken, benutzte die Seite Symbole und Begriffe, die auf einschlägigen Internetseiten bekannt sind. Damit niemand zufällig auf das explizite Material der Seiten stößt, konnte man erst nach Kontaktaufnahme mit den verdeckten Ermittlern weitere Informationen erhalten.

Wegen Beschwerden wurde die Seite mehrmals gesperrt und musste unter anderem Namen geöffnet werden. Laut Moskowitz hatte das der Seite allerdings nur zur Glaubwürdigkeit verholfen. Im März wurde die Seite ein weiteres Mal von einem Internetanbieter gesperrt. Danach veröffentlichte die Seite thesmokinggun.com die wahren Hintergründe von Precious Treasure. Danach wurden die Webseite und die Operation beendet. Das Outing durch eine andere Webseite hatte maßgeblich mit der Beendigung zu tun, sagte Moskowitz. Er gab weiterhin an, dass er nicht verstehen könne, warum jemand Pädophilen die Möglichkeit geben will, weiterhin nach Beute zu jagen. Es wird davon ausgegangen, dass insgesamt etwa 100.000 Terabyte an Informationen bezüglich Kinderprostitution und Sextourismus im Internet erhältlich sind. Nur internationale Anstrengungen könnten diese Missstände bekämpfen.

Link zum Artikel (englisch)

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